Kino

„The Batman": Der dunkle Rächer sucht sich selbst

The Batman. Ab 14 Jahren. Ab heute in den Kinos.
© DC

Batman hat neuerdings einen Artikel und mit Robert Pattinson ein neues Gesicht. Wer er sein will, weiß „The Batman“ aber noch nicht.

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Die Fledermaus wird zuweilen wenig charmant als Ratte der Lüfte charakterisiert. Auch wenn ihre mysteriöse Rolle in der Pandemie-Geschichte noch nicht restlos aufgeklärt ist, verhilft ihr nun ein neuer Film zu einem Comeback: „The Batman“ (diesmal mit bestimmtem Artikel). Im äußerst düsteren Crime-Thriller stellt der „Riddler“ (Paul Dano auf den Spuren des Zodiac-Killers) dem Fledermaus-Mann eine ganze Reihe von morbiden Rätseln. Eines davon ist als fantasievoller Werbe-Gag auch unter dem spanischen Rätselwort für geflügelte Ratte verfügbar: www.rataalada.com. Dabei wird Zug um Zug ein großes Korruptions-Netzwerk in Gotham City aufgedeckt. Korruptionsenthüllungen führen oft zu vorschnellen und lauten Rufen nach einem gerechten Rächer, der Ordnung schafft. Mit diesem reaktionären Ansatz musste sich Batman schon in der erfolgreichen Trilogie von Christopher Nolan herumschlagen.

🎬 Trailer | The Batman

Nun, eine Trump-Präsidentschaft und einen Putschversuch später, geht es Regisseur und Autor Matt Reeves politisch vorsichtiger und eindeutig rechtsstaatlicher an. Auch wenn zwei korrupte Figuren die Namen von Watergate-Verbrechern tragen. Ein junger Batman, der sich mit „I am Vengeance“ als dunkler Rächer vorstellt, kämpft nicht nur mit dem alltäglichen Verbrechen auf der Straße, sondern auch mit seiner zweifelhaften Rolle als Vigilant in Gotham City.

Hauptdarsteller Robert Pattinson hat seit seinen „Twilight“-Tagen einen Bogen um große Helden-Blockbuster gemacht. Nun spielt er den neben Superman und trotz der Marvel-Heroen-Schwemme wohl bekanntesten Superhelden überhaupt als schweigsame, ambivalente Figur im schwarzen Anzug. Offensichtlich weiß dieser Batman noch nicht so recht, wer er sein will. Auch einige spärliche Auftritte ohne Maske als zurückgezogener Bruce Wayne geben ihm nicht mehr spielerischen Raum. Dennoch findet er seinen eigenen, zerrissenen Batman nach prominenten Vorgängern wie Michael Keaton, Val Kilmer, George Clooney, Christian Bale und Ben Affleck – der zunächst, vor einer gefühlten Ewigkeit, als Darsteller, Autor und Regisseur für diesen Film vorgesehen war. Zoë Kravitz überzeugt als eigenständige Catwoman-Figur, der sie schon in der Lego-Batman-Version ihre Stimme geliehen hatte. Das Knistern zwischen ihr und Batman fiel allerdings dem amerikanischen Jugendschutz, der Explosionen liebt, aber dem Kino alle Erotik austreibt, zum Opfer.

Mit stolzen 176 Minuten wirkt „The Batman“ epischer als es die Detektiv-Geschichte, die er erzählt, bräuchte. Daran ändert auch ein etwas generisches Blockbuster-Finale nichts. Der extrem verregnete, nächtliche Film-Noir-Stil mit passendem Soundtrack und die düstere Verbrechens-Schnitzeljagd auf den Spuren von David Finchers „Se7en“ ist jedoch atmosphärisch stimmig. Insgesamt ein konsequent-kompromissloser, mutiger Ansatz, der durchaus neugierig auf die Fortsetzungen macht. Geplant ist erneut eine Batman-Trilogie. Sie soll von zwei Fernsehserien flankiert werden.

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