Krieg in Ukraine

Ukrainer und Russen: Viele Bürger und einige Oligarchen in Österreich

Einer der bekanntesten in Österreich engagierten Russen: Oleg Deripaska.
© Sergei Karpukhin via www.imago-images.de

In Österreich leben laut Statistik Austria 12.668 Ukrainer und 33.895 Russen (Stand Mitte Februar 2022). Darunter sind auch vereinzelte Vertreter der russischen und ukrainischen Geschäftseliten, wie Oleg Deripaska oder Dmytro Firtasch.

Kiew/Moskau/Wenchang – In Österreich leben laut Statistik Austria 12.668 Ukrainer und 33.895 Russen (Stand Mitte Februar 2022). Darunter sind auch vereinzelte Vertreter der russischen und ukrainischen Geschäftseliten, die in Österreich wohnen oder es regelmäßig besuchen. Sowohl öffentlich als auch hinter den Kulissen haben sich manche von ihnen auch gegen den Krieg des Kreml gegen die Ukraine positioniert und setzen diesbezüglich Aktivitäten.

Abgesehen von Tausenden Flüchtlingen aus Tschetschenien, die zu einem Teil weiterhin als russische Staatsbürger gelten, zog Österreich in den letzten 20 Jahren vor allem jüngere Menschen aus Russland und der Ukraine an. Während es diesen jungen Russinnen und Russen aus vielen Regionen kommen, dominieren bei den jungen Ukrainerinnen und Ukrainern vor allem Menschen aus der Westukraine, die nun auch maßgeblich den friedlichen Protest auf Österreichs Straßen dominieren.

Für Reiche und Superreiche aus der Region war Österreich indes vor allem ein Ort, an man dem sich gerne erholte oder auch medizinisch behandeln ließ. So sie ganz nach Österreich übersiedelten, vermieden die meisten von ihnen erfolgreich mediale Präsenz und hielten sich diskret im Hintergrund auf, ohne große wirtschaftliche Interessen in Österreich selbst zu verfolgen. Eine wenige gründeten Holding-Gesellschaften, über die sie in Österreich Beteiligungen in ihrer Heimat hielten.

Ukrainischer Oligarch will sich in Heimat engagieren

Eine dieser Personen ist der ukrainische Oligarch Dmytro Firtasch, der sich nun direkt in seinem Heimatland engagieren will. Er habe die österreichischen Behörden gebeten, ihn temporär in die Ukraine zurückkehren zu lassen, um dort in Zeiten der Krise zu helfen, teilte Firtaschs US-amerikanischer Anwalt Lanny mit. Beim Landesgericht Wien, das angesichts eines US-Auslieferungsbegehrens eine derartige Entscheidung treffen müsste, lag am Mittwochnachmittag noch kein diesbezüglicher Antrag vor, informierte eine Gerichtssprecherin.

Seit die USA 2014 seine Auslieferung von Österreich begehren, hält sich Firtasch zwangsweise in Österreich auf. Die Causa steht im Zusammenhang mit angeblichen Schmiergeldzahlungen bei einem nie realisierten Titangeschäft in Indien. Nachdem die Auslieferung im Sommer 2019 durch den Obersten Gerichtshof (OGH) für zulässig erklärt worden war und auch der damalige Justizminister Clemens Jabloner die erforderliche Zustimmung erteilt hatte, verhinderte ein Wiederaufnahmeantrag von Firtaschs Verteidigern beim Landesgericht (LG) Wien vorerst die drohende Überstellung des Ukrainers in die USA.

Oligarchen üben Kritik am Kreml

Involviert hat sich auch Oleg Deripaska, den mit Österreich nicht nur eine 28 Prozent Beteiligung am Baukonzerns Strabag verbinden. 2018 ließ er auch in Niederösterreich eine russisch-orthodoxe Kirche bauen, um an seinen Großvater zu erinnern, der im Zweiten Weltkrieg bei der Befreiung Österreichs gefallen war. Der russische Milliardär übte am Montag gemeinsam mit anderen russischen Oligarchen Kritik am Vorgehen des Kreml in der Ukraine. Deripaska forderte angesichts der gegen Moskau verhängten Wirtschaftssanktionen ein Ende des "Staatskapitalismus" in Russland. "Das ist eine echte Krise, und wir brauchen echte Krisenmanager", erklärte der Gründer des Aluminiumkonzerns Rusal auf Telegram. "Wir müssen unbedingt die Wirtschaftspolitik ändern und diesen ganzen Staatskapitalismus beenden."

Die EU hatte sich Ende der vergangenen Woche auf Sanktionen gegen russische Oligarchen geeinigt. Die Strafmaßnahmen sollen vor allem ermöglichen, deren in der EU vorhandenen Vermögenswerte einzufrieren. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, der Luftraum der Europäischen Union werde für jedes russische Flugzeug gesperrt sein, auch für die Privatjets von Oligarchen. Zudem wird insbesondere wohlhabenden Russen die Möglichkeit genommen, sich und ihren Familienangehörigen eine europäische Staatsbürgerschaft zu verschaffen.

Bereits auf einer früheren Sanktionsliste vom vergangenen Mittwoch fand sich Igor Schuwalow, ehemals Vizepremier und nun Chef des ebenso sanktionierten Finanzentwicklers Veb.rf. Schuwalow und seine Gattin Olga verfügen nach Medienberichten über einen Wohnsitz in Burgau am Attersee, ein von der Familie verwendeter Privatjet pendelte häufig zwischen Moskau und Salzburg. Auch am Tag vor dem Einmarsch Russlands in der Ukraine flog der Gulfstream G650 nach Salzburg, um in der Nacht auf Donnerstag wieder nach Moskau zurückzukehren. Ob der Sanktionierte selbst an Board war, ist unbekannt. (APA)

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