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Maßgeschneiderte Architekturen, die atmen: Hans-Walter Müller im aut

Jenseits der Schwerkraft: Hans-Walter Müller im Innsbrucker aut.

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Von Hans-Walter Müller eigenhändig gebautes Zugangsgebäude zu Jean Tinguelys begehbarer Skulptur „Le Cyclope“ in Milly-la-Fôret.
© Müller/Vesperini

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – „Was verletzlich ist, liebt man“, sagt Hans-Walter Müller. Und überaus verletzlich sind seine aus PVC-Folien gemachten aufblasbaren Architekturen wirklich, kann ihnen doch recht schnell die Luft ausgehen. Der inzwischen 87-jährige Deutsche, der nach seinem Architekturstudium in Darmstadt durch ein Stipendium in Paris gelandet und bis heute dort geblieben ist, lebt selbst seit 50 Jahren in so einer in einen wunderbaren Garten eingebetteten „Blase“ bzw. mehreren „Blasen“, u. a. einer „Resonanzkugel“ samt Klavier.

Als der französische Staat vor zwei Jahren das gesamtkunstwerklich angelegte Areal unter Schutz stellen wollte, lehnte Müller das ab, sei sein Haus doch eines, das vergehen muss. Das ihm, wenn er den Ventilator ausschaltet, durchaus auf den Kopf fallen kann. Allerdings sei das Leben einfach zu kurz, um es sich allzu bequem zu machen, sagt der Visionär, der die aufblasbare Architektur zwar nicht erfunden, aber perfektioniert und in sämtlichen Varianten ausgereizt hat. Wobei Müller bis heute von der exakten Planung per Computer bis zum Zusammenschweißen der Folien alles selbst macht. Allein die 900 Quadratmeter große zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete in Paris habe er „schneidern“ lassen, wie Müller vor drei Jahren bei einem Vortrag im aut verraten hat.

Wo nun Videos und Fotografien sowie ein Film von Lukas Schaller vorführen, wie dieser die kinetische Kunst ins Dreidimensionale ausbreitende Architekt der Sonderklasse tickt. Speziell für die Schau wurde ein Modell gebaut, um zu demonstrieren, wie Architekturen dieser Art funktionieren. Die im Gegensatz zu „normalen“, den Gesetzen der Schwerkraft unterliegenden „erstarrten“ Bauwerken leichte, meist temporär angelegte, fröhlich-bunte Konstruktionen sind.

In Form gehalten durch Ventilatoren, die ständig Luft in deren Häute pumpen. Mit dem großen Vorteil, dass diese Architekturen rasch auf- und abbaubar sind und fast nichts wiegen. Ganze 39 Kilo etwa eine Kirche, in der 200 Menschen Platz finden und die in zehn Minuten steht. Mit 2000 Quadratmetern Grundfläche ist ein Zelt, das er für französische Trapezkünstler gebaut hat, Müllers größtes Projekt, eines seiner kleinsten der „Ballon transparent“, in dem er mit seinem Elektroroller 2001 anlässlich des Weltumwelttags durch Paris gedüst ist.

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