Entgeltliche Einschaltung

73-Jähriger vor Gericht: Nach NS-Verurteilung Prozess wegen Waffen

  • Artikel
Waffen und Munition wurden sichergestellt.Symbolbild: APA/LPD OÖ

Über 70 Jahre hatte ein ehemaliger Polizeibeamter ein normales Leben geführt und war – geradezu berufsbedingt – unbescholten geblieben. Bis er in das Visier des Verfassungsschutzes geriet. Dieser hatte eine Spende an den Holocaustleugner Gerd Honsik nämlich dem heute 73-jährigen Tiroler zuordnen können. Sie war für die Neonazi-Zeitschrift Halt gedacht. 18 Monate bedingte Haft und 7200 € Geldstrafe hatte der Rentner wegen NS-Wiederbetätigung schließlich letzten Juni am Landesgericht kassiert. Gestern musste sich der Mann wegen Vergehen nach dem Waffengesetz und dem Sprengmittelgesetz verantworten.

Entgeltliche Einschaltung

Obwohl er nämlich wusste, dass seit einer zwischenzeitlichen Verurteilung nach dem Waffengesetz im September ein Verfahren wegen Waffenverbots gegen ihn an der Bezirkshauptmannschaft behängt, hatte er bis Dezember Waffen und Munition in seinem Haus aufbewahrt. Darunter auch ein Kaliber-10-Revolver der Schusswaffenkategorie B. Allein für den unbefugten Besitz dieser Waffe sieht der Gesetzgeber bis zu zwei Jahre Haft vor. Dass der 73-Jährige über die Zustellung des Verbots-Bescheids offenbar nicht sofort informiert war, entschuldigte ihn für das Gericht nicht.

So hatte der 73-Jährige den zwingenden Ausgang des Entzugsverfahrens richtig eingeschätzt und noch versucht, Waffen zu verkaufen, bevor sie eingezogen werden: „Ich brauche jeden Euro, da war es für mich doch gescheiter, sie noch zu Geld zu machen!“, erklärte der Angeklagte dem Richter. Dieser urteilte jedoch, dass sich der Rentner bereits in der Verkaufsphase wöchentlich nach dem Stand des Verfahrens bei der Behörde hätte erkundigen müssen. Und bei Waffen reicht es zur Strafbarkeit eben schon aus, wenn man nur fahrlässig über die rechtlichen Gegebenheiten nicht in Kenntnis ist. So erging nicht rechtskräftig eine Strafe über 1680 Euro. Der Richter: „Die offenen 18 Monate Haft widerrufe ich Ihnen aber nicht – das wäre unangemessen!“


In den eigenen vier Wänden nicht mehr ausgehalten hatte es im November ein Corona-infizierter Bauarbeiter. Symptom- und testfrei begab er sich deshalb zur Zwei-Mann-Baustelle in ländlicher Region. Weit entfernt von ihm der Baggerfahrer. Über eine zufällige Polizeikontrolle war alles aufgekommen. Da der Mann niemanden konkret, aber eben doch abstrakt gefährdet hatte, ergingen zur Hälfte bedingte 1800 Euro Geldstrafe. (fell)


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung