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„Wir haben noch viel zu tun“

Isolde Stieg ist seit September 2021 Vorstandsdirektorin der TIROLER VERSICHERUNG. Im Interview spricht sie über Chancengerechtigkeit, diverse Teams und die Frauenquote.

Isolde Stieg, Vorstandsdirektorin TIROLER VERSICHERUNG.
© TIROLER VERSICHERUNG/Hohlrieder

Frau Stieg, zum Weltfrauentag fällt der öffentliche Blick auf Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Isolde Stieg: 2022 hat die ganze Welt Angst vor einem Krieg. Wir schütteln den Kopf, dass unsere Gesellschaft nicht in der Lage ist, fair und friedlich zusammenzuleben. Woran das liegt? Wir alle sind gefordert, uns ständig selbst zu hinterfragen, ob unser Verhalten und unsere Entscheidungen zu Fairness beitragen. Ganz konkret zum Weltfrauentag: Was wünschen Sie sich für Ihre Tochter oder Enkelin?

Fränzi Kühne, deutsche Unternehmerin im Bereich Digitalisierung, hat ein erfrischendes Buch geschrieben mit dem Titel „Was Männer nie gefragt werden. Ich frage trotzdem mal“. Kühne stellte in einem Bewerbungsgespräch an einen männlichen Bewerber die Frage, wie er Karriere und die Erziehung seiner zwei Kinder unter einen Hut bringt. Seine Reaktion: „Kühne hat mich eingeschüchtert, verunsichert und beleidigt.“ Glauben Sie mir, auch wir Frauen empfinden so.

Offen Kritik üben und mutig sein

Was raten Sie jungen Frauen, die ihre Karriere starten?

Stieg: Lassen Sie Ihre Wut zu! Mädchen werden häufig dazu erzogen, nett, ruhig und bescheiden zu sein, nicht zu widersprechen – „brav“ zu sein. Das ist für die anderen bequem, bringt uns aber nicht weiter. Offen Kritik üben, Missstände ansprechen und sich gegen Ungerechtigkeit wehren. Wut ist nichts Schlechtes und es ist notwendig, sie rauszulassen. Mein zweiter Rat: Seien Sie mutig! Überwinden Sie Grenzen, verlassen Sie Ihre Komfortzone – das macht Sie stärker und lässt Sie wachsen.

Diversität macht Teams stärker

Die TIROLER setzt vermehrt auf weibliche Mitarbeiter*in­nen. Warum?

Stieg: Es gibt zahlreiche Studien, die die Vorteile diverser Teams erhoben haben – bessere Leistungen, offenere Feedbackkultur, innovativere Ideen, gesteigerte Arbeitsmoral und vieles mehr. Wir sehen in der TIROLER tagtäglich, dass die Arbeit in diversen Teams allen guttut. Die TIROLER ist ein innovatives, modernes Unternehmen. Dazu gehören Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen, Sichtweisen. Das ist Teil unseres Erfolgsrezeptes.

Seien Sie mutig! Überwinden Sie Grenzen, verlassen Sie Ihre Komfortzone!“

Isolde Stieg, Vorstandsdirektorin

Die TIROLER lebt aktive Gleichstellungspolitik

Wie fördert die TIROLER unternehmensintern Chancengerechtigkeit?

Stieg: Die TIROLER setzt bei Mitarbeiter*innen auf Kompetenz, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Alter. Eine aktive Gleichstellungspolitik gehört zu einem modernen Arbeitgeber mit dazu. Es liegt an uns, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle in jeder Lebensphase ihre beste Leistung bringen können. Das tun wir mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen, Gleitzeit, Home-Office, Führungspositionen in Voll- und Teilzeit sowie einem umfassenden Ausbildungsprogramm. Wir fördern Frauen aktiv, damit sie Führungspositionen annehmen und bereiten sie auf diese Aufgaben gut vor. Derzeit sind 30 % unserer Führungskräfte weiblich – unser Ziel sind mittelfristig natürlich 50 %. Wir sind auf einem guten Weg.

Was halten Sie von einer Frauenquote?

Stieg: Frauen sind mindestens genauso gut ausgebildet wie Männer, das zeigen alle Statistiken. Diese ausgewogene Situation findet sich in vielen Unternehmen leider nicht wieder. Scheinbar gibt es in der Personalpolitik noch bewusste oder unbewusste Barrieren, die Chancengerechtigkeit verhindern. Was passiert, wenn das einzige Kriterium bei einer Stellenbesetzung die Fachkompetenz ist? Die New Yorker Philharmoniker lassen neue Ensemblemitglieder hinter einem Vorhang vorspielen. Damit wird Objektivität erzwungen. Der Effekt: Das Ensemble besteht zu 50 % aus Frauen. Ich war nie eine Verfechterin der gesetzlichen Quote. Doch ich beobachte, dass Länder, die diese Maßnahme ergriffen haben, in Sachen Chancengerechtigkeit viel weiter sind als wir.

ZUR PERSON

Isolde Stieg ist seit 1. September 2021 Vorstandsdirektorin der TIROLER VERSICHERUNG. Nach dem Studium der Wirtschaftspädagogik arbeitete sie mehrere Jahre in internationalen Unternehmen. Nach einem Jahr Babypause, Lehr- und selbstständiger Beratungstätigkeit startete sie im Jahr 2011 ihre Karriere bei der TIROLER. Sie übernahm zunächst den Finanzbereich und war die erste Frau im Unternehmen, der die Prokura verliehen wurde.


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