Film

Briefe an Roxanne: „Cyrano“ mit Peter Dinklage neu verfilmt

Peter Dinklage brilliert auch ohne künstliche Nase als „Cyrano“. Ihm gegenüber glänzt Haley Bennett als die vermeintlich unnahbare Roxanne.
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„Cyrano“ als opulentes Musical mit Peter Dinklage in der Titelrolle.

Innsbruck – Cyrano de Bergerac ist ein Meister der Worte und des Schwertes. Nur seine wahren Gefühle zeigt der Zyniker nicht so leicht. Deshalb bleibt er bei der charismatischen Roxanne auch ewig in der „Friend Zone“. Doch dann greift er zur Feder und schreibt poetische Liebesbriefe an sie – für den unbeholfenen jungen Kadetten Christian.

Diese weithin bekannte, tragische Stellvertreter-Liebesgeschichte im Shakespeare-haften, komödiantischen Gewand über einen Lebemann des 17. Jahrhunderts ist seit ihrer Uraufführung 1897 ein Evergreen am Theater.

Nun kommt „Cyrano“ als prächtiges Musical ins Kino, von Joe Wright direkt von der Bühne adaptiert mit gleicher Besetzung in den beiden Hauptrollen. Auch schon mehrfach verfilmt (u. a. Oscar-prämiert mit José Ferrer oder später mit einem großnasigen Gérard Depardieu in der Titelrolle), bringt diese Textversion im Jahr 2022 frischen Wind ins Spiel. Das Ergebnis ist eine wunderbare Mischung aus prächtiger Kostüm-Historie und zeitlos aktualisierbarer Romantik.

📽️ Trailer | Cyrano

Perfekt besetzt als wortgewaltig draufgängerischer Mann mit verstecktem Minderwertigkeitskomplex spielt Peter Dinklage die Titelrolle. Ein Schauspieler, der sich seit seinem „Game of Thrones“-Durchbruch starke, maßgeschneiderte Rollen abseits der Klischees sucht, zuletzt etwa in „I Care A Lot“. Das Drehbuch stammt von seiner Frau Erica Schmidt, die beim Bühnenmusical Regie führte.

Gegenüber Dinklage spielen mit guter Chemie Kelvin Harrison Jr. (als fescher Christian) und Haley Bennett (als emanzipierte Roxanne) die zwei ahnungslosen jungen Verliebten. Beide glänzen durchwegs durch Frische in ihren Rollen und vor allem Bennett auch als Sängerin mit ordentlich Verve. Und weil dieser „Cyrano“ scheinbar ein Familienprojekt ist, übernimmt ihr Partner Joe Wright die Regie. Wie schon in seiner raffinierten McEwan-Adaption „Atonement“ entstaubt er die ausbalancierte Geschichte nochmals mit filmischem Schwung.

Die Gesangseinlagen von sanftem Sprechgesang bis zu großen Ensemble-Tanzszenen fügen sich nahtlos ein, auch wenn Dinklage als Sänger weniger begnadet auftritt denn als poetischer Briefeschreiber. Anders als zuletzt etwa „Annette“ ist „Cyrano“ ein echtes Musical für Musical-Fans. Der romantische Frühling kann beginnen. (maw)

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