Krieg in Ukraine

Studie: Europa könnte nächsten Winter ohne russisches Gas auskommen

(Symbolfoto)
© imago stock&people

Alternative Lieferungen könnten gesteigert werden durch eine Kombination aus mehr Flüssiggas- und Pipeline-Importen und einer stärkeren heimischen Erdgasförderung. Österreich setzt unterdessen auf die Lieferung von LNG (Flüssigerdgas) aus den Golfemiraten, um künftig unabhängiger von russischem Gas zu werden.

Kiew/Moskau – Unter bestimmten Bedingungen könnte Europa im nächsten Winter ohne russisches Erdgas auskommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag vorgestellte Studie des Beratungsunternehmen Aurora Energy Research. Die Analysten nehmen für diesen Fall eine Lücke von 109 Milliarden Kubikmeter Erdgas an, was 38 Prozent aller geplanten Gaslieferungen in die EU entspräche. Diese Lücke müsste durch andere Lieferungen und Verbrauchskürzungen geschlossen werden, hieß es.

Alternative Lieferungen könnten gesteigert werden durch eine Kombination aus mehr Flüssiggas- und Pipeline-Importen und einer stärkeren heimischen Erdgasförderung, hieß es in einer Mitteilung. Eine wichtige Rolle spiele auch die Gasspeicherung. Hilfreich wäre es, wenn die Speicher zu Beginn des kommenden Winters zu 90 Prozent gefüllt sind. Auf der Grundlage aktueller Gaspreise rechnen die Analysten dafür mit Kosten in der Größenordnung von 60 bis 100 Milliarden Euro. Starke staatliche Eingriffe wären für die Einspeicherung erforderlich.

Gasnachfrage muss reduziert werden

Je nach Speicherfüllständen müsste der Gasbedarf in verschiedenen Wirtschaftsbereichen mehr oder weniger reduziert werden. So könnte die geplante Abschaltung von Atom- und Kohlekraftwerken mit einer Kapazität von insgesamt 25 Gigawatt verzögert werden, was rund 12 Milliarden Kubikmeter Gasverbrauch durch Gaskraftwerke ausgleichen würde. Der Kohlebedarf und in der Folge auch die CO2-Emissionen würden allerdings entsprechend steigen.

Würden allerdings auch noch die russischen Kohlelieferungen gestoppt, würde dies eine "erhebliche Herausforderung" für die Kohlekraftwerksbetreiber bedeuten, so die Studie. Auch Haushalte könnten durch maßvolle Verhaltensänderungen den Gasverbrauch senken. (APA)

Österreich will LNG aus Golfemiraten als Ersatz für russisches Gas

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) reist am Sonntag und Montag gemeinsam mit Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Rohstoffministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar. Bei den kurzfristig angesetzten Gesprächen geht es vor allem um die Lieferung von LNG (Flüssigerdgas) aus den Golfemiraten an Österreich, um künftig unabhängiger von russischem Gas zu werden.

Am Sonntag will Köstinger außerdem in Abu Dhabi mit dem Industrieminister der VAE, Sultan Bin Ahmad Sultan Al Jaber, eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) über eine Zusammenarbeit im Bereich Grüner Wasserstoff unterzeichnen. Der Minister ist auch CEO der staatlichen Ölgesellschaft Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC).

Die ADNOC ist mit dem österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV bereits eng verbunden. Gemeinsam mit der OMV-Chemietochter Borealis betreibt die ADNOC das Kunststoff-Joint-Venture Borouge. Borealis selbst gehört zu 75 Prozent der OMV und zu 25 Prozent der staatlichen VAE-Beteiligungsgesellschaft Mubadala. An der OMV hält Mubadala 24,9 Prozent der Anteile, 31,5 Prozent der OMV-Anteile hält die österreichische Staatsholding ÖBAG. Darum wird die Regierungsdelegation aus Wien auch von Vertretern der OMV begleitet.

"Diese Unterschrift ist ein Meilenstein für Österreich in Richtung Unabhängigkeit von russischem Gas", sagte Köstinger, die das MoU in Vertretung von Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) unterzeichnet. "Grüner Wasserstoff ist eine der wichtigsten Alternativen, die wir als Bundesregierung in Zukunft forcieren möchten."

Verwandte Themen