Klimawandel

Schnee nichts Alltägliches mehr: Szenarien für den Wintertourismus

Hier die Vergangenheit: Das war lange Zeit Normalität. (1971-2000)
© ZAMG

Vorhersehbarer, unvermeidlicher Klimawandel oder „eine komplett andere Welt“: Ein Projekt zeigt Szenarien auf und wie essenziell Klimaschutz für den Wintertourismus ist.

Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Dass der bisherige Winter nicht nur zu warm, sondern auch deutlich zu trocken war, kann unter den Begriff Variabilität fallen. Auf schneereiche Winter folgen oft schneearme und umgekehrt. Der Anstieg der Temperaturen – sie lagen zwei Grad über dem langjährigen Mittel – wird sich aber weiter fortsetzen. „Es wird deutlich wärmer als in den letzten Jahrzehnten werden, langfristig ist von plus 0,3 Grad pro Jahrzehnt auszugehen“, sagt Andreas Gobiet von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Er ist Projektleiter einer Studie, die erstmals eine flächige Darstellung der Entwicklung der Schneedecke von 1961 bis heute und darauf aufbauend verschiedene Zukunftsszenarien zeigt. Und die unterscheiden sich deutlich voneinander, ist Gobiet selbst überrascht vom Ergebnis von FuSE-AT, das für Future Snow Cover Evolution in Austria steht und ein Gemeinschaftsprojekt von ZAMG, Uni Innsbruck und Climate Change Center Austria ist. In bisherigen Klimaszenarien für Österreich wurde nicht näher auf die künftigen Schneebedingungen eingegangen, die für Wintertourismus und Identität von so großer Bedeutung sind.

Das Worst-Case-Szenario: Der fossile Weg, 2071-2100. Die Hoffnung liegt im großen Unterschied zwischen bester und schlechtester Vision – es gibt noch Handlungsmöglichkeiten.
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Eines dieser Szenarien für unterschiedliche Höhenlagen nennt sich „unvermeidlicher Klimawandel“ oder „Zwei-Grad-Weg“ und beschreibt eine Situation, die nicht mehr aufzuhalten sei, also die erwarteten klimatischen Verhältnisse von 2021 bis 2050. Bleibt es bei den Zielen wie beim Pariser Klimaabkommen vereinbart, rechnen die Experten aber mit einer langfristigen Stabilisierung. „Wie es danach in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts weitergeht, wird von den Bemühungen für den Klimaschutz abhängen“, so Gobiet. Gibt es keine Umkehr, wird das Worst-Case-Szenario eintreten, das die Forscher auch den „fossilen Weg“ nennen.

In Fallstudien haben sie in den vergangenen drei Jahren zwei klimatologisch sehr gegensätzliche Skigebiete untersucht: Stellvertretend für niedriger gelegene ist die Brunnalm am Fuß der hohen Veitsch im Wiener Einzugsgebiet (1050–1450 Meter Seehöhe) und als konträres Beispiel Obergurgl (1793–3080 m). Das Best-Case-Szenario für Brunnalm ist demnach eine Reduzierung der Schneedecke um 25 Prozent, im „Worst Case“ sind es erschreckende minus 70 Prozent. Anders die Situation in Obergurgl, das damit wirbt, mit dem Skivergnügen dort anzufangen, wo andere aufhören: Dort ist im besten Fall mit minus fünf Prozent zu rechnen, im schlimmsten mit minus zehn Prozent. Beleuchtet wurden auch die Möglichkeiten, Kunstschnee zu erzeugen, die für tiefe Lagen von „teils noch handbar“ bis „keine Möglichkeit mehr“ reichen, wie Gobiet berichtet.

Die Erkenntnisse sollten jedenfalls aufrütteln, im schlimmsten Fall wird auch in Tirol Schnee – ausgenommen in hohen Lagen – etwas nicht mehr Alltägliches sein: „Dann ist das wirklich ein komplett anderes Klima, eine ganz andere Welt“, so Gobiet. „Wollen wir auf dem Weg des unvermeidlichen Klimawandels bleiben, müssen wir deshalb jetzt handeln, nicht erst in 30 Jahren.“ Je effizienter der Klimaschutz, umso geringer die Abnahme der Schneedeckendauer.

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