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ORF-Sportreporterlegende Sigi Bergmann im Alter von 84 Jahren gestorben

Der gebürtige Steirer war bei nicht weniger als 20 Olympischen Spielen im Einsatz – vor allem seine Box-Expertise war bis ins hohe Alter gefragt. In Erinnerungen bleiben besonders seine pointierten Sprüche.

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Sigi Bergmann verstarb im 85. Lebensjahr.
© GEPA pictures/ Walter Luger

Wien - Die Sportreporter-Legende Sigi Bergmann ist tot. Der 84-Jährige verstarb in der Nacht auf Dienstag nach kurzer, schwerer Krankheit in Moosburg bei Klagenfurt, wie der ORF sowie die Vereinigung österreichischer Sportjournalistinnen und Sportjournalisten mitteilten. Bergmann hatte über Jahrzehnte als ORF-Reporter den heimischen Sportjournalismus geprägt und galt als ausgewiesener Boxexperte. 2008 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

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Der am 3. Jänner 1938 im steirischen Vorau geborene Sigismund Bergmann begann seine journalistische Karriere in den frühen 1960er Jahren beim Volksblatt, 1968 wechselte er als Redakteur zum ORF. Von 1969 bis 1974 präsentierte der promovierte Historiker und Germanist dort die wöchentliche Sendung "Sportmosaik". Ab 1975 moderierte er 17 Jahre lang die ORF-Sendung "Sport am Montag". Dort schaute er gerne über den sportlichen Tellerrand hinaus und lud auch Persönlichkeiten wie Peter Ustinov, Helmuth Lohner, Otto Schenk oder Placido Domingo ein.

📽️ Video | Sportjournalisten-Legende Sigi Bergmann gestorben

Bergmann kommentierte in seiner Karriere an die 4.000 Boxkämpfe, darunter die WM-Klassiker von Muhammad Ali. Mit dem früheren Box-Europameister Hans Orsolics verband ihn seit 1967 eine enge Freundschaft. Der Journalist half dem Ex-Sportler einst bei der Resozialisierung nach dessen sozialem Absturz und schrieb die Biografie "Orsolics Hansi K.o. - Triumphe und Leiden eines Boxers".

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Bei 20 Olympischen Spielen war Bergmann, der einst selbst an der Wiener Universität boxte, im Einsatz, erstmals 1968 in Mexiko. Neben Boxen begleitete er Rodel- und Skibewerbe sowie Fußball. Obwohl er sich seit seinem 60. Geburtstag offiziell in Pension befand, war seine Expertise bei Olympia im ORF weiterhin gefragt. So kommentierte er auch 2016 in Rio de Janeiro die olympischen Boxkämpfe.

Legendäre Sprüche

Bekannt war der Reporter für seine pointierten Sprüche. "Da sehen Sie, was für eine saubere Sportart das Boxen ist. Haben Sie schon einmal gesehen, dass ein Fußball-Schiedsrichter einem Spieler die Nase putzt?", sagte Bergmann etwa 2008 bei den Sommerspielen in Peking, als der Ringrichter einem Boxer die blutende Nase abwischte.

Als Österreichs einstiger Paraderodler Markus Prock bei Olympia um lächerliche 13 tausendstel Sekunden die Goldmedaille verpasst hatte, meinte der Journalist mit Kultstatus, das sei nicht einmal der "Wimpernschlag einer Libelle". Ein Biologe kritisierte danach, dass Libellen keine Wimpern hätten. Und vom Fürstentum Monaco gab es sogar eine offizielle Protestnote, weil Bergmann einen glimpflich verlaufenen Unfall des Viererbobs mit Prinz Albert scherzhaft als "Prinzenrolle" bezeichnet hatte.

Neben seiner Leidenschaft für den Sport galt der vielseitige Reporter auch als ausgewiesener Freund der Oper und konnte ein abgeschlossenes klassisches Gesangsstudium vorweisen. Die im Bergmann-Requiem von Johannes Holik (Uraufführung November 2021 in Wien) vertonten Texte stammen aus Bergmanns Autobiografie "Aus dem Notizbuch eines Sportreporters".

"Hat international Maßstäbe gesetzt"

Für ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist "mit Sigi Bergmann eine der prägendsten Persönlichkeiten des Sportjournalismus in Österreich verstorben. Wie niemand vor ihm hat er die genreübergreifende Sportberichterstattung etabliert und damit auch international Maßstäbe gesetzt. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

Mit tiefer Trauer reagierten auch die Landeshauptleute in der Steiermark und Kärnten. "Sigi Bergmann war eine Sportreporterlegende, der seine steirischen Wurzeln nie vergessen hat. 2018 habe ich ihm auch das Goldene Ehrenzeichen des Landes verliehen", erinnerte sich der steirische Landeschef Hermann Schützenhöfer. Und sein Kärntner Pendant Peter Kaiser meinte: "Wir werden seine Stimme und seine trockenen, mit Humor gespickten Kommentare und Analysen vermissen." (APA)


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