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Vorerst bis zu 3000 Plätze: Plan für Versorgung von Kriegsflüchtlingen in Tirol steht

Unterkunft, Arbeit, Kinderbetreuung, ärztliche Behandlung: In Tirol wurden erste Vorkehrungen für die Aufnahme ukrainischer Schutzsuchender getroffen. Als Erstanlaufstelle soll das vor zwei Jahren geschlossene Hotel Europa nahe des Innsbrucker Hauptbahnhofes fungieren.

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Tausende Flüchtlinge aus der Ukraine sind bereits in Österreich angekommen, wie hier im Bild am Wiener Hauptbahnhof. Viele weitere werden kommen.
© APA/Steinmaurer

Von Benedikt Mair

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Innsbruck – Wie viele Ukrainer werden kommen? Wann? Und wie lange bleiben sie? „Wir wissen es nicht“, sagt Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Aber: „Je länger der Krieg dauert, desto mehr Flüchtlinge wird es geben.“ Und: „Tirol bereitet sich auf eine bestmögliche Versorgung dieser Menschen vor. Es ist unsere Verpflichtung, ihnen zu helfen.“ Ein erster Plan dafür stehe, berichtet Platter am Dienstagnachmittag bei einem Pressegespräch. Dieser fußt auf drei zentralen Punkten: informieren, registrieren, integrieren.

Info-Hotline für Schutzsuchende

Wichtigstes Instrument für die Koordination und Kommunikation in der aktuellen Lage soll eine Hotline sein. Unter der Nummer 0800/202266 können ab Donnerstag „sowohl Hilfe suchende Ukrainer in ihrer Landessprache als auch hilfsbereite Tiroler“ Auskunft erhalten, meint Platter. In Innsbruck werden ein Servicepoint am Hauptbahnhof und zwei Erstanlaufstellen eingerichtet – im ehemaligen Hotel Europa und im inzwischen aufgelassenen Bildungszentrum „Haus Marillac“.

Dort können Flüchtlinge vorerst unterkommen und sich registrieren lassen. Dass die Menschen erfasst werden, nennt der Landeshauptmann „wichtig. Damit wir den Überblick bewahren und sie in die Grundversorgung kommen und einen Anteil am Gesundheitssystem erhalten.“ Die Polizei wird hauptverantwortlich für die Registrierung sein.

Zahlen und Fakten zur Versorgung von Kriegsflüchtlingen in Tirol

Information: Unter der Nummer 0800/202266 können Hilfesuchende aus der Ukraine wie hilfsbereite Tiroler sich über Möglichkeiten, Angebote, Rechte informieren. Im Internet gibt es unter www.tirol.gv.at/ukraine Auskünfte.

Registrierung: Die Behörden rufen alle ukrainischen Flüchtlinge dazu auf, sich bei den zuständigen Stellen registrieren zu lassen. Nur so kann der Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeitsmarkt gewährleistet werden.

Unterkunft: In einem ersten Schritt stehen in Tirol Plätze für bis zu 3000 Menschen bereit. Die Kapazitäten können laut Angaben des Landes aber noch aufgestockt werden.

Bildung: Ukrainische Kinder sollen entweder in Schulen in den Gemeinden oder in großen Unterkünften direkt vor Ort betreut werden. Es sollen Möglichkeiten zum Unterricht in ihrer Muttersprache geschaffen werden.

Arbeit: Alle registrierten Ukrainer werden einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben.

➡️ Gut zu wissen: So können Tiroler der Ukraine helfen

Alle, die nach Tirol kommen, sollen laut Platter einem TBC-Röntgen unterzogen und auf das Coronavirus getestet werden und können, falls gewünscht, dagegen geimpft werden. Die zuständigen Gesundheitsstellen seien beauftragt worden, einen Plan für die physische wie psychische Behandlung der Geflüchteten zu erstellen. „Um die schulische Versorgung der vielen Kinder sicherzustellen, wurde in der Bildungsdirektion ein eigener Stab eingerichtet.“ Der Unterricht beziehungsweise die Betreuung soll entweder in Gemeinde-Einrichtungen mit freien Kapazitäten oder in großen Unterkünften direkt vor Ort stattfinden.

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„Tirol hat Platz“, sagt LHStellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). Vorerst stehen für bis zu 3000 Menschen Unterkünfte bereit – bei Privaten wie auch in öffentlichen oder kirchlichen Gebäuden. Felipe betont, dass „der Zugang zum Arbeitsmarkt für alle registrierten Ukrainer frei ist“. Dies sei „zentral für die Integration“ und sorge dafür, dass sie „in der neuen, vorübergehenden oder vielleicht auch längerfristigen Heimat Fuß fassen.“

Die Verantwortlichen bitten, von unkoordinierten Sachspenden Abstand zu nehmen. Gebraucht werden aktuell aber Hygieneprodukte, Trockennahrung, Handtücher, Bettwäsche und Schlafsäcke, die an den kommenden drei Samstagen jeweils bei den Feuerwehren in den Gemeinden abgegeben werden können.

Bischof Hermann Glettler, der die kirchliche Hilfe organisiert, kündigt an, in einem Schreiben die Pfarrgemeinden zur Unterstützung aufzufordern. Er glaubt, dass die Folgen dieser Krise Tirol über „Monate oder sogar Jahre“ beschäftigen werden.


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