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Hilfsbereitschaft für Menschen auf der Flucht kennt in Tirol keine Grenzen

Die Unterkunftssuche für Flüchtlinge aus der Ukraine läuft – vom Innsbrucker Hotel Europa bis nach Pfunds. Viele Tiroler wollen helfen. Und tun das auch, wie ein Blick durchs Land zeigt.

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In einem ehemaligen Einkaufszentrum in Medyka nahe der polnisch-­ukrainischen Grenze sind unzählige Flüchtende gestrandet.
© Winter

Innsbruck – Die Bilder aus dem Krieg in der Ukraine haben viele Menschen auch in Tirol tief bewegt. Die Hilfsbereitschaft in vielen Orten ist groß – von der Eigeninitiative bis hin zur Spendenbereitschaft. Etliche Hilfslieferungen aus Tirol waren bereits kurz nach Ausbruch der Kämpfe in die Grenzregion unterwegs. Das Land Tirol versucht die Hilfe zu kanalisieren und informiert dazu unter tirol.gv.at/ukraine

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Doch auch abseits davon kennt die Hilfsbereitschaft keine Grenzen – auch im übertragenen Sinn. Ein Blick durchs Land: In Innsbruck läuft die Suche nach Unterkünften für Menschen auf der Flucht auf Hochtouren. Mit 1500 Menschen, die unterzubringen sind, rechnet die Stadt vorerst. Eines der Quartiere ist das eigentlich stillgelegte Hotel Europa. BM Georg Willi nennt es „Ironie des Schicksals“, dass in dem nahezu ausgeräumten einstigen besten Haus am Platz nun doch wieder Menschen unterkommen dürften.

Die Stadt wird weitere Quartiere suchen. Die Notschlafstellen, die im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden, sind da darunter, private Quartiere ebenso. Man sucht auch noch einen Platz für Container, in denen die geflüchteten Frauen und Kinder untergebracht werden können. Um die Kinder betreuen zu können, wird die Stadt 115 Plätze zur Verfügung stellen können. Mehr gehe nicht, sagt StR Elisabeth Mayr, die auch an die privaten Einrichtungen appelliert, ihre Pforten dafür zu öffnen.

Ortswechsel: „Unser Dorf ist bereit, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Wie damals, als wir Menschen im Zuge des Bosnien-Krieges aufgenommen haben.“ Das sagte der scheidende Pfundser BM Rupert Schuchter am Mittwoch. Bei der Abwicklung sei noch vieles unklar. Obwohl sie noch nicht angelobt ist, setzt die neue Ortschefin, Melanie Zerlauth, seit einer Woche alle Hebel in Bewegung, um „Ukraine-Hilfe“ zu organisieren. „Einerseits sammeln wir Güter, die dann an die Grenze transportiert werden. Ich bin dabei zu erheben, welche Quartiere als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung stehen.“ Die Hilfsbereitschaft im Dorf sei ungebrochen groß, sie habe bereits mehrere Zusagen bekommen. „Aber es müssen die Rahmenbedingungen sichergestellt sein, unter denen wir Menschen aufnehmen.“

Zwei Lkw voll Kleidung, Lebensmittel, Hygieneartikel, Spielsachen fahren von Kramsach aus an die rumänisch-ukrainische Grenze.
© Kirchner

In den frühen Morgenstunden brachen heute zwei 40-Tonner Sattelschlepper des Kramsacher Transportunternehmens Widmann Richtung Rumänien auf. Prall gefüllt mit Kleidung, Hygieneartikeln, Lebensmitteln und Kinderwägen. „Nach hundert Kilometern Fußmarsch sind viele Kinderwägen kaputt. Es gibt teilweise keine Möglichkeit, Babys mal kurz aus dem Arm zu geben“, erzählt Judith Kirchner von mehr als 200 aus der Ukraine geflüchteten Frauen und Kindern, die im im Norden Rumäniens gelegenen Targa Lapus Schutz suchen. An der Grenze wurden sie von rumänischen Bergrettern und anderen Blaulichtorganisationen abgeholt - auch mit jenen zwei ausgedienten Feuerwehrautos, die die Tiroler Wehren Reith i. A. und Aldrans vor Monaten spendeten.

Kirchner, Mitglied der Kramsacher Bergrettung, organisierte mit einigen Kramsachern und Dr. Magnus Bitterlich aus Reih i. A., der sich seit Jahren für Hilfsprojekte in Rumänien einsetzt, eine Sammelaktion. Dass Hilfsorganisationen Geldspenden bevorzugen, um gezielt Waren kaufen zu können, weiß Kirchner. Durch die Vernetzung der Bergretter aber - sie waren noch im Sommer für eine Schulung in Tirol - habe man direkte Ansprechpartner vor Ort, die konkret rückmelden, was aktuell benötigt werde. Auch das Rote Kreuz sei dort involviert. „Ich telefoniere täglich mit einem bekannten Notarzt. Ein großes Problem ist die Kälte, zur Zeit schneit es.“

Rotary Club, Firmen und Private hätten deswegen Stromaggregate und Heizpilze gekauft, freut sich Kirchner über die vielen Unterstützer aus der Region. „Kinder haben uns Spielsachen gebracht, erwachsene Männer standen mit Tränen in den Augen da und sagten, sie wollen helfen.“ Demnächst soll ein weiterer LKW mit Pflegebetten, die das Kramsacher Seniorenheim austauscht – losgeschickt werden. „Viele der Geflüchteten wollen nicht nach Westeuropa, sondern vor Ort bleiben, sie hoffen, dass der Krieg bald endet und sie zurück nach Hause können.“

Der Wörgler Busfahrer Bernhard Winter fuhr selbst an die Ukrainische Grenze, um Menschen die Flucht zu erleichtern.
© Winter

Menschen die Flucht vor dem Krieg erleichtern wollte auch der Wörgler Busunternehmer Bernhard Winter. Er begab sich selbst an die polnisch-ukrainische Grenze, wo Hunderte Geflüchtete in einem ehemaligen Einkaufszentrum strandeten. „Was sich dort abspielt, kann man nicht beschreiben“ sagt Winter. In einem Durcheinander gab es Szenen, „die einem das Herz zerreißen“, wenngleich die Flüchtenden vor Ort gut verpflegt wurden. Noch bevor Winter einen Ansprechpartner ausfindig machen konnte, sollen die ersten Gestrandeten auf den Fahrer zugekommen sein: „Was kostet die Reise?“

Als der Tiroler meinte „nichts“, gab es einen enormen Andrang. Vor allem Mütter und Kinder holte Winter an Bord und fuhr zurück. Untergebracht wurden sie in Oberösterreich, Steiermark und Salzburg – die in Tirol angepeilten Quartiere sollen noch nicht parat gestanden sein. Fünf Frauen und sechs Kinder sind vergangene Woche nach Schwaz gebracht worden, nachdem sie von einem Hilfstransporter wieder mit retour genommen wurden. Im Stift Fiecht könnten bis zu 100 Schutzsuchende unterkommen.

Auch sonst wird gesammelt, gespendet und geholfen. In Lienz hat die Stadtgemeinde in der Liebburg eine Sammelstelle für funktionstüchtige Schlafsäcke eingerichtet.

Weil sie selbst nur eine volle Sammelstelle vorfand, richtete Caroline Huber aus Bad Häring selbst eine ein. Das Ergebnis aus der Aktion war „überwältigend“. Vier volle Transporter seien es geworden – und es werden wohl noch weitere. Und das ist nur ein Bruchteil der vielen Hilfen im Land. (mw, jazz, ts, emf, hwe)


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