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Preise für Weizen explodieren, dramatische Auswirkungen auf Afrika

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Wie die Getreideernte in der Ukraine in Zeiten des Kriegs stattfinden soll, ist ungewiss.
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Kiew, Moskau – Der russische Überfall auf die Ukraine hat die Getreidepreise massiv ansteigen lassen, auf zeitweise über 400 Euro pro Tonne. Zuletzt kostete im Mai die Tonne Weizen an der Warenterminbörse Euronext in Paris rund 368,50 Euro. Laut dem langjährigen Wifo-Agrarökonom Franz Sinabell soll der Preisdruck nachlassen, aber nur, wenn die Weizenexporte Russlands und der Ukraine „nicht völlig zum Erliegen“ kommen.

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Wie die Getreideernte in der Ukraine in Zeiten des Kriegs aber stattfinden soll, ist ungewiss. „Im besten Fall“ können sich die Ukrainer heuer „selbst ernähren, wenn es so weitergeht“, so Sinabell. Für Österreich sieht er wenige Probleme. Die heimischen Bauern könnten die Getreidenachfrage hierzulande gut abdecken. Der Selbstversorgungsgrad bei Getreide lag in Österreich zuletzt bei ca. 88 Prozent.

Die Auswirkungen des Kriegs und der Russland-Sanktionen belasten aber bereits die heimische Lebensmittelindustrie. Man spüre die Auswirkungen auf Energie- und Lebensmittelpreise, die Energieversorgung, Lieferungen und Lieferketten, erklärte kürzlich die Wirtschaftskammer. Landwirtschaftsminister Elisabeth Köstinger (ÖVP) erklärte dazu gestern, dass die Lebensmittelversorgung „aktuell in Österreich nicht bedroht sei“. Es gehe weniger um die Verfügbarkeit, sondern um die Entwicklung der Preise. Um schnell reagieren zu können, habe man einen Einsatzstab zur Lebensmittelversorgung eingerichtet.

Dramatisch könnte sich der Ukraine-Krieg auf Afrika auswirken, warnt Handelsforscher Hendrik Mahlkow vom Kiel Institut für Weltwirtschaft. Ein möglicher Ausfall der Ukraine wäre auch langfristig nicht zu ersetzen. Eine Verringerung der Importe und die enormen Preiserhöhungen würden viele Länder Afrikas hart treffen. Tunesien etwa drohe eine Verteuerung um ca. ein Viertel bei einigen Getreidesorten.

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Russland ist mit 37,2 Mio. Tonnen der weltweit größte Weizenexporteur (22 % des Weltmarkts). Dahinter folgt die EU mit knapp 36 Mio. Tonnen (21 %). Die USA und Kanada liefern je 26,1 Mio. Tonnen bzw. 15 %. Mit 10,4 % aller Getreideexporte liegt die Ukraine auf Platz fünf.


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