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TT-Kommentar zum Ukraine-Krieg: Emotion ist ein schlechter Ratgeber

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Ein russischer Militärkonvoi in der Ukraine.
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Gabriele Starck

Kommentar

Von Gabriele Starck

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Entsetzen, Wut, Trauer, Furcht: Emotionen wie diese sind angesichts der russischen Gräuel in der Ukraine menschlich – im besten Sinne. Das Mitgefühl für die ihrer Sicherheit, ihres Hab und Guts, ihrer Heimat und in vielen Fällen sogar ihrer Liebsten Beraubten weckt Hilfsbereitschaft und Solidarität. Geht es allerdings um weitreichende politische Entscheidungen in einer geopolitisch so brisanten Situation wie dem Ukraine-Krieg, haben Emotionen nichts verloren. Da sind Besonnenheit und nüchternes, vernunftgeprägtes Denken notwendig.

Umfragen von Meinungsforschungsinstituten, ob die Ukraine schnell in die EU aufgenommen oder der Import von russischem Gas und Öl eingestellt werden bzw. Österreich die Neutralität aufgeben soll, fragen letztlich emotionale Reaktionen ab. Von solchen leiten lassen dürfen sich aber weder die Regierungen in der Europäischen Union noch das Verteidigungsbündnis NATO – und das im Sinne der Europäer und der Menschheit insgesamt.

Dass EU-Länder, die einst selbst dem Ostblock oder gar der Sowjetunion angehörten, die Lieferung von Kampfflugzeugen (Polen) vorschlagen oder auf den EU-Beitritt der Ukraine (Litauen) drängen, ist nachvollziehbar. Auch hier spielen Emotionen eine Rolle, seien es die Erfahrungen der Vergangenheit oder die seit der Hinwendung zum Westen nie verflogene Furcht, Opfer eines russischen Überfalls zu werden. Der Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt, dass diese Furcht keineswegs unbegründet war und ist.

Sowohl die Europäische Union als auch die NATO tun aber gut daran, den Forderungen des ukrainischen Präsidenten nicht nachzukommen. Es ist Wolodymyr Selenskyjs gutes Recht, jede erdenkliche Unterstützung für sein Land zu verlangen und dabei unrealistisch weit zu gehen. Und sei es nur, um sich Rückhalt bei den Landsleuten zu erhalten. Doch so sehr die große Mehrheit der UkrainerInnen Europa-orientiert ist, die Voraussetzungen für einen EU-Beitritt erfüllt das Land derzeit in keiner Weise. Ein Schnellverfahren wäre aber auch den Ländern des Westbalkans gegenüber ungerecht, die schon lange auf dieses Ziel hinarbeiten.

Und die Einrichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine oder gar ein direktes Eingreifen der NATO wären Irrsinn, weil sie Kreml-Chef Wladimir Putin einen Vorwand liefern könnten, den Westen anzugreifen. Diese Eskalation ist der Welt zuliebe um jeden Preis zu verhindern.


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