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„Genesis“ im Brux: Wunderbares Wundern über das Werden der Welt

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Der „DADA Zirkus“ gastierte mit „Genesis“ am Freitag und Samstag im Innsbrucker Brux.
© Traussnigg

Innsbruck – Auf das Wort wird verzichtet. Im Anfang dieser Version der Schöpfungsgeschichte ist das Licht. Und das Licht tanzt. Zu schaurig-schöner, ins Sphärische geloopter E-Geigen-Musik von Roxanne Szankovich tanzt es. So beginnt es also, das Universum, eine Zwiebel in einer Zwiebel in einer Zwiebel. Genau genommen beginnt es mit einem dem Publikum selbstbewusst gezeigten Mittelfinger. Besagter Finger gehört einem der drei Götter, denen das Stück „Genesis“ die Verantwortung fürs Werden und Vergehen der Welten zuschreibt.

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Einen Gott des Todes gibt es, einen Gott des Lebens und einen Gott der Liebe. Man kann darin tieferen Sinn suchen. Oder höheren Unsinn. Denn diese Götter sind ziemliche Tölpel. Im Theater ist das Tollpatschige große Kunst: Man muss sich und seinen Körper schon ziemlich unter Kontrolle haben, um so kunstvoll akrobatischen Klamauk zu machen wie Arno Uhl, André Reitter und Bernhard Zandl. Zusammen mit Szankovich sind sie die Gruppe „DADA Zirkus“ und waren mit ihrer jüngsten, von Matteo Spiazzi in Szene gesetzten Produktion am Freitag und Samstag im Innsbrucker Brux zu Gast.

Um was es in dem Stück wirklich geht, ist schwer zu sagen. Eine Einladung zum Staunen ist „Genesis“ trotzdem: Es wird gezaubert, getanzt und getaumelt. Pfeile fliegen und Bomben, Körper verkeilen sich ineinander. Und die ziemlich realistisch wirkenden Kleinkindpuppen zerreißt es bisweilen. Der Grat zwischen Kitsch und Poesie ist schmal, der zwischen Geblödel und Groteske auch: „Genesis“ wagt beide. Immer wieder droht der Absturz. Manches geht tatsächlich schief. Aber auch das könnte Absicht sein. Man lacht über diese seltsame Schöpfung, man graust sich hin und wieder, oft wundert man sich einfach. Über die Welt. Und ihr jedenfalls in dieser Version wunderbar wunderliches Werden. (jole)

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