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„Volker" im praesent: Eine Tragödie, die Tränen lachen lässt

Tex Rubinowitz hat für das Theater praesent ein Stück geschrieben. Elke Hartmann setzt „Volker“ als sehr, sehr lustige Beklemmungsstudie in Szene.

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Gefangen in der Guckkastenbühne: Volker Wahl als Volker in Tex Rubinowitz’ gleichnamigem Stück.
© Dino Bossini

Von Joachim Leitner

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Innsbruck – Für sein erstes Theaterstück „Sherlock Holmes“ – es wurde erst vor einigen Wochen im Wiener Werk X uraufgeführt – fiel Tex Rubinowitz kein Plot ein – deshalb handelt es von einem Dramatiker, dem nichts einfällt. Ob das nun zufällig oder absichtsvoll an Wolfgang Bauer erinnert, möge erforschen, wer sich dazu berufen fühlt. In Rubinowitz’ zweitem Bühnentext „Volker“ gibt es jedenfalls auch einen Bauer-Moment: Für einige Augenblicke verabschiedet sich das Stück durch die Tür, aber das Publikum bleibt mit dem titelgebenden Protagonisten außen vor. Aus dieser Idee hat Bayer mit „Foyer“ (2004) ein ganzes Stück gemacht. Und dabei eigentlich einen Einfall aufgegriffen, den er schon bei „Party for Six“ hatte.

„Party for Six“ wurde 1967 in den Innsbrucker Kammerspielen uraufgeführt. Rubinowitz’ „Volker“ nun im Innsbrucker Theater praesent. Ein Zufall, natürlich. Oder eben eine dieser irrwitzigen Koinzidenzen, die sich auch durch Rubinowitz’ Text ziehen. Eine Handlung im landläufigen Sinn hat „Volker“ nicht. Es gibt Volker (Volker Wahl), einen etwas in die Jahre gekommenen Kreativen. Er schreibt schräge Science-Fiction und hat Elfriede Jelinek schon nackt gemalt. Und er stellt sich und einem Therapeuten die Sinnfrage. Und es gibt Stephan (Stephan Lewetz), mit dem Volker bei zwei bis etwa zweihundert Bieren über alles fachsimpelt, was ihn umtreibt, und in letzter Konsequenz immer bei ABBA landet. Oder bei „Doktor Jesus Christus“. Irgendwann kommt mit Ayla (Ayla Antheunisse) auch noch eine Regisseurin dazu, die das Stück, das beide schon spielen, inszenieren soll. Davor will sie noch die eine oder andere Schwäche im Text ausmerzen. Kurzum: „Volker“ ist Spiel im Spiel im Spiel: Sehr, sehr witzig, aber nie verblödelt, einigermaßen absurd, manchmal fast albern, aber immer, wenn es wirklich albern werden könnte, blitzt zwischen dem Spezialwissen-Gelaber die quasi-existenzielle Dringlichkeit dieser Beklemmungsstudie auf.

Volker

Bis 2. April.

Nächste Vorstellung: Heute Mittwoch, 20 Uhr.

www.theater-praesent.at

Als solche hat Elke Hartmann das Stück, das sich beharrlich wehrt, eines zu sein, nämlich inszeniert. Das Prinzip „Guckkastenbühne“ nehmen Hartmann und ihre Ausstatterin Alexia Engl selbstbewusst beim Wort. Sie stellen Volkers Bude als spärlich möblierten Kasten in den Raum. Das Publikum schaut durch kleine Fenster von draußen rein. Und drinnen dreht und wendet Volker nicht nur große und gernegroße Gedanken, sondern auch sich selbst, als unverbesserlicher Besserwisser, als weinerlicher Tunichtgut und als ernüchterter Trinker. Geschickter Lichteinsatz verstärkt den Eindruck, einem Eingesperrten, einem durch den Käfig tigernden Tiger zuzuschauen. Volkers MitspielerInnen flüchten sich irgendwann aufs Klo. Für ihn bleibt der Käfig ohne Ausweg. Er hat sich darin eingerichtet. „Volker“ ist die Komödie eines Mannes, der um seine Lächerlichkeit weiß – und: eine Tragödie, die einen Tränen lachen lässt.

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