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Höchster Wert seit 1984: Inflation in Österreich auf 5,9 Prozent gestiegen

Die hohen Energiepreise haben die Inflation in Österreich in astronomische Höhen getrieben: So hoch wie im Februar war die Teuerung seit fast 40 Jahren nicht mehr.

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Spritpreise und die hohe Haushaltsenergie haben die Inflationsrate in die Höhe getrieben.
© APA/BARBARA GINDL

Wien – Stark gestiegene Energiepreise haben die Inflationsrate im Februar in Österreich im Jahresvergleich auf 5,9 Prozent schnellen lassen. Damit hat die Teuerung den höchsten Wert seit August 1984 erreicht, als die Inflationsrate 6,0 Prozent betrug, teilte die Statistik Austria am Donnerstag mit. Starke Preistreiber sind die weiterhin hohen Spritpreise und die Haushaltsenergie.

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Diesel verteuerte sich im Februar im Jahresabstand um fast ein Drittel, Superbenzin um mehr als ein Viertel. Der Arbeitspreis für Gas stieg um satte 70 Prozent. Bei Strom erhöhten sich die Preise im Vergleich zu Februar 2021 um mehr als ein Fünftel. Heizöl verteuerte sich um fast 50 Prozent. "Ohne die Preissteigerungen in diesen Bereich hätte die Inflationsrate 3,8 Prozent betragen", sagte Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Entwicklung der Verbraucherpreise und Mikrowarenkorb seit Februar 2021.
© APA/Statistik Austria

Ausgaben für Verkehr und Wohnen gestiegen

Höhere Preise für Treibstoffe und Haushaltsenergie ließen auch die Ausgaben für Verkehr und Wohnen steigen. Für Wohnung, Wasser und Energie wurden die Preise durchschnittlich um 7,7 Prozent angehoben, für den Bereich Verkehr im Schnitt um 10,6 Prozent, zeigen die Berechnungen der Statistik Austria.

Gebrauchte Kraftwagen kosteten um 14,2 Prozent mehr, neue um 5,7 Prozent. Reparaturen privater Verkehrsmittel verteuerten sich um 4,0 Prozent. Einzig Flugtickets verbilligten sich im Februar im Jahresvergleich um 7,3 Prozent.

📽️ Video | Hohe Energiepreise treiben Inflation in Österreich auf 5,9 Prozent

Die Preisspirale hat sich damit weiter nach oben gedreht, im Jänner lag die Inflation hierzulande noch bei 5 Prozent. Die für Eurozonen-Vergleiche ermittelte Harmonisierte Inflationsrate (HVPI) für Österreich betrug 5,5 Prozent. Der Unterschied beruht auf Gewichtungsunterschieden zwischen Verbraucherpreisindex (VPI) und HVPI. Die Teuerung ist gerade in ganz Europa hoch und liegt deutlich über den von der EZB angestrebten 2 Prozent.

Leben abseits der Energiekosten teurer geworden

Doch auch abseits der hohen Energiepreise ist das Leben in Österreich teurer geworden. In Restaurants und Hotels wurden die Preise durchschnittlich um 6,7 Prozent erhöht, die Preise für Freizeit und Kultur stiegen im Schnitt um 4,3 Prozent.

Auch der tägliche Einkauf im Supermarkt ist spürbar teurer geworden.
© Keystone/Schulz

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich im Schnitt um 4,3 Prozent und damit etwas weniger als im Jänner, als der Anstieg noch 4,9 Prozent betrug. Fleisch verteuerte sich im Februar um 3 Prozent. Die Preise für Brot und Getreideerzeugnisse stiegen um 5,9 Prozent, jene für Gemüse um 6,8 Prozent. Milch, Käse und Eier insgesamt kosteten um 3,0 Prozent mehr und Öle und Fette um 12,9 Prozent. Limonaden wurden um fast 10 Prozent teurer, Kaffee um 6 Prozent. Einen starken Preisanstieg gab es mit fast 22 Prozent bei Butter. Auch Fruchtjoghurt (+16,4 Prozent), Vollmilchschokolade (+15,8 Prozent) sowie Flaschenbier (+12,4 Prozent) haben sich im Februar im Vergleich zu 2021 überdurchschnittlich stark verteuert.

Als stärkster Preisdämpfer im Jahresvergleich erwiesen sich die Mieten, die sich im Schnitt um 2,6 Prozent verbilligten.

ÖGB Tirol startet Petition gegen Teuerung

Angesichts der Preisexplosion fordern seit Tagen Arbeitsnehmervertreter und die Opposition ein Handeln seitens der Regierung ein. Am Donnerstag reagiert auch die Tiroler Gewerktschaft ÖGB: „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der sich das Leben nicht mehr leisten kann!“, zeigt sich Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth entsetzt über den Anstieg der Inflation.

Wenn Heizen zum Luxus werde und die Fahrt in die Arbeit kaum zu finanzieren sei, brenne der Hut, ist Wolgemuth überzeugt. „Wir müssen der aktuellen Teuerung schnellstens mit zahlreichen Maßnahmen entgegentreten. Vor allem in Tirol, wo die Lebenserhaltungskosten ohnehin überdurchschnittlich hoch sind, geht es sich vielerorts nicht mehr aus. Jeder Mensch in Österreich ist von der enormen Preissteigerung betroffen – viele bis an den Rand des finanziellen Ruins“, zeigt er auf. Er nimmt die Bundes- und Landesregierung in die Pflicht: „Die Politik muss die Menschen vor dem Abrutschen in den finanziellen Ruin schützen. Seit Wochen kämpfen wir mit einer wahren Preisexplosion. Das Problem ist alles andere als neu, der Krieg in der Ukraine hat es nun zusätzlich verschärft. Wir brauchen Entlastungsmaßnahmen und wir brauchen sie jetzt!“

Mithilfe der heute gestarteten Petition will der ÖGB den Menschen eine Stimme geben und die Bundesregierung zum Handeln auffordern. Auf preiserunter.oegb.at können die Forderungen des ÖGB ab sofort unterstützt werden. (TT.com/APA)

Teure Energie: Plan für Steuersenkung in nächsten Wochen

Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) will in den nächsten Wochen einen Plan zur Senkung der Mineralölsteuer und der Energieabgaben vorlegen, sagte er Mittwochabend im Krone-TV. Von "Schnellschüssen" halte er nichts, denn: "Man sollte nichts beschließen, was man später bereut". Den Aussagen des Ministers waren massive Forderungen nach Entlastungen bei den Sprit-, Strom- und Energiepreisen voraus gegangen.

Auch heute gehen die Rufe nach Erleichterungen weiter. Forderungen nach einer Senkung der Abgaben auf Energie kommen beispielsweise aus dem Logistikverband. "Die Logistik und damit die Wirtschaft werden von diesen Entwicklungen in bislang ungekanntem Ausmaß beeinträchtigt. Diese Preisentwicklung geht an die Substanz der Unternehmen," sagte Alexander Friesz, Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik, laut einer Aussendung. Auch eine Verschiebung der ab Juli geplanten CO2-Bepreisung würde in Anbetracht der starken Verteuerungen bei Energie im Zuge des Ukraine-Kriegs vom Verband unterstützt werden.


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