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Behandlung von Covid-19-Patienten beim Hausarzt bald einfacher

Ein orales Medikament ist in Österreich voraussichtlich kommende Woche von Hausärzten verschreibbar. Das Medikament wird kostenfrei sein.

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Mit Paxlovid wird in Österreich ein neues Medikament gegen schweres Covid-19 breit ausgerollt.
© APA/dpa/Fabian Sommer

Wien – Ab Mitte kommender Woche (23. März) könnte die Behandlung von Covid-19-Patienten in Österreich einfacher werden. Dann dürfte mit der Wirkstoffkombination Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid) in Österreich die erste orale Therapie auf Arztrezept breiter verfügbar werden. Dies erklärten Mittwochabend Experten bei einer Online-Ärztefortbildung der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (ÖGIT).

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"Es ist noch nicht ganz klar. Man hört, am 23. März sei es so weit. Es geht um die hausärztliche Verordnung. Das Medikament wird kostenfrei sein. Es wird jeder Patient, der es braucht, Zugang haben müssen", sagte Susanne Rabady, zweite Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM). Chefarztpflicht für die Verschreibung auf Kassenkosten werde es "sicher nicht" geben. Keine Aussagen wurden bei der Veranstaltung über die vorerst verfügbaren Mengen des Arzneimittels gemacht.

"Paxlovid wird angewendet zur Behandlung einer Coronavirus-Krankheit 2019 (Covid-19) bei Erwachsenen, die keine zusätzliche Sauerstoffzufuhr benötigen und ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren Covid-19-Verlauf zu entwickeln", hieß es vonseiten der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bei der Zulassung des Medikaments.

Wirksamkeit von 89 Prozent

Die empfohlene Dosierung der Kombinationstherapie mit zwei sogenannten Proteasehemmern, welche die Vermehrung der SARS-CoV-2-Erreger hemmen, beträgt 300 Milligramm Nirmatrelvir und hundert Milligramm Ritonavir (jeweils zwei Tabletten zweimal am Tag). Die Behandlung sollte so schnell wie möglich nach der Diagnose von Covid-19 und innerhalb von fünf Tagen nach Symptombeginn erfolgen. Die Therapie dauert fünf Tage lang, auch wenn eine Spitalsaufnahme etc. notwendig wird. In klinischen Studien zeigte sich eine Wirksamkeit von 89 Prozent in der Verhinderung von Spitalsaufnahmen oder Todesfällen durch Covid-19 bei Risikopersonen.

Das größte mögliche Problem: Es gibt eine ganze Reihe von häufig verwendeten Arzneimitteln, bei denen es zu potenziell schwerwiegenden Wechselwirkungen mit der Proteasehemmer-Kombination kommen kann. Darauf müssen verschreibende Ärzte besonders achten.

In der Frühphase von Covid-19 sinnvoll

"Gut hilft, wer früh hilft", sagte der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch. Die oralen Therapien gegen Covid-19 - Paxlovid und Molnupiravir, letzteres nur im Rahmen eines Spezialprogramms eingeschränkt verfügbar - sind ausschließlich in der Frühphase von Covid-19 sinnvoll. In den ersten Tagen steht die Virusvermehrung im Vordergrund. "Es beginnt mit einem Infekt der oberen Atemwege. Je schwerer die Erkrankung wird, desto mehr spielt die Inflammation (Entzündung; Anm.) eine Rolle", sagte Wenisch. Dann sei es für diese Medikamente zu spät.

Am besten wirken die Arzneimittel bei Ungeimpften bzw. Personen ohne schon einmal überstandene SARS-CoV-2-Infektion und hohem Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf. Bei ihnen muss man statistisch zehn Personen mit Paxlovid behandeln, um eine Spitalseinweisung oder einen Todesfall zu verhindern. Bei Menschen mit Antikörpern (Impfung, überstandene Infektion) und neuerlicher Infektion liegt dieses Verhältnis bei 100 zu eins.

Fortschritt in den ländlichen Regionen

Die Verschreibung der oralen Covid-19-Medikamente beim Hausarzt und die Verfügbarkeit über die Apotheken dürfte vor allem in den ländlichen Regionen einen deutlichen Fortschritt bedeuten. In Wien konnte nämlich schon seit Anfang des Jahres ein Versorgungssystem aufgebaut werden. Wenn ein SARS-CoV-2-positiver Befund bei Senioren oder Personen mit einem offenbaren Risiko erstellt worden ist, werden die Betroffenen angerufen und abgeklärt, ob Behandlungsbedarf besteht. Parallel dazu kann die Einmeldung in das System auch von Spitälern, Pflegeeinrichtung, Ärztefunkdienst etc. erfolgen.

"Wir haben für die orale Therapie einen Fahrradbotendienst etabliert. Sie wird noch am selben Tag zum Patienten nach Hause gebracht", sagte Florian Glötzl vom Wiener Gesundheitsverbund. Wird eine Behandlung mit monoklonalen Antikörpern gegen Covid-19 vorgesehen, bringt der Krankentransport den Patienten in eine Ambulanz in der Klinik Favoriten, wo die Infusion erfolgt. Dann wird der Betroffene wieder nach Hause geführt.

"Wir haben bereits mehr als 65.000 Personen angerufen. 6373 hatten ein ärztliches Beratungsgespräch. 2339 Patienten bekamen die oralen Medikamente. Bei 925 Patienten wurde eine Infusionstherapie (monoklonale Antikörper; Anm.) verabreicht", sagte der Arzt. Hier hätte Wien aber als Großstadt einen logistischen Startvorteil. (APA)


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