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Österreich zu abhängig: Keine Chance ohne Russen-Gas

Österreich sei zu abhängig von russischem Gas, die Industrie fordert die Sicherung der Energieversorgung, aber auch mehr Mut bei „alternativen Technologien“

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LNG (verflüssigtes Gas) kommt per Schiff nach Europa.
© AFP/Venance

Moskau – Nach zwei Tagen etwas geringerer Liefermengen stellt Russland wieder in gewohnt hohem Umfang Gas für den Transit durch die Ukraine nach Europa bereit. Im Einklang mit vertraglichen Vereinbarungen wurden am Freitag 105,1 Millionen Kubikmeter gepumpt, sagte ein Sprecher des Staatskonzerns Gazprom. Gerade Österreich ist abhängig von russischem Gas. 80 Prozent der Gasbezüge kommen aus Russland. Nicht nur Haushalte und Industrie, auch in der Energieversorgung braucht es Gas.

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Schon jetzt fürchten Industriebetriebe um ihre Existenz. Energiepreissteigerung, fehlende Rohstoffe und unterbrochene Lieferketten setzen die Industrie massiv unter Druck, sagt etwa Sigi Menz von der Bundessparte und Max Kloger, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Tirol. Gefordert wird die Sicherung der Energieversorgung, aber auch mehr Mut bei „alternativen Technologien“. So müssten die Rahmenbedingungen für die Wasserstoff-Wirtschaft in Österreich geschaffen werden.

Ein derzeit diskutierter Ausstieg aus russischem Gas (oder ein Lieferstopp von Seiten Russlands) würde sich laut Agenda Austria viel stärker in der EU bemerkbar machen als in den USA. Dies sei auch der Grund für die hohen Preise. Daneben spiele aber beim Erdgas auch der Transport eine wichtige Rolle für das Preisniveau. Sowohl der Transport für Flüssiggas (LNG) als auch für Erdgas aus Pipelines mache sich deutlich beim Endpreis bemerkbar. Beim Erdöl hingegen sind die Unterschiede der Transportkosten kein großer Faktor.

Im Falle eines Embargos von russischem Gas schätzt eine Studie aus Deutschland die jährlichen Kosten eines solchen Falls auf 2,2 Prozent des deutschen BIP. Für Österreich gilt laut Denkfabrik Agenda Austria, dass das russische Gas kurz-, aber auch mittelfristig nicht ersetzt werden könne. LNG könne nicht einspringen, da das verflüssigte Gas nicht verfügbar sei. Solarenergie könne zu manchen Zeiten keinen Strom liefern, ebenso wie Wasserkraft.

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Nach Österreich bemüht sich derzeit auch der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck auf einer Reise nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate um LNG. Auch Deutschland will die Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland verringern. (ver)


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