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„Knoedel“-Chef Dienz: Eine To-do-Liste zwischen Barock und naher Zukunft

„Knoedel“-Chef Christof Dienz widmet sich einem wenig bekannten Tiroler Komponisten und dem neuen Auftritt der Schwazer „Klangspuren“.

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Ein Kaffeepäuschen in Ehren. Christof Dienz, Gründer der „Knoedel“ und aktuell vielbeschäftigt zwischen Kitzbühel und Schwaz.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Christof Dienz wird für immer der Knoedel schlechthin bleiben. Als Gründer und Mastermind der legendären Band Knoedel war Fagottist Dienz samt KollegInnen in den 90er-Jahren stilprägend für eine Musikrichtung, für deren Beschreibung man 30 Jahre später immer noch nach passenden Worten sucht: ein Sound zwischen Volksmusik und Pop, instrumental, progressiv, neu. Nach fast 20 Jahren Absenz feierten die Knoedel 2018 ein Comeback mit neuer CD, ein weiteres Hörprodukt soll bald folgen.

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Dienz selbst hat sich längst, wie es schön heißt, beruflich diversifiziert. Er managt die Knoedel und ist als Komponist gefragt. In dieser Funktion ereilte ihn der Ruf seiner Heimatstadt Kitzbühel. Dort (und ein paar Tage später in Innsbruck) geht von 1. bis 3. April die Produktion „Aufschnaiter – Ein musikalisches Dokudrama“ über die Bühne.

Wie so oft stand hinter dem Erfolg eines Mannes eine Frau, die auf vieles verzichten musste.
Christof Dienz (Fagottist, Komponist)

Ausgegraben wurde hiefür die Vita eines weniger bekannten Mitglieds der Kitzbüheler Society in schon länger vergangener Zeit – jene von Barockkomponist Benedikt Anton Aufschnaiter (1664–1742). Der aus Kitzbühel Gebürtige war ein gefragter Mann seines Fachs und brachte es seinerzeit bis zum bischöflichen Hofkomponisten von Passau.

Im Auftrag der Stadt Kitzbühel, die voriges Jahr 750 Jahre alt wurde, haben Komponist Dienz und Schriftsteller Christoph W. Bauer ihre Talente gebündelt: Dienz und die Knoedel liefern die Musik, von Bauer kommt das Libretto für das großteils konzertant vorgetragene Musiktheater über Aufschnaiter.

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„Wie so oft stand hinter dem Erfolg eines Mannes auch in diesem Fall eine Frau, die auf vieles verzichten musste“, erzählt Dienz der TT. Gemeint ist Benedikt Aufschnaiters zweite Gattin, Maria Barbara von Salla. Sie hatte die Verfehlungen ihres Gatten schlussendlich satt, listete diese in 28 Stichworten auf und bat an höchster Stelle darum, die Ehe zu annullieren: beim örtlich zuständigen Bischof.

„Der Bischof annullierte gar nichts, die beiden trennten sich aber dennoch“, berichtet Dienz von einschlägigen Recherchen. Für ihn ist der Fortgang dieser Beziehung stark emanzipatorisch: „Aufschnaiters Frau lässt sich von ihm nicht auf der Nase herumtanzen, sie wählt einen selbstbestimmten Weg heraus aus einer unglücklichen Beziehung.“ Im Stück übernimmt Sängerin Anna Hauf den Part der Gattin. Schauspieler Harald Windisch ist Erzähler und verkörpert den Komponisten Aufschnaiter.

Aufschnaiter – Ein musikalisches Dokudrama

Libretto von Chris­toph W. Bauer, Musik Christof Dienz/Knoedel. 1./2./3. April in der Landesmusikschule Kitzbühel (20 Uhr). Am 5.4. im Treibhaus, Innsbruck (20.30 Uhr).

Dienz bleibt indessen keine Zeit zum Durchschnaufen. Gemeinsam mit der aus Rom stammenden Kuratorin Clara Iannotta verantwortet der Ober-Knoedel in den nächsten drei Jahren das Schwazer „Klangspuren“-Festival.

„Jung, neu, modern“ soll dieser Konzertreigen künftig ausgerichtet sein. Dienz will das Festival, bei hohem musikalischen Anspruch, breiter aufstellen und so neue Besucher nach Schwaz locken.

Wie beim Projekt Knoedel löst Dienz musikalische Grenzen auf, diesfalls zwischen E- und U-Musik. Klassisch ausgebildete MusikerInnen sollen mit der jüngeren Generation, die Musik oftmals mit Hilfe von Computern generiert, zusammenwirken.

Ein „Composers’ Lab“ bietet sechs JungkomponistInnen die Chance auf Workshops mit u. a. Johannes Maria Staud. Tirols Musikszene wird nicht nur durch Komponist Staud eingebunden, sondern auch durch ein Konzert des Ensemble konsTellation plus mit Studenten und Professoren des Konservatoriums.

Am 21. April wird das Programm vorgestellt. (mark)


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