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Pleitenwelle trifft Tirol nach Auslaufen der Corona-Hilfen mit voller Wucht

Die Firmenpleiten stiegen in Tirol im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um über 320 Prozent. Auch bei Privatkonkursen gab es in Tirol den höchsten Anstieg.

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Symbolbild.
© APA/Fohringer

Wien, Innsbruck – Die im Herbst eingesetzte Trendumkehr bei den Insolvenzen hat sich zu Beginn des neuen Jahres fortgesetzt. Staatliche Corona-Hilfen, das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht sowie Steuerstundungen haben die Firmenpleiten in den letzten eineinhalb Jahren auf ein sehr niedriges Niveau gedrückt. Nachdem nun fast alle Hilfen ausgelaufen sind, vermelden sämtliche Bundesländer ein Pleiten-Plus. Tirol steht mit einem Anstieg der Firmenpleiten von 321,1 Prozent im ersten Quartal 2022 mit großem Abstand ganz oben. 80 Tiroler Unternehmen meldeten Insolvenz an. Auch die Privatinsolvenzen steigen wieder an.

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Österreichweit 1011 Insolvenzen im ersten Quartal

In den ersten drei Monaten 2022 waren laut KSV1870 Insolvenzhochrechnung 1011 Unternehmen von einer Insolvenz betroffen. Damit haben sich die Pleiten gegenüber dem ersten Quartal 2021 mehr als verdoppelt. Die vorläufigen Passiva stiegen um 56 Prozent auf 223 Mio. Euro. Mit zunehmenden Insolvenzen steigt auch die Zahl der betroffenen Beschäftigten. Waren im ersten Quartal 2021 rund 1500 Menschen von einer Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen, so sind es heuer 3000 Personen.

In absoluten Zahlen gab es im ersten Quartal 2022 die meisten Insolvenzen im Bereich „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ mit 176 Fällen, gefolgt von der Bauwirtschaft (164 Fälle) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (115 Fälle). Knapp dahinter befindet sich die „Beherbergung und Gastronomie“ mit 114 Firmenpleiten auf Position vier

Tirol hat den mit Abstand größten Anstieg der Pleiten zu verzeichnen.
© KSV1870

Die bis dato größte Firmenpleite ist der Biomassekraftwerke-Hersteller Polytechnik mit Sitz in Weissenbach an der Triesting in Niederösterreich mit vorläufigen Passiva von 69,6 Mio. Euro und mehr als 100 betroffenen Beschäftigten.

"Die kommenden Monate werden zeigen, wie stabil das wirtschaftliche Fundament zahlreicher Unternehmen tatsächlich ist", sagte KSV1870-Insolvenzleiter Karl-Heinz Götze am Dienstag laut einer Aussendung. In Anbetracht der derzeitigen vielfältigen Krisensituationen wie dem Krieg in der Ukraine, Corona sowie der hohen Energie- und Rohstoffpreise sei eine seriöse Einschätzung der Insolvenzsituation für die kommenden Monate mit großer Vorsicht zu betrachten, so Götze. Der Insolvenzexperte hält ein Jahresergebnis auf Vorkrisenniveau von rund 5.000 Unternehmensinsolvenzen für möglich.

Aus Sicht des KSV sind Insolvenzen nicht nur etwas Schlechtes, da man bei einer frühzeitigen Sanierung mehr retten kann als wenn eine Firma ganz geschlossen werden muss, womit auch die Jobs weg wären.

Tirol auch bei Privatkonkursen deutlich über dem Schnitt

Auch bei den Privatinsolvenzen hat sich die zu Jahresende erfolgte Trendumkehr fortgesetzt. In Tirol wurde auch hier das größte Plus verzeichnet: Es gab um 124 Prozent mehr Privatkonkurse als im Vorjahresquartal. Österreichweit wurde das Vorkrisenniveau jedoch noch nicht erreicht. 2135 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren entsprechen einem Anstieg von fast 20 Prozent zum ersten Quartal des Vorjahres. Im Vergleich zum Jahr 2019, dem letzten "Normaljahr" vor der Corona-Pandemie, bedeutet das einen Rückgang von 14,3 Prozent. Die vorläufigen Passiva stiegen um 35,9 Prozent auf 269 Mio. Euro.

"Einer der Hauptgründe für die seit Oktober 2021 kontinuierlich wachsende Zahl an eröffneten Schuldenregulierungsverfahren liegt in der Insolvenznovelle 2021, die Privatpersonen eine Entschuldung in kürzerer Zeit ermöglicht", erläutert Götze. Viele der Privaten hätten in der ersten Jahreshälfte 2021 zugewartet, um sich nach Inkrafttreten der Insolvenznovelle im Juli des vergangenen Jahres innerhalb von drei Jahren zu entschulden - und nicht wie zuvor in fünf Jahren.

Mit Blickrichtung Jahresende 2022 rechnet Götze mit einem Niveau bei den Privatinsolvenzen auf der Höhe des Jahres 2019. Damals wurden in Österreich rund 9500 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet, im Schnitt wären das 182 Fälle pro Woche. (TT.com, APA)


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