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Tiroler Jenische warben bei Parlamentsparteien für Anerkennung

Tiroler Aktivisten trafen in Wien die Volksgruppensprecher der Parlamentsparteien.

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Vereins-Obmann Marco Buckovez (links) und Vereins-Mitgründerin Heidi Schleich (rechts) wurden von Grünen-Volksgruppensprecherin Olga Vog­lauer nach Wien eingeladen.
© Grüner Klub im Parlament

Von Benedikt Mair

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Innsbruck, Wien – Endlich wollen sie offiziell als Teil der Gesellschaft akzeptiert werden. Damit ihre jahrhundertealte Sprache und Kultur nicht ausstirbt. Und so gut wie jetzt standen die Chancen dafür wohl noch nie. Vertreter des in Tirol gegründeten Vereins „Jenische in Österreich“ haben sich gestern mit den Volksgruppensprechern aller im Parlament vertretenen Parteien getroffen. Die Aktivisten legten ein Papier vor, in welchem um die Prüfung der Anerkennung als Minderheit ersucht wird. Auch dem Bundespräsidenten, dem Nationalratspräsidenten und der für diese Fragen zuständigen Ministerin Susanne Raab ließen sie dieses Schreiben zukommen.

„Die Abgeordneten waren dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen“, sagt der Obmann des Jenischen-Vereins, Marco Buckovez. „Wir konnten viele Dinge anbringen, die uns wichtig waren.“ Im Austausch mit den Parlamentariern sei, neben allgemeinen Informationen zur jenischen Lebensweise, auch die Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung zur Sprache gekommen. Die Anerkennung als Volksgruppe wäre laut Buckovez ein wichtiger Schritt. „Auch als Bestätigung für viele Jenische, dass sie da sind. Dass es sie gibt.“ Und sie sich nicht schämen und verstecken müssen.

Olga Voglauer, Volksgruppensprecherin der Grünen, hat das Treffen gestern eingefädelt. Für die Initiative des in Tirol gegründeten Vereins fand sie lobende Worte. „Das hat sehr viel Mut gebraucht.“ Dies sei ein „Signal an die Bundespolitik“ gewesen. Genau die sieht sie jetzt auch gefordert. „Der Ball liegt bei ihr, die nächsten Schritte zu machen und die Prüfung des Wunsches auf Anerkennung einzuleiten.“ Die Volksgruppensprecher aller Parteien hätten sich zudem darauf verständigt, gemeinsam einen Antrag zu stellen, um den Nationalrat mit der Causa zu befassen. Auch deshalb, weil ansonsten „der Verlust der jenischen Sprache und Kultur droht“.

Der Einsatz der Tiroler Aktivisten findet auch im Ausland Beachtung, so unterstützt etwa der Europäische Jenische Rat die Anliegen. Heidi Schleich, die den Verein „Jenische in Österreich“ mitgegründet hat, will nach dem Teilerfolg gestern jedenfalls nicht lockerlassen. „Wir planen weitere Termine, möchten als Nächstes mit Bundespräsident Van der Bellen, Nationalratspräsident Sobotka und Ministerin Raab sprechen.“ Schleich hat ein großes Ziel: „ Jenische sollen sich endlich wieder trauen, aus dem Schatten zu treten.“


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