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Playoff gegen heimstarke Waliser: Was hat die ÖFB-Auswahl zu bieten?

Der erste Schritt zur Winter-WM in Katar und einer weiteren Endrunden-Teilnahme nach 1998 führt für das ÖFB-Team morgen (20.45 Uhr/MESZ) über einen Auswärtssieg in Wales. Die Mittel sollten vorhanden sein.

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Kreuzten schon in der WM-Qualifikation 2017 mit all ihren Qualitäten die Klingen – ÖFB-Routinier Marko Arnautovi­c (r.) will im WM-Play-off Wales-Star Gareth Bale ausbremsen.
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Von Alex Gruber

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Innsbruck – Was hilft dem ÖFB-Team der Ausblick auf ein Länderspieljahr, das im Juni in der Nations League im Pool A attraktive Spitzenspiele gegen Frankreich, Kroatien und Dänemark bringen wird? Oder was hilft das Wissen, bei der WM-Auslosung am 1. April aus Topf vier (also dem letzten der acht Vierer-Pools) gezogen zu werden? Fürs K.-o.-Match in Wales, das ja noch nicht gewonnen wurde, vermutlich nichts.

Ich werde im April 33, die WM ist das Maximum und alle vier Jahre. Jetzt ist die Zeit, dorthin zu gehen.
Marko Arnautovic (ÖFB-Teamstürmer)

Der Blick schweift vor allem bei jenen gerne in die Ferne, die ein zusätzliches Mascherl um die Gegenwart herum brauchen. Vorerst zählt morgen aber nur dieses eine Spiel in Cardiff, das in 90 oder 120 Minuten oder womöglich sogar vom Elfmeterpunkt entschieden wird und gegen ein heimstarkes britisches Team (seit 16 Spielen zuhause ungeschlagen) zum absoluten Gang an die Schmerzgrenze wird. Was hat die ÖFB-Auswahl zu bieten?

Sitzt im Flieger nach Wales: Der Ötztaler Alessandro Schöpf.
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A wie Arnautovic: Genau wie in der schwelenden Torhüterfrage bleibt auch vieles in der Vorwärtsbewegung beim Alten. In der Offensive ist Bologna-Legionär Marko Arnautovic in Sachen Unterschiedsspieler wohl an die erste Stelle zu reihen. „Die WM ist das Maximum, da wollen alle hin. Spieler, Fans, Presse. Ich werde bald 33 und will da unbedingt hin, das habe ich den Jungs deutlich gemacht“, diktierte „Arnie“ gestern in die Notizblöcke und ließ auch noch eine Spitze in Richtung der Wales-Stars (Bale, Ramsey, Allen ...) fallen: „Hut ab, was ein Bale erreicht hat. Er ist aber auch nur ein Mensch und ein Spieler. Mich interessiert es nicht, wie sie drauf sind. Ich bin überzeugt von meiner Mannschaft.“

K wie Kollektiv: Im Originalton von Stefan Köck, dem Sportmanager der WSG Tirol, ist es durchaus möglich, dass die Hausherren phasenweise auch dem Motto „Hoch und weit gibt Sicherheit“ folgen werden und ihr Spiel auf den so genannten „zweiten Ball“ anlegen werden. In Sachen Ballbesitz-Fußball scheint die ÖFB-Elf bevorzugt. Entschieden wird das Match in der Box (=Strafraum) und da schrieben aus heimischer Sicht in den vergangenen Wochen neben Arnautovic auch Christoph Baumgartner (Hoffenheim), Sasa Kalajdzic (Stuttgart) und Michael Gregoritsch (Augsburg) regelmäßig an. Andreas Weimann (18 Tore und neun Assists bislang in dieser Saison für den englischen Zweitligisten Bristol City), der nach knapp sieben Jahren ins Team zurückkehrt, könnte eine Geheimwaffe sein.

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War gestern noch in Wien auf der Suche nach den elf Richtigen für Wales – Teamchef Franco Foda.
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S wie Schlager: Neben Stefan Lainer kehrt auch Xaver Schlager nach langer Verletzungspause ins Team zurück. Zwei Typen, die für Powerfußball stehen. Wie lange Schlagers Kraft nach seinem Kreuzbandriss im Falle eines Einsatzes halten würde, ist freilich offen: „Jedes Training und jedes Spiel, das ich mehr mache, ist ein Bonus“, notierte der Wolfsburg-Legionär gestern dankbar.

G wie Gretchenfrage: Im Aufstellungspoker ist Foda vor allem in der Mittelfeldzentrale gefordert. Wie wird der (Fix-)Platz des Corona-erkrankten Florian Grillitsch vergeben? Auf welcher Position taucht Reals etatmäßiger Innenverteidiger David Alaba auf? Ein diffiziles Spiel mit den Kräften, das mit diesem Kader und nach nur einem Training in Vollbesetzung mit vertrauten Abläufen aber lösbar scheint.

Die Torhüterfrage: Für wen fallen die Einser-Würfel?

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Nummer eins im Land?“, lautet jene „ewige“ Frage, die ÖFB-Teamchef Franco Foda fürs Wales-Match in Absprache mit Tormanntrainer Robert Almer bis morgen wieder zu beantworten hat. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass im K.-o.-Spiel auch ein Elferschießen möglich ist.

Watford-Keeper Daniel Bachmann reiste ohne Spielpraxis an, Herausforderer Heinz Lindner (hütete im letzten Duell gegen die Waliser 2017 den Kasten) kam als Basler Stammkeeper. Und Austria-­Goalie Patrick Pentz ist mit konstant starken Leistungen der Dritte im Bunde, während Alexander Schlager (LASK), Pavao Pervan (Wolfsburg) und Martin Fraisl (Schalke) auf der Abrufliste stehen.

ORF-Experte Helge Payer, der nach zwei Siegen über die Waliser (mit Bellamy, Giggs ...) und herausragenden Leistungen in der WM-Quali 2005 zum „Prince of Wales“ gekürt wurde, nahm auf kicker.de zur Eingangsfrage pikant Stellung: „Bei unseren Top-fünf-Torhütern kann ich würfeln, wen ich aufstelle.“

Hermann Steinlechner, langjähriger Torwart-Trainer der WSG Tirol, sieht die Lage ähnlich wie Payer: „Ich finde, der Pentz, der Sicherheit ausstrahlt, hätte es sich verdient, aber der wird sein Debüt wohl in einem Freundschaftsspiel feiern. Auch der Lindner hat es verdient und für Bachmann spricht, dass er sich bei seinen Teameinsätzen nichts zuschulden hat kommen lassen und kein Spiel mit Fehlern verloren hat.“ Steinlechner geht konform, dass im Duell auf der Insel wohl Bachmann mit seinen körperlichen Vorzügen die Nase vorne haben könnte.

„Vor zwei Jahren habe ich mich aber getäuscht, weil ich auf Schlager als langjährige Nummer eins getippt habe. Langfristig sehe ich Rapids Niklas Hedl (U21-Team) als Nummer eins“, sagt Steinlechner. Der letzte Tiroler im ÖFB-Kasten war Pascal Grünwald, in Sachen Torhüterspiel gibt’s national Aufholbedarf. Ein Blick über die Grenze zum Schweizer Ausbildungs­modell würde sich durchaus lohnen. (lex)


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