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Wegen enttäuschter Liebe Mails von Justiz und LKA gefälscht: Bedingte Haft

Amtsanmaßung wegen enttäuschter Liebe: Ein 61-jähriger Tiroler hetzte über gefälschte Mails Behörden auf seine einstige Flamme.

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(Symbolfoto)
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Noch im reiferen Alter kann es zu Konstellationen kommen, die mit jahrzehntelanger Lebensführung völlig im Widerspruch stehen. So war ein Tiroler in angesehener Stellung über 61 Jahre unbescholten geblieben und doch letzte Woche kurzfristig verhaftet worden. Gestern folgte am Landesgericht der Prozess wegen Amtsanmaßung, Urkundendelikten und Datenfälschung.

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Amors Pfeile hatten den Mann in diese Situation geführt. Während der Pandemie relativ vereinsamt, hatte er letztes Jahr eine Rumänin kennen gelernt und sich noch einmal „richtig verliebt“. Und dies, obwohl der 61-Jährige wusste, dass „Cristina“ nebenher noch einer einträglichen Beschäftigung nachgeht. Vor Richter Norbert Hofer wollte der Angeklagte dafür das Wort Prostitution nicht in den Mund nehmen: „Sie wollte aber mit mir zusammenleben und das dann lassen.“

Es kam freilich anders. Bis dorthin hatte der Tiroler jedoch bereits 60.000 Euro an seine große Liebe überwiesen, um ihr mit der Abzahlung ihrer Wohnung in Rumänien zu helfen. Den nachfolgenden Beziehungsabbruch konnte der Mann nicht verarbeiten: „Ich bin ja später von einer normalen Beziehung ausgegangen und habe mich von ihr getäuscht gefühlt, wie alles aus war.“ Die Reaktion darauf war nicht nur für Staatsanwalt Thomas Willam „eigentümlich und grotesk“.

So verfasste der Tiroler im Namen des Senatspräsidenten des Oberlandesgerichts (OLG), der Leiterin des Landeskriminalamts (LKA) oder eines Bezirkshauptmanns täuschend echte E-Mails, die bis zur Verfolgung der Frau in Rumänien führten. Dort hatte er im Namen des OLG-Richters Behörden angezeigt, dass die Rumänin ihre minderjährige Tochter der Prostitution zuführe. Unmittelbar darauf stand die Frau im Fokus der dortigen Polizei. „Das war eine miese Aktion. Ich werde mich ein Leben lang schämen, dass ich charakterlich so tief absinken habe können“, so der Angeklagte.

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Trotzdem verfälschte er während laufenden Verfahrens ein Schreiben des Strafrichters zu einer Ladung zum Prozess – adressiert an die Rumänin. Daraufhin folgten letzte Woche die Verhaftung und eine Hausdurchsuchung. Das Landesgericht verließ der Gebrochene und Geläuterte aber als freier Mann. Richter Hofer folgte dem Ansinnen von Ankläger Willam und verhängte rechtskräftig eine Strafenkombination über acht Monate bedingte Haft und 1000 Euro Geldstrafe.


Dass Opfer von sexueller Gewalt oftmals selbst zu Tätern werden, ist bekannt. So war gestern am Landesgericht ein junger Tiroler wegen Besitzes von 1300 Kinderporno-Dateien angeklagt. Schon in seiner Pubertät habe sich die Neigung entwickelt. Der Mann befindet sich in therapeutischer Behandlung. Die Strafe fiel mit acht Monaten bedingter Haft und 800 Euro Geldstrafe adäquat aus. 7390 Euro Gutachterkosten wurden nachgesehen. (fell)


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