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Jamaikas Premierminister deutet Abschied von britischer Monarchie an

Beim Besuch von Prinz William und seiner Frau Kate auf Jamaica nahm sich der dortige Premier Andrew Holness kein Blatt vor den Mund: Er sprach den Thronfolger auf den Wunsch nach politischer Unabhängigkeit und Selbstbestimmung an.

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Prinz William traf auf Jamaica Premierminister Andrew Holness.
© IMAGO/i-Images / Pool

Kingston – Bei einem Besuch des britischen Prinzen William (39) und seiner Ehefrau Herzogin Kate (40) hat Jamaikas Premierminister Andrew Holness eine Lossagung des Landes von der Krone angedeutet. "Wir ziehen weiter", sagte er am Mittwoch in Hinblick auf die jamaikanische Geschichte, neben William stehend, in der Hauptstadt Kingston vor Journalisten.

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"Jamaika ist in den letzten 60 Jahren gewachsen und gereift, und mit dieser Reife ist der Wunsch nach vollständiger politischer Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aufgekeimt", twitterte Holness. Der Karibikstaat feiert im August 60 Jahre Unabhängigkeit. "Ich habe dem Herzog gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass es in dieser Hinsicht unvermeidlich ist, dass wir uns darauf zubewegen, eine Republik zu werden und damit den Willen des jamaikanischen Volkes und unsere Ambitionen, ein unabhängiges, entwickeltes und wohlhabendes Land zu werden, zu erfüllen."

Prinz William verurteilt Sklaverei

Prinz William hat auf seiner Jamaika-Reise über Sklaverei gesprochen und die Praxis scharf verurteilt. "Ich möchte meine tiefe Trauer zum Ausdruck bringen. Sklaverei war abscheulich", sagte der 39-Jährige bei einer Abendveranstaltung in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. "Sie hätte nie stattfinden sollen."

Er stimme mit seinem Vater, dem britischen Thronfolger Prinz Charles überein, der im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Barbados gesagt hatte, "die entsetzliche Grausamkeit der Sklaverei" werde immer ein Schandfleck der Geschichte sein.

Einige Demonstranten, die ihren Unmut über den Besuch von William und seiner Frau Kate (40) zum Ausdruck brachten, hatten eine offizielle Entschuldigung der Royal Family für ihre Rolle im Kolonialismus und beim Sklavenhandel gefordert. Ein Vertreter einer jamaikanischen Rastafari-Gruppe sagte der Nachrichtenagentur PA zufolge: "Wir können nur Menschen vergeben, die anerkennen, dass das, was sie getan haben, falsch war und bereit sind, die Verletzung des von ihnen begangenen

Holness hatte bereits im Dezember gesagt, Jamaika müsse eine Republik werden. Wenige Tage zuvor hatte Barbados – ebenfalls eine karibische Ex-Kolonie Großbritanniens, die in den 1960er Jahren unabhängig geworden war – sich von der britischen Monarchie losgesagt und zu einer Republik erklärt.

Jamaika ist die zweite Station der achttägigen Tour von William und Kate in drei ehemaligen Kolonien – im Auftrag von Queen Elizabeth II. (95), die in diesem Jahr ihr 70. Thronjubiläum begeht. Die Reise begann in Belize und endet kommenden Samstag auf den Bahamas. Vor der britischen Botschaft in Kingston fand am Dienstag eine Demonstration statt, bei der nach Angaben der Veranstalter 350 Menschen vom Königshaus eine Entschuldigung und Reparationen für die Sklaverei und andere Taten während der Kolonialzeit forderten. Zuvor hatte das Paar einen Besuch einer Kakaofarm in einem Dorf im mittelamerikanischen Belize nach einem Protest der Bewohner abgesagt. (APA/dpa)


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