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Symphoniekonzert in Innsbruck: Der lange Schatten eines Krieges

Musik aus der Ukraine und aus Finnland beim Symphoniekonzert mit Solistin Ksenija Sidorova.

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Akkordeonistin Ksenija Sidorova interpretierte mit größter Hingabe ein Werk des ukrainischen Komponisten Artem Nyzhnyk.
© Chó/wefeelart.at

Innsbruck – Sich im Konzertsaal entspannt zurücklehnen, unbeschwert, den Kopf frei – das war einmal. Die Bilder des Kriegs in Europa sind nicht auszublenden, das sollen sie auch nicht sein. Der gnadenlose Angriff Russlands auf die Ukraine greift auch in unser Leben ein – und in jenes kommender Generationen.

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Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck (TSOI) unter Gastdirigent Patrick Lange eröffnete sein Konzert am Donnerstag mit Werner Pirchners berührendem Choral „Abschied“ als Verbeugung vor den Opfern des menschenverachtenden Treibens russischer Streitkräfte.

Es folgt, wie für unsere Zeit geschrieben, Jean Sibelius’ widerständiges Ton-Epos „Finlandia“ von 1899. Damals und in vielen weiteren Jahren rang Finnland, von Russland fremdbeherrscht, um Unabhängigkeit, begleitet von Krieg, Tod und Vertreibung.

Das TSOI lässt „Finlandia“ stolz erstrahlen – mit seinem durch Mark und Bein gehenden kämpferischen Unterton, den vorwärtstreibenden Bläsern und Schlagwerkern, melancholischen Streichern. Ein Auf und Ab zwischen Hoffen und Bangen, spektakulär und aufrüttelnd dargeboten.

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Es folgt eine Uraufführung, und auch diese gemahnt an den Krieg. „Maktoub“, ein Stück für Akkordeon und Orchester, stammt von Artem Nyzhnyk, einem aus Donezk gebürtigen Ukrainer. Er hat das viersätzige Werk für die Akkordeon-Solistin des Abends, die Lettin Ksenija Sidorova, komponiert. „Artem befindet sich in Sicherheit“, lässt Sidorova das Innsbrucker Publikum wissen. Bis zuletzt haben beide noch letzte Details geklärt, erschwert dadurch, dass Russland etliche soziale Medien blockiert.

Akkordeon und Orchester sind ein ungewohntes Doppel, das aber schnell ins Ohr geht. Das Orchester erweist sich als galanter Begleiter, lässt der Solistin, etwas verstärkt durch ein Mikrofon, den Raum zur Entfaltung. Sidorovas Spiel ist hingebungsvoll, energiegeladen, dabei sensibel, phasenweise tango-esk. Es ist nicht die große Solo-Show, eher ein Einander-Ergänzen, ein Verschmelzen.

Nach der Pause scheint die Luft etwas draußen. Wieder liegt Sibelius auf den Notenständern, seine 5. Symphonie kann die Spannung des vorher Gehörten nicht halten. Das TSOI, mit vielen Ersatzleuten infolge von Erkrankungen angetreten, müht sich, doch der Funke springt nicht mehr recht über. (mark)


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