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Sammeln für Flüchtlinge: Tiroler Helfer berichten von polnisch-ukrainischer Grenze

Zwei Wahl-Tiroler wollten und konnten angesichts des Grauens in der Ukraine nicht untätig bleiben und riefen die Hilfsaktion „Kundl 4 Ukraine" ins Leben. Hilfsgelder und Sachspenden brachten sie direkt ins Krisengebiet. Die Lage dort beschreiben sie als erschütternd.

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Daniel Amersdorffer (l.) und Marius Schwager vor der zweiten Abreise in Richtung Ukraine.
© Amersdorffer

Von Matthias Sauermann

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Kundl, Kiew – Die Bomben Putins töten, verletzen und treiben Millionen Menschen aus der Ukraine in die Flucht. Unsägliches Leid, angesichts dessen sich schnell das Gefühl der Ohnmacht einstellt. Um nicht untätig zu sein, haben zwei Wahl-Tiroler eine private Hilfsaktion auf die Beine gestellt.

„Ich habe viele Freunde in der Ukraine, war schon oft dort“, erzählt Marius Schwager. Gemeinsam mit Daniel Amersdorffer aktivierte er sein berufliches und privates Netzwerk, um etwas für Menschen in der Ukraine zu tun. Die beiden starteten vor allem via Sozialen Netzwerken einen Aufruf für Spenden, der immer größer wurde. „Kundl 4 Ukraine“ war geboren. Um möglichst Transparenz zu garantieren, richteten sie ein Spendenkonto über den Kundler Gemeinderat Thomas Unterrainer ein. Bislang kamen nach dessen Angaben 27.000 Euro zusammen. Neben Privaten beteiligten sich auch mehrere lokale und überregionale Unternehmen, etwa um Lieferwägen bzw. Camper zur Verfügung zu stellen. Damit machten sich die beiden am 5. März auf den Weg in Richtung polnisch-ukrainischer Grenze.

Spenden fanden ihren Weg in die Ukraine

Nach der langen Anreise verbrachten Schwager und Amersdorffer schließlich neun Tage damit, Hilfsgüter zu verteilen und für die Geldspenden wiederum gezielt zu kaufen, was benötigt wurde. Auch Krankenhäuser wurden etwa mit speziellen Medikamenten versorgt. Die beiden halfen auch Flüchtlingen dabei, von A nach B zu kommen. Hilfe bei der Koordination erhielten die beiden dabei auch vom Büro des ukrainischen Botschafters in Österreich. Die beiden fuhren auch über die ukrainische Grenze. „Anfangs war ich schon sehr nervös“, verrät Amersdorffer. Es sei jedoch alles gutgegangen.

Spendenkonto „Kundl 4 Ukraine"

Thomas Unterrainer

IBAN: AT05 2050 6077 0945 4115

BIC: SPKUAT22XXX

Betreff: Hilfe für Ukraine

Das Hilfsangebot sehen die beiden als Ergänzung, nicht als Ersatz für größere Hilfsorganisationen. Durch den persönlichen und raschen Einsatz hätten sie die Möglichkeit, Hilfsgelder und Sachspenden direkt und schnell dorthin zu bringen, wo es benötigt werde. Das könne Lücken schließen, die durch große Organisationen vielleicht nicht so schnell bedient werden könnten.

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Augenzeugen berichten von Kriegsverbrechen

Die Lage vor Ort beschreiben beide als katastrophal. Es mangle vor allem an den hygienischen Standards, für Tausende Flüchtlinge gebe es nur wenige, teils überquellende Toiletten. „Ein kleines Mädchen hat mich gefragt, ob es hier auch richtige Toiletten gibt. Dann hat es zu weinen begonnen“, erzählt Amersdorffer. Das Grauen des Krieges stehe den Flüchtlingen ins Gesicht geschrieben. Sie hätten mehrfach von Vergewaltigungen und gezielten Tötungen von Zivilisten berichtet bekommen. Unter den Flüchtlingen erzähle man sich, dass die Russen in den Sozialen Netzwerken mitgelesen hätten, wo Essensausgaben stattfinden würden. Und dann gezielt dort attackiert hätten.

Unabhängig überprüfen lassen sich solche Berichte nicht. Russland bestreitet Angriffe auf Zivilisten und spricht davon, nur "militärische Ziele" ins Visier zu nehmen. Ein Angriff auf Zivilisten in Chernihiv, die gerade in einer Schlange bei einer Brotausgabe standen, wurde indes zuletzt von der US-Botschaft in der Ukraine bestätigt. Mehrere Menschen seien dabei getötet worden.

Persönlich könne man so etwas ohnehin nicht so schnell verarbeiten, das passiere erst nach der anstrengenden Reise zuhause, sagt Amersdorffer. Gerade befinden sie ich zum zweiten Mal im Krisengebiet. Spenden nehmen sie nach wie vor entgegen. Sollte bei der Rückfahrt noch etwas übrig sein, wollen sie das für Angebote für ukrainische Familien in Tirol verwenden – zum Beispiel Wandertage.


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