Entgeltliche Einschaltung

Ein Fenster in die Gegenwart: Erstes „Journalismusfest“ in Innsbruck

Von 13. bis 15. Mai findet in Innsbruck das erste „Journalismusfest“ statt. Es soll die Notwendigkeit von gutem Journalismus feiern. Mehr als 40 Veranstaltungen sind geplant.

  • Artikel
  • Diskussion
Die Festivalorganisatoren Markus Schennach (links) und Benedikt Sauer wollen Innsbruck zum Forum für drängende Fragen machen.
© Rudy De Moor

Von Joachim Leitner

Entgeltliche Einschaltung

Innsbruck – Farahnaz Forotan wurde 1992 in der afghanischen Hauptstadt Kabul geboren, flüchtete als Fünfjährige mit ihrer Familie vor den Taliban in den Iran und konnte erst 2001 in ihr Heimatland zurückkehren. Sie wurde Journalistin und startete die Social-Media-Kampagne MyRedLine. Als erste Frau moderierte sie ab 2020 eine politische Talkshow im afghanischen Fernsehen. Bereits davor wurde sie mit Recherchen über Korruption und das Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan auch international bekannt. Seit 2021 lebt Forotan in den USA. Nachdem sie von den Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban aus Doha berichtet hatte, wurde sie darüber informiert, dass sie auf den Todeslisten der Taliban stand.

Farahnaz Forotan ist einer von mehr als 100 größtenteils internationalen Mitwirkenden des ersten „Journalismusfests Innsbruck“ (13. bis 15. Mai). Mit Parwana Rahmani, die als so genannte „Ortskraft“ jahrelang im Auftrag des deutschen Verteidigungsministeriums in Nordafghanistan gearbeitet hat, und Monika Hauser, Gründerin der Frauenrechtsorganisation „medica mondiale“ und Trägerin des alternativen Nobelpreises, wird sie am Samstag, 14. Mai, darüber reden, was es heißt, in und von einem Land zu berichten, in dem seit mehr als vier Jahrzehnten von der Weltöffentlichkeit mal mehr, mal weniger beachtet Krieg geführt wird.

„Das Journalismusfest soll ein Fenster in die komplexe Gegenwart öffnen, in der wir leben“, sagt Markus Schennach. Der langjährige Geschäftsführer des freien Radios Freirad hat die, so der Untertitel, „Internationalen Tage der Information“ mit dem Journalisten Benedikt Sauer konzipiert. Gemeinsam verantworten sie das umfangreiche Programm. Die „Panama-Papers“- und „Ibiza“-Aufdecker Bastian Obermayer und Frederik Obermaier haben sich genauso angekündigt wie Nahost-Experte Karim El-Gawhary, Edward Snowdens Anwalt Robert Tibbo und Markus Beckedahl, Gründer der deutschen Online-Platfform netzpolitik.org. Die Zeit-Redakteure Florian Gasser, Lenz Jacobsen und Matthias Daum werden in Innsbruck eine Episode ihres transalpinen Podcasts „Servus, Grüezi, Hallo“ aufzeichnen.

Thematische Blöcke sind unter anderem der Situation in Belarus – unter anderem mit der Philosophin Olga Shparaga, der Journalistin Ljubou Kaspjarowitsch und den Essayistinnen Yaraslava Ananka und Iryna Herasimovich – und Erdogans Türkei gewidmet. Über Klimakrise und die Berichterstattung darüber wird gleich mehrfach diskutiert. Mehr als 40 Veranstaltungen sollen stattfinden. Zentrale Spielstätten sind das Treihbaus und das Haus der Musik. Im Taxispalais werden die von Karoline Bofinger betreuten „Comics zur Lage der Welt“ aus der Monatszeitung Le Monde diplomatique gezeigt und im Innsbrucker Dom Arbeiten des südafrikanischen Fotojournalisten Gideon Mendel. Der Cinematograph wird vorübergehend zum Hörkino. Dort werden preisgekrönte Radiofeatures von Ö1 und Deutschlandradio gespielt. Sichtbarstes Zeichen, dass Innsbrucks Innenstadt zum – so Markus Schennach – „Forum für die Auseinandersetzung international drängender Fragen und Krisen“ wird, dürften aber verschiedene Stände in der Maria-Theresien-Straße sein. Hier präsentieren sich Medien und journalistische Initiativen aus aller Welt.

„Jeder Tag führt uns aufs Neue vor Augen, wie wichtig unabhängige und verlässliche Informationen, qualitativ hochwertiger Journalismus und faktenorientierte und fundierte Debatten sind“, sagt Festivalmitgründer Benedikt Sauer. Gerade in einer Zeit, in der mancherorts lautstark „Lügenpresse“ skandiert wird, sei es wichtig, die Bedeutung und Notwendigkeit von gutem Journalismus für unsere Demokratien zu unterstreichen – und zu feiern, ergänzt Markus Schennach. Deshalb sei das Festival ganz bewusst niederschwellig konzipiert. „Es geht nicht um medieninterne Debatten und die Selbstbespiegelung in der polit-medialen Blase“, unterstreicht Sauer, „sondern darum, zu zeigen, was guter Journalismus kann und vor welchen Herausforderungen er steht.“

Inspiriert wurde das Innsbrucker Journalismusfest von einem ähnlichen Festival, das die italienische Wochenzeitschrift Internazionale seit 2007 in Ferrara veranstaltet. Internazionale ist auch eines der zahlreichen Partnermedien von Innsbrucks Internationalen Tagen der Information. Daneben gibt unter anderem Kooperationen mit der Uni Innsbruck, der Süddeutschen Zeitung, der taz, dem Standard, der Zeit, dem ORF und der Tiroler Tageszeitung.

Journalismusfest

Auftakt. Zum Start des neues Festivals geht es am 13. Mai unter anderem um den Schutzschirm für verfolgte JournalistInnen, den die deutsche Regierung auf den Weg bringen will. Es diskutieren unter anderem Christian Mihr (Reporter ohne Grenzen), taz-Gründer Michael Sontheimer und Daniela Kraus (Presseclub Concordia).

Ukraine und Flucht sind Themen einer Debatte mit dem Soziologen Gerald Knaus, Innsbrucks Bischof Hermann Glettler und Laura Leyser von Ärzte ohne Grenzen. SZ-Journalistin Alexandra Föderl-Schmid spricht mit Georg Löwisch (Christ und Welt), Christina Zühle (WDR) und dem Theologen Hans Zollner über Recherchen zu sexualisierter Gewalt in der Kirche. Weitere Themen sind u. a. die Glaubwürdigkeit von Blogs und Gefahren für die Pressefreiheit. Das Programm geht dieser Tage auf www.journalismusfest.org online.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung