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„Er ist mir ins Messer gefallen“: 20 Jahre Haft wegen Mordversuch

Ein Streit zwischen zwei Männern in Innsbruck endete vergangenen September mit Messerstichen. Das Schwurgericht sah die Tat als Mordversuch. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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Laut dem 25-Jährigen wurde ihm das Opfer ins Messer geschupft. Der Gerichtsmediziner widersprach aufgrund des Verletzungsbilds.
© Böhm

Von Reimhard Fellner

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Innsbruck – Obdachlosigkeit ist ein hartes Los. Die Lebensumstände sind für Normalbürger wohl fast unvorstellbar. So zeigte am Donnerstag am Landesgericht ein Schwurgerichtsprozess rund um einen Mordversuch unter zwei Somaliern ein Bild voller Perspektivenlosigkeit. Ausfluss dieser ist nicht selten enthemmter Alkoholkonsum.

So trafen im September unweit der Notschlafstelle am Innsbrucker Schusterbergweg vier Schicksalsgenossen zusammen. Schon vormittags sprachen die drei Somalier und ein Wiener dem Alkohol in rauen Mengen zu. Bis 17 Uhr ging dies so, bis der 25-jährige Angeklagte mit einem 34-jährigen Landsmann in Streit geriet. Es ging dabei wohl um die Entwendung eines Plastiksacks, der zuvor vom 34-Jährigen mit zehn Bierdosen befüllt worden war. Die Auseinandersetzung dauerte dann nur kurz – und endete mit zwei Bauchstichen für den 34-Jährigen. Laut Gerichtsmediziner Walter Rabl eine an sich lebensbedrohliche Verletzung, die für den 34-Jährigen nach Darmaustritt bis heute schwere Komplikationen mit sich bringt.

Der 25-Jährige gestand am Donnerstag zwar einen Streit zu, brachte dabei jedoch den dritten Somalier ins Spiel. Dieser habe sich in den Streit eingemischt. Der Angeklagte selbst hätte sich indes bedroht sowie beleidigt gefühlt und mit einem Messer herumgefuchtelt. Dabei habe der Bekannte das Opfer dem 25-Jährigen direkt ins Messer geschupft.

Eine Version, die sich mit den übrigen Aussagen nicht deckte. So erinnerte sich das Opfer an keinen Schupfer und der Wiener bezeugte überhaupt, dass sich der dritte Somalier bei der Tat mit ihm im Gespräch befunden hätte. Jener wiederum wollte nur gesehen haben, wie der 25-Jährige das blutige Messer aus dem Körper des Opfers zog. Danach riet er dem 25-Jährigen, lieber gleich ins Ausland zu flüchten. Ein Ratschlag, den der Somalier bis zu seiner Ergreifung aufgrund internationalen Haftbefehls über zwei Monate aufgriff.

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Für Gerichtsmediziner Rabl war die Verantwortung des Angeklagten ohnehin mit dem Verletzungsbild des Opfers nicht in Einklang zu bringen. So würde ein bloßes Hineinfallen in ein Messer, das nur in der Hand gehalten wird, niemals so schwere Verletzungen verursachen. Ein solches würde Haut und Kleidung nur durchstoßen, wenn die Hand beispielsweise durch eine Mauer einen festen Widerstand hätte.

Die Geschworenen hatten darauf ein Fragenspektrum von fahrlässig schwerer Körperverletzung bis Mordversuch zu bewerten und auch eine allfällige Beeinträchtigung bei der Tat zu beurteilen. Sie folgten mit 5:3 der Stimmen Staatsanwalt Florian Oberhofer und sahen einen Mordversuch. 20 Jahre Haft ergingen nicht rechtskräftig über den bereits Vorbestraften.


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