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Kunsthaus Bregenz und Kunstraum Dornbirn: Abtauchen in Untergründiges

Den aktuell düsteren Zeiten entsprechend unlustig ist derzeit auch die Stimmung im Kunsthaus Bregenz und im Kunstraum Dornbirn.

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„27 Male Molds“ hat die kroatische Künstlerin Dora Budor im obersten Geschoß des Bregenzer Kunsthauses zum Chor aus weiblichen Torsos arrangiert.
© Markus Tretter

Von Edith Schlocker

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Bregenz, Dornbirn – Dora Budors Idee, Peter Zumthors längst zur Architekturikone gewordenes Bregenzer Kunsthaus einmal nicht als Bühne kunstvoller Bespielung zu begreifen, sondern als geschlossenes System, das es durchaus in einem metaphorischen Sinn zu sezieren gilt, mag in der Theorie ja recht interessant erscheinen. Die Praxis wird vielleicht rein konzeptuelle Kunstdenker befriedigen, der nur einigermaßen von sinnlicher Augenlust Getriebene wird die Ausstellung der kroatischen Künstlerin allerdings hungriger verlassen als er diese betreten hat.

Denn zu sehen gibt es derzeit im Bregenzer Kunsthaus nur sehr wenig. „Aufgehängt“ an dem, was es üblicherweise nicht zu sehen gibt. Im ersten Obergeschoß etwa der aus Latex, geschredderten Schriftstücken, Zement, Holz und Metall gebaute, zur Skulptur gewordene dreiteilige Abguss des „Kollektorgangs“, der von außen unsichtbar das gesamte Fundament des Kunsthauses umzieht.

Einen Stock höher liegen am Boden unzählige „Pucks“, die Dora Budor aus den Kaffeeresten des KUB-Cafés gepresst hat, während ganz oben 27 Negativformen für den Guss von Maschinenteilen zum klassischen Stillleben arrangiert sind. Dass sie laut Budor so etwas wie einen aus weiblichen Torsos gebildeten Chor darstellen sollen, erscheint allerdings sehr weit hergeholt, genauso wie der eigenartig undefinierbare Sound, in den das Setting getaucht ist. Denn dass es ferngesteuerte Sexspielzeuge sind, die das Belüftungssystem des Kunsthauses hier in ein alles andere als erotisch daherkommendes nerviges Klappern versetzen, würde man nie vermuten.

📍 Kunsthaus Bregenz. Karl-Tizian-Platz; bis 26. Juni, Di–So 10–18, Do bis 20 Uhr

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Betörend verstörend geht es dagegen im Kunstraum Dornbirn zu, den der polnische Künstler Robert Kusmirowski in ein dystopisches Ambiente taucht. In ein Setting, das einer Szene aus Andrei Tarkowskis Filmklassiker „Stalker“ entspricht. Aus 115 Tonnen Sand, die der Künstler eigenhändig zu unzähligen kleinen Hügeln aufgehäuft hat, hat er die durch Stacheldraht klar begrenzte, von Geheimnissen umwitterte „Zone“ aus dem Film akribisch nachgebaut. Wohin die Figur schaut, die in dieser in diffusen Nebel getauchten Dünenlandschaft unterwegs ist, ist genauso ungewiss wie das, was sich in der von innen beleuchteten hölzernen Hütte im Hintergrund tut. Und dazu schwirrt noch ein von Maschinen generierter Sound im Raum.

Kunstraum Dornbirn: Robert Kusmirowski „DUSTribute“.
© G. R. Wett

Er sei ein Sammler von Erinnerungen, sagt Robert Kusmirowski, der es liebt, Räume zu transformieren, um Welten entstehen zu lassen, die bar jeden theoretischen Erklärungsbedarfs existenzielle Fragen aufwerfen. Die immer unbeantwortet bleiben, in der Ästhetik, in der der Künstler seine Dystopien inszeniert, allerdings die Potenz haben, den Ausstellungsbesucher bis in seine Träume hinein zu verfolgen.

📍 Kunstraum Dornbirn. Marktstraße 33; bis 29. Mai, tgl. 10–18 Uhr


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