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Protest wegen zwölf Bayern: Für Freiburg geht es um die Champions League

Freiburg legt Protest gegen die Wertung der Niederlage gegen Bayern München ein, da man sich juristisch am Zug sieht. Ein Erfolg könnte den Kampf um die Champions League noch spannender machen. Viel spricht allerdings nicht dafür.

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Bayern-Trainer Julian Nagelsmann und Freiburg-Coach Christian Streich diskutierten nach dem Spiel, das nun auch juristisch aufgerollt wird.
© THOMAS KIENZLE

Freiburg – Die Erfolgsaussichten sind nach Ansicht von Experten gering, doch der Protest des SC Freiburg nach dem Wechselfehler des FC Bayern München könnte in der deutschen Bundesliga noch einmal für Spannung sorgen. Auf die Entscheidung im Meisterschaftskampf dürfte ein unerwarteter juristischer Sieg der Freiburger keinen Einfluss haben. Anders sieht es bei der Qualifikation für die Champions League aus, wo alles noch einmal enger zusammenrücken würde.

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Die größten Konsequenzen hätte eine Rechtssprechung pro Freiburg für RB Leipzig. Zwar würden die Sachsen weiterhin vor den Breisgauern auf Platz vier liegen, der durch den Sieg bei Borussia Dortmund erspielte Vorsprung von drei Punkten wäre allerdings dahin. Auch die TSG 1899 Hoffenheim, aktuell einen Punkt hinter Freiburg, müsste dann vier Zähler aufholen. "Es ist nicht an uns, das Thema zu kommentieren. Der Fall liegt in den Händen der unabhängigen Sportgerichtsbarkeit, die diesen Fall entscheiden muss", sagte ein Clubsprecher Hoffenheims am Dienstag. Leipzig wollte sich auf dpa-Anfrage nicht äußern.

Man dürfte bei den betreffenden Clubs ohnehin gelassen sein. Denn die Erfolgsaussichten des Einspruchs gegen die Wertung des 1:4 bewerten mit dem Verfahren vertraute Experten nach dpa-Informationen als "außerordentlich" gering. Der Schwerpunkt des Verschuldens beim Wechselfehler der Münchner liege bei den Schiedsrichtern, wofür nicht der Bundesligist bestraft werden könne. Der beantragte Wechsel der Münchner sei völlig legal gewesen. Zudem passierte nichts Spielentscheidendes.

📸 Die Stellungnahme des SC Freiburg:

Freiburg hatte am Montagabend Protest gegen die Wertung eingelegt, da man formal in der aktiven Rolle sei, die Vorgänge rechtlich überprüfen zu lassen. Die Bayern waren kurz vor dem Ende beim Stand von 3:1 für wenige Sekunden mit zwölf Spielern auf dem Platz, ehe Schiedsrichter Christian Dingert die Begegnung unterbrach.

Der FC Bayern hatte gelassen auf den Freiburger Protest reagiert. Der Tabellenführer rechnet nicht mit einem Punktabzug. "Wir sind nicht überrascht, dass der SC Freiburg Einspruch eingelegt hat. Die Angelegenheit liegt nun in den Händen der Sportgerichtsbarkeit, der wir voll vertrauen", teilte Vorstandschef Oliver Kahn am Montagabend auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Nagelsmann: "Weiß nicht, ob du dir auf die Schulter klopfen kannst"

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann hat den SC Freiburg für den Einspruch kritisiert. "Aus persönlicher Sicht kann ich es nicht verstehen, dass Freiburg das macht, weil sie in den 18 Sekunden jetzt nicht zwei Tore gemacht hätten oder vielleicht auch eines", sagte Nagelsmann am Dienstag in der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel bei Villarreal.

"Ich weiß nicht, ob du dir auf die Schulter klopfen kannst, solltest du international spielen aufgrund von drei Punkten, die du sportlich de facto nicht gewonnen hast", erklärte der 34-Jährige. Er sei freilich "nicht überrascht" vom Freiburger Vorgehen. Die Bayern hatten am Samstag beim Stand von 3:1 kurzzeitig nach einem Doppelwechsel unbemerkt von den Schiedsrichtern zwölf Spieler auf dem Platz. Nagelsmann ist sich nicht so sicher wie Bayern-Chef Oliver Kahn, dass die Münchner den Sieg nicht aberkannt bekommen werden.

Der Fall liegt nun in der Zuständigkeit des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes. Dort liegt unterdessen die juristische Begründung des SC Freiburg vor. Nun gelte das laufende Verfahren, sagte ein Sprecher des Vereins am Dienstag der dpa.

Zwei Fälle aus der Vergangenheit

Im deutschen Fußball gab es einige Wechselfehler, die erfolgreich zu Spielumwertungen geführt haben. Zum Beispiel wechselte Bayern Münchens Trainer Giovanni Trapattoni am 15. April 1995 bei Eintracht Frankfurt den späteren Nationalspieler Dietmar Hamann als vierten Vertragsamateur ein, erlaubt waren aber nur drei. Das 5:2 der Bayern wurde annulliert und das Spiel ging mit 2:0 an die Frankfurter.

Der letzte folgenschwere Fauxpas passierte dem VfL Wolfsburg in der Saison 2021/2022. Im Pokal-Erstrundenspiel am 8. August 2021 bei Preußen Münster unter der Leitung von Referee Dingert wechselte Coach Mark van Bommel sechs Spieler ein statt der erlaubten fünf. Zwar gewannen die Niedersachsen 3:1 nach Verlängerung, aber Münster legte erfolgreich Einspruch ein und zog nach einer 2:0-Wertung für Preußen in die nächste Runde ein. (dpa)


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