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Daumenkino-Revival in Innsbruck: Bewegende Bilder zum Bewegen

Wunderbares Revival des guten alten Daumenkinos durch Volker Gerling im INN SITU der BTV.

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Zum Selbst-Durchblättern: die fünf in Tirol und Vorarlberg entstandenen Daumenkinos Volker Gerlings.
© Bernd Schuller

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Die zwei jährlich im BTV-Stadtforum stattfindenden Ausstellungen haben eine Konstante: Sie müssen irgendwie mit Tirol bzw. Vorarlberg zu tun haben, wobei der Blick von außen besonders gefragt ist. Der Deutsche Volker Gerling ist somit der ideale Kandidat, noch dazu, da seine Spezialität das überaus reizvolle, wenn auch komplett aus der Mode gekommene Genre des Daumenkinos ist.

Rund 60 hat der 54-Jährige, der an der Schnittstelle zwischen Film, Fotografie und Performance unterwegs ist, inzwischen gemacht, zwei davon in Innsbruck, drei im Großen Walsertal. Das Ergebnis einer vierwöchigen Reise, auf die er von Hans-Joachim Gögl, dem Leiter von INN SITU, im vergangenen Herbst geschickt worden ist. Und von der er sehr spezielle Momentaufnahmen von Menschen mitgebracht hat, die er mehr oder weniger zufällig getroffen hat. Etwa den Polen Slawek, der am Jakobsweg unterwegs in derselben Unterkunft wie er abgestiegen ist. Um ihm seine Geschichte zu erzählen und für ein Fotoshooting bereit zu sein. Das ganze zwölf Sekunden gedauert hat, so lange, bis die 36 Bilder des analogen Films mit einer mit einem Motor ausgestatteten alten Nikon „geschossen“ waren.

Auf einen ersten Blick tut sich sehr wenig in diesen zu Daumenkinos montierten Sequenzen, bei genauem Hinschauen allerdings sehr viel. Das Gefühl der Leichtigkeit des Seins durchpulst etwa die zwölf Sekunden rund um zwei Freundinnen, jenes von Endlichkeit das Gesicht eines älteren deutschen Musikers, den Gerling im Großen Walsertal getroffen hat. Wo er auch eine junge Frau dazu animieren konnte, sich halbnackt in einen eiskalten Bach zu stürzen. Das Ergebnis eines auf zwölf Stunden angelegten Projekts, das aus im Zehn-Minuten-Takt aufgenommenen Bildern eines in einer Ecke sitzenden Lehmbauers besteht, fällt in diesem Kontext etwas aus dem Rahmen.

In der „Dunkelkammer“ des INN SITU werden 21 Daumenkinos Gerlings auf Bildschirmen virtuell durchgeblättert, bei den fünf aktuellen kann das der Ausstellungsbesucher selbst tun. Eine der galeristischen Wände ist mit farbigen Selbstporträts Gerlings tapeziert, deren Rückwand mit kleinen gerahmten Stills aus den Daumenkinos behängt.

Auf sie wird der Tiroler Lautenist David Bergmüller heute und morgen (19 Uhr) in der Ton Halle der BTV auf seine Weise reagieren. Am Freitag, 19 Uhr, tritt Volker Gerling mit der zukünftigen Intendantin des Landestheaters, Irene Girkinger, sowie IFFI-Leiterin Anna Landinig und David Bergmüller in Dialog.


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