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James Turrell in den Kristallwelten: Nichts glitzert, alles scheint

Mit James Turrell gelingt den Wattener Kristallwelten ein Coup. In „Umbra“ löst das Licht den Kristall ab.

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Lost im Licht: James Turrells „Umbra“ in den Kristallwelten ist ein subtiles Werk und reizvolles Erlebnis.
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Wattens – Salzburg holte ihn 2006 auf den Mönchsberg, Lech am Arlberg verpflanzte ihn 2018 mitten auf einen Hang. Die luftige Struktur des Kunsthauses Bregenz ließ er 1997 zur Eröffnung glänzen, im Wiener MAK leuchtet es seit 2004. An all diesen (Kunst-)Orten hat der US-amerikanische Land-Art- und Lichtkunst-Pionier James Turrell bereits gewirkt. Mit nichts mehr als Licht. Und seiner besonderen Affinität für den Raum. Seit heute hat auch Tirol seinen eigenen Turrell. Für die 18. Wunderkammer in den Swarovski Kristallwelten hat der Künstler einen seiner Shallow Spaces realisiert – den einzigen im deutschsprachigen Raum, wie man in Wattens bei der gestrigen Eröffnung stolz verkündet.

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„Umbra“ nennt Turrell den Wattener Lichtraum – und das, obwohl es hier keinen Schatten gibt. Von beiden Seiten scheint Licht in Spektralfarben, sanfte geometrische Formen zeichnend und fast unmerklich wechselnd von einem Ton zum anderen. So weit, so simpel. Das Spektakuläre auch in „Umbra“ ist die Erfahrung, die BetrachterInnen machen. Die ist wie in allen Lichträumen des Künstlers eine körperliche: Die architektonische Hülle löst sich in Turrells Lichtmeer komplett auf. Dementsprechend lost fühlt sich auch der Körper, die Augen etwa sehen Nebel, den es gar nicht gibt. Wie stark Turrells Lichtraum auf einen einwirkt, merkt man dann beim Rausgehen.

An diesen, von Licht oder Ton ausgelösten subtilen Phänomenen, arbeitet sich Turrell seit über 50 Jahren ab. Neben seinen vielen kleinen Lichtinterventionen, etwa den berühmten Skyspaces, werkelt er seit den 1970ern an seinem ambitioniertesten Projekt. Bei „Roden Crater“ mitten in der Wüste von Arizona handelt es sich um einen erloschenen Vulkan, den Turrell gekauft und mit einem Netz aus Gängen und Hallen durchzogen hat. Mit unterschiedlichsten Lichtstimmungen und synästhetischen Effekten wird hier gespielt. Seit Jahrzehnten verschiebt der Künstler die Eröffnung des Megaprojekts. 2024 könnte es so weit sein.

Nicht ganz so lange, aber immerhin seit drei Jahren arbeitete Kristallwelten-Kuratorin Carla Rumler an der Umsetzung von „Umbra“ – gemeinsam mit Turrell. Jetzt ist der Raum eröffnet. Ein lang ersehnter Coup, der sich im Ensemble der Wunderkammern besonders hervortut. Auch weil der Raum mit dem Kristall als Motiv – im Gegensatz zu den anderen Kammern – kaum etwas zu tun hat. Nichts glitzert, aber alles scheint. (bunt)

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Swarovski Kristallwelten. Wattens, täglich 9–19 Uhr. Alle Infos: www.kristallwelten.swarovski.com


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