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Tanzproduktion „Made of Space“: Atemlos in der Endlosschleife

Mit der Tanzproduktion „Made of Space“ von Guy Nader und Maria Campos klang das Osterfestival Tirol mit einem starken Statement für das Leben im Congress Innsbruck aus.

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Sechs der sieben Tänzerinnen und Tänzer beim Vermessen von Raum und Zeit gemeinsam mit ihren „Doppelgängern“.
© Victor Malyshev

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Mit tosendem Applaus und Standing Ovations für die Tanzproduktion „Made of Space“ des libanesisch-spanischen Choreographen-Duos Guy Nader und Maria Campos ging am Sonntag das heurige Osterfestival Tirol zu Ende. Als starkes lebensbejahendes Statement in kulturell noch immer schwierigen Zeiten. Müssten es sich die Menschen doch erst langsam wieder angewöhnen, Kunst live zu genießen, sagt Hannah Crepaz, die das vor 34 Jahren von ihren Eltern Maria und Gerhard Crepaz gegründete Festival seit fast zehn Jahren leitet.

Das heuer immerhin wieder ein halbwegs „normales“ war, nachdem es wegen zahlloser Corona-bedingter Absagen vor zwei Jahren als Miniformat im Oktober und im vergangenen Jahr im Juni stattfinden musste. Auch wenn es noch keine exakten Besucherzahlen gibt, gingen diese im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten laut Crepaz allerdings um rund ein Drittel zurück. Ein internationaler Trend, den sie allerdings bereits in ihre Kalkulation miteinbezogen hätten. Wobei informelle Formate, etwa Menschen an „40 Orten“ mit Kultur aus dem Alltag zu locken, sehr gut funktionierten, genauso wie die kurzen Orgelspiele.

Allerdings eines wie früher wird das Osterfestival Tirol allein schon durch den Tod von Gerhard Crepaz nie mehr sein. Fehlt der in den letzten Jahren zwar immer mehr in den Hintergrund sich rückende Mastermind der „Firma“ doch nicht nur als Einstimmer auf diverse Programme, er fehlte auch am Sonntagabend im Congress als leibhaftig auf der Bank neben der Kassa Sitzender. Aufkommende trübe Gedanken vermochten allerdings die vier Tänzerinnen und drei Tänzer zu verscheuchen, die an diesem finalen Abend scheinbar zeit- und schwerelos den von einer riesigen weißen Spirale umschwebten Bühnenraum eroberten. Um mit ihrem konzentrierten Tun die Zuschauenden für gut eine Stunde in den Zustand abseits des Realen zu entführen. Wobei die von Miguel Marin und Daniel Munárriz live am Schlagwerk produzierte Musik den Atem, in dem das alles passiert, vorgibt. Mit feinen, leisen Tönen, die immer intensiver, fast ohrenbetäubend werden, bevor sie wieder abschwellen, um in immer neuen Varianten wiederzukehren.

Ein Spiel mit Möglichkeiten, mit Werden und Vergehen, letztlich dem Phänomen der Zeit, das auch den Tanz bestimmt. Bei dem sich die Körper in diversen Arten umkreisen, ganz langsam genauso wie rasend schnell, von vorne wie rückwärts, um sich wieder zu entfernen und rennend den Raum zu vermessen. Bevor sich Gruppen bilden, die zunehmend artistischer zugange sind, was bisweilen die Zuschauenden den Atem anhalten lässt. So kühn fliegen da Körper durch die Luft, heben zarte Tänzerinnen wesentlich größere Tänzer scheinbar mühelos in die Höhe, kreiseln, schleifen und rollen Körper über den Boden, werden zu so etwas wie Girlanden und in kurzen Momenten des Innehaltens zu fast statisch anmutenden Körperpyramiden.

Eine wichtige Rolle spielt in diesem Tun, in dem sich letztlich sehr wenig und doch unendlich viel tut, neben der Musik auch das Licht. Das einmal ganz kalt, dann wieder warm daherkommt bzw. durch seine Gerichtetheit die Schatten der Akteure ganz lang macht, die realen Körper sozusagen mit geheimnisvollen Doppelgängern bestückt. Die Choreographie, in der das alles passiert, sitzt exakt, lässt keinerlei Raum für Zufälliges, entwickelt sich doch jede Szene organisch aus der vorherigen, bis in einem finalen Akt eine zentrifugale Kraft die Tanzenden eng umschlungen kreiseln lässt, bis alles wieder auseinanderdriftet.

2023 wird das Thema Frau im Zentrum des Osterfestivals Tirol stehen.


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