Tirol

Kennzeichnung auf Speisekarte: „Man braucht Eier, um das durchzusetzen“

Pöschl, Klöter, Walser, Geisler und Hechenberger in der Küche des Gerhardhofs, wo so regional wie möglich gekocht wird. Mehr Infos zur freiwilligen Kennzeichnung (auch für Betriebe) unter: www.dakommtsher.at
© Julian Raggl

Der Gerhardhof arbeitet so regional wie möglich und kennzeichnet das als einer von 228 Betrieben in Tirol freiwillig. Die Gasthäuser haben sich der Initiative „Ich sag, wo’s herkommt“ angeschlossen.

Von Anna Haselwanter

Mieming – Rund 85 Prozent aller Lebensmittel, die Küchenchef Grex Klöter am Gerhardhof in Wildermieming verkocht, kommen aus der nahen Region. Die Forelle aus dem Ötztal, der Senf – nach eigenem Rezept – aus Telfs, das Heu, in dem der Karfiol geschmort wird, von vor der Tür. „Irgendwann“, sagt Geschäftsführer Peter Bußjäger, „werden es 100 Prozent sein.“ Der Unternehmer will gemeinsam mit seinen zwei Geschäftspartnern Tobias Hafele und Josef Volgger, Gasthaus und Campingplatz um eine Landwirtschaft erweitern – „und das Fleisch selbst produzieren“. Denn „wenn man einmal beginnt, Nachhaltigkeit zu denken, geht es nicht anders“, erklärt Hafele.

Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Landwirtschaft

Die beiden stellten ihren Betrieb gestern stellvertretend für 227 weitere Gasthäuser in Tirol vor, die sich der Initiative „Ich sag, wo’s herkommt“ angeschlossen haben; in ihren Speisekarten also freiwillig angeben, woher sie die Lebensmittel, die sie servieren, beziehen. Das Projekt ist 2020 „als einzigartiger Schulterschluss zwischen Tiroler Wirtschaft und Landwirtschaft, begleitet von der Agrarmarketing Tirol“ ins Leben gerufen worden, wie Matthias Pöschl, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol, sagt.

Dass es sich dabei aber um eine Kompromisslösung zwischen der Forderung nach einer verpflichtenden Kennzeichnung (Landwirtschaftskammer) und der Ablehnung dessen (Wirtschaftskammer) handelt, ist kein Geheimnis.

„Kennzeichnung hat einen Mehrwert“

„Natürlich ist das politisch ein heißes Thema“, sagt Christoph Walser (ÖVP), Präsident der Wirtschaftskammer, „über das lange diskutiert wird“. Gerade in der Pandemie habe man aber gesehen, „wie wichtig Regionalität ist“. Walser ortet einen „Paradigmenwechel“, in dem „die Unternehmen erkennen, dass „die Kennzeichnung einen Mehrwert“ habe. Das Projekt sei „ein guter Start, das man jetzt weiterentwickeln kann“. Verpflichtend will er die Kennzeichnung aber nicht sehen – hierzu gebe es zu viele Bedenken bezüglich eines „bürokratischen Mehraufwands“ und der Verfügbarkeit der Lebensmittel in der benötigten Menge.

Dass „Zwang“ nicht der richtige Weg sei, betonte auch Josef Geisler (ÖVP), LH-Stv., zudem sei nicht die Zeit für „Schuldzuweisungen, sondern die der neuen Wege“. Wer freiwillig kennzeichnet, tue das „mit Herzblut“.

Josef Hechenberger (ÖVP), Präsident der Landwirtschaftskammer, muss das naturgemäß anders sehen: „Natürlich“, so sagt er, „ist aus Sicht der Landwirtschaft eine generelle Kennzeichnungspflicht wünschenswert“. Im Bund arbeite man daran, betont Hechenberger, der auch im Nationalrat sitzt. Auf Landesebene setze man erstmal auf Freiwilligkeit, um „die Betriebe mitzunehmen, die nötige Logistik im Hintergrund aufzubauen“.

Hierbei gebe es auch genug zu tun, sagt Hafele. Von der Bewusstseinsbildung über direktere Lieferketten bis hin zur Verfügbarkeit der Lebensmittel. „Man braucht Eier, um das durchzusetzen“, sagt er. Wörtlich, symbolisch.

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