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Film „Luzifer“: Licht und Schatten in den teuflischen Tiroler Bergen

In „Luzifer“ schickt Regisseur Peter Brunner ein Mutter-Sohn-Duo auf eine Zillertaler Alm und einen kraftvollen Psychotrip.

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Johannes und Maria: Schauspielprofi Franz Rogowski spielt mit der Laien-Darstellerin und Theologin Susanne Jensen.
© Stadtkino

Von Marian Wilhelm

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Innsbruck – Drei Stunden lang hätten sie sich im Nebel verirrt, erzählt Hauptdarstellerin Susanne Jensen über die Vorbereitungsphase zum Film „Luzifer“ zusammen mit Co-Star Franz Rogowski. Danach seien sie bereit gewesen für die schwierige Mutter-Sohn-Beziehung im Film.

Jensen ist eigentlich lutheranische Pastorin und keine Profi-Schauspielerin. Für den wilden Film „Luzifer“ bringt sie jedoch genau die richtigen Erfahrungen mit. Wie ihre Figur Maria hat sie sich in früheren Jahren in den fundamentalistischen Katholizismus verrannt: „Ich war richtig fanatisch katholisch!“

📽 Trailer | Luzifer

Ihre Maria im Film ist eine trockene Ex-Alkoholikerin, die sich mit ihrem erwachsenen Sohn vor den Versuchungen der Gesellschaft ins hinterste Zillertal auf eine Alm zurückgezogen hat. Dort in der Isolation gedenkt sie ihres verstorbenen Mannes, der sie einst bekehrte, und indoktriniert ihren Sohn. Johannes (Franz Rogowski) ist zurückgeblieben, spricht nur in einzelnen Worten und folgt dem christlichen Fanatismus seiner Mutter. Daneben trainiert er mit Adlern und versucht seinen eigenen „teuflischen“ Versuchungen zu widerstehen, etwa in Gestalt einer Tierärztin (gespielt von der echten Südtiroler Tierärztin Monika Hinterhuber).

Es ist eine sehr konkrete und greifbare Parabel, die Peter Brunner in seinem fünften Film mit viel Symbolik erzählt. Mitten in der nicht unbedingt paradiesischen Natur dreht sie sich um eine glatzköpfige, tätowierte Mutter mit Jesus-Manie und die leicht inzestuöse Beziehung zum Sohn. Die Widersprüchlichkeit dieser reduzierten Innensicht des Films bringt einen als Zuschauer in eine interessante Spannung. In die gar nicht so heile christliche Welt brechen dann noch „Schergen“ mit einer Drohnen-Armee, die der Mutter die Alm abpressen wollen, um dort noch einen weiteren Lift zu bauen.

Das karge Tiroler Berg-Setting hilft dem Film, neben einem treibenden Soundtrack, enorm und ist hier alles andere als eine austauschbare pittoreske Szenerie. Brunner hat sich dafür, neben Drehs in Südtirol, eine Landschaft im hinteren Zillertal auf 2400 Höhenmetern ausgesucht.

„Abgeschiedenheit und Hermetik der Natur“ seien von Anfang an Grundlage der Erzählung gewesen, so der Regisseur. Anders als beim allzu sonnigen „Märzengrund“-Film funktionieren die Bilder der Berge (Kamera: Peter Flinckenberg) in ihrer neblig-harten Einsamkeit als perfekter Rahmen.

Doch Peter Brunner, Sohn eines Psychoanalytikers, dreht keine Filme, bei denen es auf Story und Plot ankommt. Dazu passt, dass Brunner Regie „nicht wie Architektur mit Bauplan, sondern eher wie ein Gärtner“ anlegt. Seine Filme und auch „Luzifer“ funktionieren wie Kompositionen, die atmosphärisch um die Figuren kreisen und dabei zu einer (Er-)Lösung vorwärts drängen. Und das wirkt in „Luzifer“ durchaus stark.

Luzifer. Derzeit im Kino.


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