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Finale der französischen Präsidentschaftswahl hat begonnen

Frankreich startet in eine richtungsweisende Wahl. Kommt bald die Rechte Marine Le Pen in den Élysée oder bekommt der Liberale Präsident Emmanuel Macron fünf weitere Jahre? Umfragen sehen einen Favoriten, doch der Ausgang ist noch ungewiss.

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Einen Tag vor der entscheidenden Endrunde der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben zahlreiche Medien zur Wahl Emmanuel Macrons aufgerufen.
© IMAGO/Alexis Sciard

Saint-Pierre/Paris – Die Endrunde der französischen Präsidentschaftswahl hat mit der Öffnung erster Wahllokale in Übersee offiziell begonnen. Bei der Abstimmung über das höchste französische Staatsamt stehen sich der Liberale Emmanuel Macron und die Rechte Marine Le Pen gegenüber. Beide hatten sich in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen für die finale Runde qualifiziert. Für Frankreich ist das Votum eine Richtungswahl, auch für die Zusammenarbeit mit Deutschland und in Europa ist der Wahlausgang von großer Bedeutung.

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Der Großteil der Französinnen und Franzosen kann am Sonntag wählen, Ergebnisse gibt es dann am Abend. Wegen der Zeitverschiebung wird in einigen Überseegebieten aber bereits am Samstag abgestimmt - so auch in Französisch-Guyana, auf Guadeloupe, auf Martinique und in Französisch-Polynesien. Den Startschuss lieferten am Samstagmittag (8.00 Uhr Ortszeit) die Wahllokale der kleinen französischen Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor Kanadas Ostküste.

Noch kurz vor Wahlbeginn sahen Umfragen Amtsinhaber Macron mit etwa 55 bis 56,5 Prozent vorne. Auch in der ersten Runde hatte er mehr Stimmen bekommen als Le Pen. Als sicher gilt sein Sieg aber nicht. Unklar ist etwa, wie viele Menschen einen leeren Stimmzettel abgeben und wie viele der Wahl aus Enttäuschung oder Frustration ganz fernbleiben werden. Gerade aus dem linken Lager dürfte sich eine beachtliche Zahl der Wähler für eine dieser Optionen entscheiden. Zudem gewann in der Vergangenheit auch immer mal der Kandidat die Stichwahl, der in der ersten Runde nur auf Platz zwei gelandet war.

Gesellschaft in Frankreich tief gespalten

Die Wahl polarisiert Frankreich und zeigt auf, wie tief die Gesellschaft gespalten ist. Im ersten Wahldurchgang hatte der Linke Jean-Luc Mélenchon ebenfalls mehr als 20 Prozent der Stimmen geholt und war auf Platz drei gelandet. Macron und Le Pen versuchten in den vergangenen zwei Wochen mit Versprechungen zu Klima oder Gehaltserhöhungen, seine Anhängerschaft zu gewinnen.

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Le Pen vom Rassemblement National, die sich im Wahlkampf um einen gemäßigteren Eindruck bemüht hat, ist noch immer für extrem rechte Positionen bekannt. Zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten, die in der ersten Runde ausgeschieden waren, riefen daher dazu auf, erneut eine Mauer gegen Rechts zu bilden und Macron zu wählen. Eine solche republikanische Front hatte es bereits 2017 und zuvor 2002 gegeben. Damals waren Le Pen beziehungsweise ihr Vater und rechtsextremer Parteigründer Jean-Marie Le Pen ihren Kontrahenten deutlich unterlegen. Mittlerweile scheint das lager- und parteienübergreifende Bündnis aber geschwächt.

Auch zahlreiche französische Medien appellierten einen Tag vor der Stichwahl dazu, Macron zu wählen. Sie warnten etwa mit Blick auf marginalisierte Gruppen und den Krieg in der Ukraine davor, eine Präsidentin Le Pen durch Enthaltungen zuzulassen. Macron und Le Pen standen sich bereits 2017 in der Stichwahl gegenüber.

Der französische Präsident wird auf fünf Jahre gewählt. Er beeinflusst die Politik des Landes maßgeblich und spielt oft eine wichtigere Rolle als der von ihm ernannte Premierminister und Regierungschef. Insgesamt 48,7 Millionen Menschen sind für die Wahl eingeschrieben. (dpa)

Die Rekorde bei französischen Präsidentschaftswahlen

Der französische Staatschef Emmanuel Macron wurde 2017 zum jüngsten Präsidenten Frankreichs. Sollte er am Sonntag erneut als Sieger aus dem Votum hervorgehen, schafft er zudem etwas, woran so mancher seiner Vorgänger scheiterte: die Wiederwahl. Die französische Präsidentschaftswahl in Rekorden:

Das mit Abstand BESTE ERGEBNIS fuhr 2002 Jacques Chirac ein. Der Politiker der bürgerlichen Rechten kam im zweiten Wahlgang auf 82,21 Prozent der Stimmen. Weder zuvor noch danach kam ein Kandidat auch nur in die Nähe dieses Ergebnisses. Chiracs Widersacher in der Stichwahl war damals der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen, Gründer des Front National (heute: Rassemblement National) und Vater der diesjährigen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen.

Das KNAPPSTE ERGEBNIS erzielte der europäische Vorreiter Valérie Giscard d'Estaing. 1974 kam der Konservative im Duell mit dem Sozialisten François Mitterrand lediglich auf 50,81 Prozent der Stimmen. Sieben Jahre später drehte Mitterrand den Spieß um und besiegte den amtierenden Präsidenten mit 51,76 Prozent. Sowohl 1974 als auch 1981 hatte in der ersten Runde noch der spätere Verlierer die Nase vorne gehabt.

Mit der WENIGSTEN RÜCKENDECKUNG in die zweite Runde ging 1995 Jacques Chirac. Im ersten Wahlgang erhielt er lediglich 15,90 Prozent der Stimmen. Am Ende gewann er dennoch und wurde Präsident. An der ZAHL DER KANDIDATEN in der ersten Runde kann sein schlechtes Abschneiden im ersten Durchgang aber nicht gelegen sein. 1995 traten neun Kandidaten an. Den Rekord gab es 2002 mit 16 Personen, unter denen die französischen Wählerinnen und Wähler aussuchen konnten.

Die WAHLBETEILIGUNG schwankte zwischen den Jahren und Wahlgängen immer wieder hin und her. Den Höchstwert gab es 1974 in der Stichwahl mit 87,33 Prozent. In der ersten Runde beteiligten sich mit 84,75 Prozent 1965 am meisten Wählerinnen und Wähler. Tiefstwerte gab es 1969 mit einer Beteiligung von lediglich 68,85 Prozent im zweiten Durchgang und 2002 mit einer Wahlbeteiligung von 71,6 Prozent in der ersten Wahlrunde.

Die ERSTE FRAU IN DER STICHWAHL um die Präsidentschaft war die Sozialistin Ségolène Royal. 2007 verlor sie gegen den Konservativen Nicolas Sarkozy. Fünf Jahre später gewann dann ihr Parteikollege und Ex-Partner François Hollande im Duell mit Sarkozy den Élyséepalast für sich.

Kein Rekord, aber bei weitem nicht selbstverständlich wäre eine WIEDERWAHL Macrons. Seit Gründung der fünften Republik 1958 gab es nur drei Präsidenten mit zwei Amtszeiten. Der erste war Charles de Gaulle, der jedoch erst zu seiner zweiten Amtszeit 1969 direkt gewählt wurde. Zwei Mandate erstritten auch der Sozialist François Mitterrand (von 1981 bis 1995 im Amt) und der Konservative Jacques Chirac (1995-2007). Die Konservativen Valérie Giscard d'Estaing und Nicolas Sarkozy scheiterten jeweils mit ihrem zweiten Anlauf auf das Präsidentenamt.


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