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Tiroler Klimastrategie: Regierung präsentiert zahlreiche geplante Maßnahmen

Der erste Teil der Nachhaltigkeits- und Klimastrategie wurde am Dienstag vorgestellt und soll bis 2024 umgesetzt werden. Forciert werden unter anderem der Ausbau von Wasserkraft und PV-Anlagen.

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Künftig soll es in Tirol auch baurechtliche Erleichterungen für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen geben.
© iStock

Innsbruck – Die schwarz-grüne Landesregierung hat am Dienstag das erste Maßnahmenpaket zur Umsetzung ihrer Nachhaltigkeits- und Klimastrategie vorgelegt. Die gesamte Strategie soll bis 2030 umgesetzt werden. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) und Wirtschaftslandesrat Toni Mattle (ÖVP) betonten bei einer Pressekonferenz, dass der Ausbau von Wasserkraft und Photovoltaikanlagen unabdingbar für die Erreichung der gesetzten Ziele sei – Tirol will immerhin bis 2050 energieautonom sein.

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"Wir brauchen 2800 Gigawattstunden zusätzlich", benannte Mattle die Notwendigkeiten in puncto Wasserkraft. Bei den Photovoltaik-Anlagen benötige es weitere 3300 Gigawattstunden. "Wenn wir das nicht schaffen, werden wir nie energieautonom sein", verdeutlichte er die Herausforderung.

Felipe: Wasserkraft-Ausbau "muss ökologisch sein"

Der Bau von Wasserkraftwerken war in Tirol aber stets von innerkoalitionärem Gezerre in der Landesregierung geprägt. Vor allem der geplante Bau des Kraftwerks im Kaunertal, der von Umweltorganisationen scharf kritisiert wird, stand dabei im Fokus. Die Pläne für das Pumpspeicherkraftwerk wurden 2009 erstmals eingereicht und befinden sich nun im laufenden UVP-Verfahren.

Anton Mattle (ÖVP) und Ingrid Felipe (Grüne) präsentierten das Maßnahmenprogramm.
© Land Tirol/Pichler

Im nun vorgelegten Maßnahmenprogramm stehe nicht geschrieben, "dass das Kraftwerk Kaunertal gebaut werden muss. Aber die Leistung, die das Kraftwerk erbringen würde, steht drin", sagte Felipe dazu. "Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, brauchen wir die Wasserkraft. Aber der Ausbau muss ökologisch sein", gab die grüne Frontfrau ihre Stoßrichtung vor. "Dass die Grünen dem Kraftwerk Kaunertal und damit der Flutung des Platzertales und der Überleitung der Ötztaler Gewässer kritisch bis ablehnend gegenüber stehen, ist kein Geheimnis", hielt sie fest. Mattle wollte eine Unterstützung des Koalitionspartners für das Kraftwerk nicht zur Bedingung machen. "Ob es das Kaunertal ist oder eine Strecke am Inn, das wird sich zeigen", zeigte er sich diplomatisch.

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Zahlreiche Maßnahmen vorgestellt

Die 191 nun vorgestellten Maßnahmen beschäftigen sich mit sieben Handlungsfeldern – von der Energieversorgung über den Lebensstil der Gesellschaft bis zu Mobilität und Infrastruktur. Vor allem neu geschaffene Beratungsangebote wurden von den beiden Politikern am Dienstag hervorgehoben.

Ein Überblick:

💶 Förderanreize: Mehrere Landesförderungen werden an die Klimaziele angepasst. Kriterien zum Klimaschutz, wie die Treibhausgas-Reduktion sowie Energie- oder Ressourceneffizienz, sollen bei den Neuausrichtungen der Wirtschafts-, Innovations- und Digitalisierungsprogramme des Landes eingeführt werden. Zudem sollen Nachhaltigkeitskriterien in die Richtlinien zur Kulturförderung aufgenommen werden.

☀️ Photovoltaik-Ausbau: Eine Anlauf- und Beratungsstelle bezüglich Photovoltaik-Anlagen für Private soll eingerichtet werden. Ebenso werde es baurechtliche Erleichterungen für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen geben. Die Kosten für den Netzzutritt größerer Photovoltaik-Anlagen über 20 Kilowattpeak auf Gebäuden von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben wird gefördert.

🚝 Mobilität: Die Schwerpunkte werden auf die Erweiterung und Dekarbonisierung des Öffentlichen Nahverkehrs und den Ausbau der Regionalbahnen rund um Innsbruck gelegt. Zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene soll das Angebot für die Regionen im intermodalen Transport erhöht und der Zugang zum Schienentransport für kleinere Unternehmen erleichtert werden. Eine eigene Radstrategie ziele laut Regierung darauf ab, Tirol "zu einer führenden Raddestination in den Alpen" zu machen.

Klima-Check: Durch "Klima-Checks" sollen künftige Rechtsnovellierungen des Landes hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Klimaschutztauglichkeit geprüft werden. Bauvorschriften sollen insofern angepasst werden, dass der Einsatz von nachhaltigen Materialien forciert wird. So soll es eine Holzbauförderung geben, die den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen unterstützt.

🥕 Bio-Landwirtschaft: Die Bio-Landwirtschaft soll stärker gefördert werden, in den landeseigenen Großküchen soll bis 2030 der Anteil der Bio-Produkte auf 55 Prozent steigen. Die klimaschonende Grünlandwirtschaft soll vorangetrieben werden.

💡 Information und Bewusstseinsbildung: Das Land richtet drei neue Anlaufstellen ein, die sich den Themen erneuerbare Energie, Photovoltaik und Energiegemeinschaften widmen. Technische und rechtliche Fragestellungen werden hierbei beantwortet. Zudem wird eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die sich auf die Themen Lebenszyklusbetrachtung und Kreislaufwirtschaft im Gebäudebereich fokussiert. Zudem werden Maßnahmen gesetzt, um das Umweltbewusstsein in Tirol zu stärken und eine Mitwirkung zu unterstützen. Etwa durch Integration nachhaltiger Entwicklung in die Erwachsenenbildung und die Durchführung von Klima-Bürgerräten in Gemeinden.

♻️ Bestehende Maßnahmen werden intensiviert und fortgesetzt. Dazu zählen unter anderem die Initiative „Klimafitter Bergwald Tirol“. Für die Ausarbeitung künftiger Maßnahmenprogramme werden neue Datengrundlagen geschaffen, etwa durch die Erweiterung des Radzählstellennetzes oder durch die Einführung einer Energieanlagen-Datenbank. Diese Daten "liefern wichtige Ergebnisse für die Weiterentwicklung der Maßnahmen, die alle drei Jahre vorgesehen ist".

🔗 Zum vollständigen Maßnahmenprogramm

Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie (pdf)

Gurgiser fordert "unverzügliches" Handeln, SPÖ mit Kritik

Der Obmann des Transitforums Austria-Tirol, Fritz Gurgiser, hoffte, dass die Klimastrategie Tirols "aktiv unverzüglich" angegangen werde. Es gelte nur mehr die Formel "Handeln statt Schwadronieren", sagte er. Eine Minderheit würde "im Überfluss in einer Wegwerfgesellschaft" leben, während eine "Mehrheit weltweit dafür sündteuer durch Land- und Rohstoffraub, durch Sklaventum und Flucht bis hin zu brutalen Bürgerkriegen, Flüchtlingslagern und Tod bezahlt", hielt er fest.

Der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer kritisierte, dass die Energiewende zu langsam vonstatten gehe. "Bei diesem Tempo schafft unser Bundesland die Energieunabhängigkeit in absehbarer Zeit auf keinen Fall", so Dornauer. "Nach fast zehn Jahren Schwarz-Grün stehen unterm Strich: Jahrealte Konzepte zum Ausbau der Photovoltaik und eine urplötzliche Rückkehr zu Lippenbekenntnissen für die Wasserkraft." (TT.com, APA)


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