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Rote Nelken, rote Zuversicht: Rendi-Wagner stellt Führungsanspruch

Nichts Geringeres als den Führungsanspruch in der Republik stellte Rendi-Wagner. Und die Wiener SPÖ versicherte ihr für den Weg ins Kanzleramt breite Unterstützung.

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Wiens Bürgermeister Ludwig will die Parteivorsitzende Rendi-Wagner bei ihrem angekündigten Weg ins Kanzleramt nicht im Regen stehen lassen.
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Von Michael Sprenger

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Wien – In den vergangenen zwei Jahren fand der Aufmarsch der Genossinnen und Genossen am Wiener Rathausplatz nicht statt. Als sich die Wiener SPÖ das bislang letzte Mal zum Partei-Hochamt traf, war Sebastian Kurz (ÖVP) noch Kanzler und Heinz-Christian Strache (FPÖ) Vizekanzler. Das ist Geschichte. Und am gestrigen 1. Mai war der Rathausplatz dann auch wieder mit Tausenden Sozialdemokraten gefüllt, wenn wohl auch nicht mit 100.000 Personen, wie die Partei vorrechnete.

Gestern blickte die Partei aber nicht mehr zurück, es ging um die Gegenwart, um die Zukunft. Die Gegenwart ist erdrückend genug: Krieg in der Ukraine, Inflation, Teuerung des Alltagslebens und eine immer noch nicht bezwungene Pandemie. Die Zukunft richtete sich an die nächste Nationalratswahl. Bei dieser will die SPÖ wieder stimmenstärkste Partei werden und mit Pamela Rendi-Wagner die erste gewählte Bundeskanzlerin stellen. Ihr Führungsanspruch wurde dabei vom Wiener Parteichef und Bürgermeister Michael Ludwig und Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl unterstützt, die sagten: „Ja, wir sind wieder da. Freundschaft!“ Der gestrige 1. Mai stand im Zeichen der Frauen. Ludwig war der einzige Redner, ihm folgten nur Frauen nach. Der mit Abstand kämpferischste Auftritt kam von der Wiener SPÖ-Frauenvorsitzenden Marina Hanke. In ihrer flammenden Rede gegen Krieg und Gewalt und für Vermögens- und Erbschaftssteuer wurden die roten Fahnen geschwungen, die Fäuste geballt.

Die Genossen am Wiener Rathausplatz applaudierten.
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Ludwigs Aufgabe bestand nicht nur darin, den „Wiener Weg“ zu würdigen. In seinen Ausführungen pries der Bürgermeister seine Stadt als Vorbild sozialer Politik; von den Corona-Maßnahmen, dem Ausbau des Gesundheits- und Pflegesektors, den Schulen, dem Wohnbau bis zum Verkehr, wo man beim Preis von 365 Euro für das Öffi-Jahresticket bleiben werde.

Er richtete an alle Zweifler eine klare Ansage. In der SPÖ ziehe man an einem Strang, wenn es darum gehe, die nächste Wahl zu gewinnen. An Rendi-Wagner gerichtet sagte er: „Du merkst es, ich glaub’, ich muss es nicht extra betonen: Wir, die SPÖ Wien, stehen voll hinter dir.“ Die Harmonie war auch sichtbar. Als während Rendi-Wagners Rede der Regen einsetzte, griff Ludwig zum Regenschirm, um seine Vorsitzende vom Nass zu schützen.

In ihrer Rede attestierte Rendi-Wagner der türkis-grünen Bundesregierung Taten- und Planlosigkeit, sei es beim Pandemiemanagement oder bei der Teuerung. Es sei eine „Koalition des Stillstands, des Schweigens und der flotten Sprüche“, kritisierte sie nicht zuletzt Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), der der SPÖ unterstellt habe, bei der Teuerung Hysterie zu betreiben. Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) ordnete sie als Masseverwalter des Scherbenhaufens ein, den Sebastian Kurz als Regierungschef zurückgelassen habe.

Ein Schlussdialog zweier Genossen am Rathausplatz: „Die SPÖ hat jetzt begriffen, dass sie mit Rendi-Wagner in die Wahl gehen wird.“ „Oder muss.“

„Frauen wurden ins Jahr 1950 zurückkatapultiert“

Schnürlregen am Vormittag hatte die Führungsriege der Tiroler Sozialdemokratie noch mit einiger Sorge gen Himmel schauen lassen. Umsonst. Pünktlich zur gestrigen 1.-Mai-Feier im Innsbrucker Rapoldipark – der größten in Tirol – lichteten sich die dunklen Wolken dann doch. Und so kamen doch einige eingeschworene Rote, um sich Schnitzel, Kasspatzln, Popcorn und Zuckerwatte, Musik der Road Chicks, aber auch die traditionell feurigen Mai-Reden zu Gemüte zu führen.

Georg Dornauer, es war bereits sein vierter 1. Mai als Landesvorsitzender, ließ dann erst gar keine Zweifel aufkommen, wohin er denn insgeheim so manche – für die SP schlechte – Umfrage wünschen würde: „Wir wissen, woher diese Aufträge kommen. Dort, wo wir kandidieren, haben die Menschen Vertrauen zu uns.“ Dornauer will den Schwung der Gemeinderatswahl (Zams, Lienz) für die kommende Landtagswahl mitnehmen: „Wir werden gewinnen – das wird weitergehen!“

Dass die ÖVP auch im Lande „keine Krisenbewältigung kann“, hätten zwei Jahre Pandemie gezeigt, setzte SP-Tirol-Frauenvorsitzende Selma Yildirim nach: „Zurück an den Herd – das ist das Motto der ÖVP. Die Frauen sind ins Jahr 1950 zurückkatapultiert worden.“ Umso vehementer, so Yildirim, werde man an der Forderung nach einem Rechtsanspruch für Kinderbildungs- und -betreuungsplätze festhalten.

Auch in der Wohnpolitik hätte Schwarz-Grün versagt, unterstrich SP-Stadtparteivorsitzender Benjamin Plach. Diejenigen, die „Betongold“ bauten, hätten „Freunde nicht nur bei der VP, sondern auch beim Innsbrucker Bürgermeister“. An ÖGB-Tirol-Vorsitzendem Philip Wohlgemuth war es dann, den Schlusspunkt zu setzen. Er verlangte einen „sozialpolitischen Booster“: „Armut darf in Tirol keinen Platz haben.“ (mami)


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