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Mordversuch im Oberland: „Wollte Nachbarn abstechen und aufessen!“

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Mordversuch eines Unzurechnungsfähigen: Der 22-jährige Oberländer wollte zum Vorfall im November nicht mehr Stellung nehmen.
© Böhm

Von Reinhard Fellner

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Innsbruck – Es war am 30. November, als eine Oberländerin mit ihren Kindern gerade beim Keksebacken war. Da schlug der Hund an. Als die Frau die Wohnungstüre öffnete, stand der Nachbar davor und bat um Hilfe bei der Wohnungsrenovierung. Die Ahnungslose vertröstete den 22-Jährigen und rief ihren Mann an. Später läutete es wieder und der Nachbar begehrte, bei der Familie zu übernachten. Erbost drängte ihn die Frau aus dem Gang ihrer Wohnung.

Sie hatte wohl Glück. Als ihr Ehemann nämlich ein nächstes Mal die Türe öffnete, richtete der 22-Jährige direkt ein Küchenmesser mit 15 Zentimetern Klingenlänge auf ihn. In der nächsten Sekunde knallte der Bedrohte noch geistesgegenwärtig die Wohnungstüre zu und verhinderte Schlimmeres. Schon zuvor will der 22-Jährige in der Wohnung laut geschrien haben: „Ich werde euch aufschlitzen, abstechen und aufessen!“ Dass er es damit ernst gemeint hatte, bestätigte der Parterrebewohner auch noch bei der Polizei und erweiterte den Kreis der möglichen Opfer noch um den kleinen, aber umso lauter bellenden Hund der Familie. Auch den Polizeibeamten drohte er noch kurz vor der Festnahme damit, dass er ihnen weh tun müsse, wenn sie sich nähern, und sie darauf ebenso verspeisen würde.

Gestern am Landesgericht befundete die Gerichtspsychiaterin vor den Geschworenen beim Betroffenen eine ausgeprägte paranoide Schizophrenie. Schon seit Jahren war der Mann, dem jeglicher familiärer Anschluss fehlt, aufgrund psychischer Auffälligkeiten behandelt worden. Im letzten Lebensumfeld paarte sich zudem Suchtgiftkonsum mit Schizophrenie und der Absetzung verschriebener Medikamente. Nach einem einstimmigen Votum auf Mordversuch, wurde der zum Tatzeitpunkt nicht Zurechnungsfähige deshalb nicht rechtskräftig in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Dort bleibt er, bis er nach einer Behandlung als nicht mehr gefährlich eingestuft wird.

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