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Anhebung der Leitzinsen verteuert viele Wohnkredite

Die Signale für die nahende Zinswende durch die EZB mehren sich.

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Wien, Frankfurt – Die Hälfte der Immo-Kredite in Österreich ist variabel verzinst,das geht aus Statistiken der Nationalbank (OeNB) hervor. Bei variablen Zinsen steigen oder sinken die Zinsen, je nach dem wie sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ändert.

Ende März 2022 hafteten 131 Mrd. Euro an Wohnbaukrediten aus, bei sechs Prozent erstreckt sich der Fixzinssatz über die gesamte Periode, bei 44 % handelt es sich um einen gemischten Zinssatz, wo etwa auf eine Fixzinsphase eine variable Zinsphase folgt und bei 50 % des Volumens ist der Zinssatz variabel. In den letzten vier Jahren ist der Anteil der variablen Zinssätze geschrumpft. Ende 2018 waren 68 % variabel verzinst und nur 27 % des Kreditvolumens von damals 110 Mrd. Euro unterlagen einem gemischten Zinssatz. Der 3-Monats-Euribor war 2015 negativ geworden und lag seither lange bei minus 0,3 %, 2021 sogar bei minus 0,5 %. Dass der Euribor nun seine Richtung ändert, begann sich Anfang des Jahres 2022 bei fast minus 0,6 % abzuzeichnen. Derzeit liegt er bei minus 0,4 %. Für Kreditnehmer mit variablen Zinsen bedeutet dies, dass ihr Zinssatz seither ebenfalls in diesem Ausmaß stieg. Ihr Zinssatz setzt sich aus dem Referenzzinssatz, eben meist dem 3-Monats-Euribor, und einem Zinsaufschlag, der Marge, zusammen. Diese ist Verhandlungssache bei Vertragsabschluss. Bei einer Auswertung der Arbeiterkammer 2019 lagen die Aufschläge bei sehr guter Bonität zwischen 0,875 und 1,25 Prozentpunkten, bei ausreichender Bonität zwischen 0,875 und 1,75.

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Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) weiter an der Zinsschraube drehen, könnte es für jene knapp werden, die bei der Kredithöhe an oder über das Limit gegangen sind und sich gleichzeitig für variable Zinsen entschieden haben. Und angesichts der hohen Inflation mehren sich die Rufe nach einer baldigen Zinswende. Die EZB könne nicht darüber hinwegsehen, auch weil die Inflationserwartungen immer weniger bei dem von der Notenbank angestrebten Wert von zwei Prozent verankert seien, betonen viele Experten. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat kürzlich eine Abfolge von Erhöhungen signalisiert, aber die Bedeutung der eigentlichen Zinswende heruntergespielt. Der Zeitpunkt der ersten Anhebung sei nicht so wichtig wie der geldpolitische Normalisierungsprozess als Ganzes, argumentiert der Ire.

Auch die jüngste Zinserhöhung in den USA hat den Druck auf die EZB erhöht. Dies führe zu einer Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro und das erhöht den Inflationsdruck in Europa, so Ifo-Chef Clemens Fuest. Die EZB will aber vor der Zinswende ihre milliardenschweren Anleihenkäufe auslaufen lassen. Angepeilt wird das dritte Quartal.

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