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Die Suche nach der Freiheit: Neuer Film von Tiroler Regisseur Hermann Weiskopf

Corona wütete im italienischen Bergamo fast so schlimm wie die Pest. Der Tiroler Regisseur Hermann Weiskopf fuhr mit der Vespa nach der Öffnung der Grenzen durchs Nachbarland und fragte die Menschen, was Freiheit für sie seit der Pandemie bedeutet.

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Der Tiroler Regisseur Hermann Weiskopf fuhr mit seiner Vespa fast 5000 km durch Italien, hier in Assisi.
© AVG Filmproduktionen

Von Alexandra Plank

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Innsbruck – Die Grafiken, die allabendlich über die Anzahl der Corona-Infektionen in Österreich Auskunft geben, sind im Sinken. Der Tag der Freiheit, also jener Zeitpunkt, an dem alle Maßnahmen fallen können, wurde zwar noch nicht ausgerufen, aber die Menschen können sich wieder unbeschwerter bewegen.

Da passt es, dass am Freitag die Weltpremiere des Films „Ride back to Freedom“ (Fahrt zurück in die Freiheit) stattfand. Der Tiroler Regisseur Hermann Weiskopf fuhr gleich nach der Öffnung der Grenzen in der Nacht von 15. auf 16. Juni 2020 mit der Vespa quer durch Italien. In der Doku stellt er die Frage, was Freiheit bedeutet, wenn die ganze Welt aufgrund einer nie da gewesenen Pandemie gefangen ist.

Gefilmt wurde er von Bernhard Freinademetz (oben rechts).
© AVG Filmproduktionen

Es sind teils befremdliche Bilder, wenn Weiskopf etwa mutterseelenallein auf dem mittlerweile wieder hektischen Markusplatz in Venedig sitzt. Es sind schockierende Bilder, wenn die Kamera an den zahllosen Särgen entlangfährt, die sich in Bergamo aneinander reihen. Keine andere Stadt der Welt wurde von Covid-19 so brutal heimgesucht: Wochenlang galt Bergamo als das „Wuhan Europas“. Allein zwischen dem Ausbruch der Epidemie Ende Februar und dem 31. März sind in der dicht besiedelten Provinz Bergamo mit ihren 1,1 Millionen Einwohnern 6238 Personen gestorben, davon 670 in der Stadt Bergamo. In normalen Jahren sterben in der Provinz im gleichen Zeitraum knapp 1200 Personen.

Ein Pater bezeichnet das Geschehen als Krieg, aber im Gegensatz zu einer militärischen Auseinandersetzung habe nicht Lärm von Kanonen und Raketen geherrscht, sondern Stille – eine fürchterliche Stille. Das einzige Geräusch, das diese zerriss, war das der Beatmungsgeräte, das durch Mark und Bein geht. Eine Italienerin erklärt, dass sie seit der Pandemie eine völlig andere Vorstellung von Freiheit habe. Durch die Einschränkungen im Zuge von Covid-19 sei ihr bewusst geworden, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist, und sie habe ihren Wert neu erkannt. Weiskopf stellt auch die Frage, was von einem Menschen übrig bleibt, der die Freiheit verliert.

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Das Thema des Films ist die Freiheit, viele Geflüchtete suchen sie in Europa, unten eines der vielen Flüchtlingsboote, die auf Lampedusa gelandet sind.
© AVG Filmproduktionen

Mehrere Wochen fuhr er auf seiner Vespa fast 5000 Kilometer von Norden nach Süden quer durch Italien. Seine letzte Station war die Insel Lampedusa. Sie wurde oft als Geschenk Afrikas an Europa bezeichnet. In den Medien ist sie präsent, weil hier oft Flüchtlingsboote anlanden. Für viele Menschen ist Lampedusa das Tor zu Europa und damit auch das Tor zur Freiheit. „Ride back to Freedom“ zeigt Weiskopf alleine in den Sitzreihen der Fähre nach Lampedusa sitzend.

Bernhard Freinademetz (Jungle Productions) hat den Trip des Filmemachers, der auch mitunter von Erschöpfung und Selbstzweifeln geprägt war, mit den raschen Schnitten eines Roadmovies und dann wieder mit meditativen Bildern eingefangen. Der Film legt Zeugnis über eine Zeit ab, die uns, als wir sie durchlebten, unwirklich schien und auch in der Erinnerung nicht wirklich festzumachen ist. Der Film zeigt aber auch, dass diese Zeit der Beschränkungen vielen vor Augen geführt hat, wie zentral Freiheit für uns ist.


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