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Andi Knoll im TT-Interview: „Beim ESC gab es schon immer ganz klare Statements"

Er gehört zum Song Contest wie ein Teller Nudeln zu Italien: Andi Knoll. Im Gespräch mit der TT plaudert der Tiroler über essenzielle Rituale in seinem stillen Kommentatoren-Kämmerchen. Außerdem verrät er, warum es den ESC gerade in politisch schwierigen Zeiten wie diesen braucht – und für wen er heuer nicht anrufen würde.

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Kein Song Contest ohne ihn – auch nicht in Turin: Seit 1999 kommentiert der Tiroler Andi Knoll „den Schas" (sic!) im ORF.
© Roman Zach-Kiesling

Ciao Andi! Du bist ja jetzt schon ein paar Tage in Turin. Wie macht sich die Stadt als Gastgeber nach zwei corona-geplagten ESC-Jahren?

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Andi Knoll: Hervorragend. Italien ist ja immer schön zu bereisen, allein schon kulinarisch. Hier sind die Menschen besonders herzlich und freundlich kommt mir vor. Und ja, es fühlt sich – abgesehen von der Maskentrageempfehlung – eigentlich so an wie früher.

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Nicht verpassen: Das 1. Halbfinale mit rot-weiß-roter Beteiligung am Dienstag sowie das große Finale am Samstag begleitet TT.com wie jedes Jahr im Live-Ticker! TT-Redakteurin Tamara Stocker kommentiert den musikalischen Trash-Stadl ab 21 Uhr gewohnt ungeniert aus der Ferne.

Aber fällt es dir heuer schwerer als sonst, unbeschwerte ESC-(Vor)freude zu entwickeln? Es herrscht ja immerhin Krieg mitten in Europa.

Knoll: Es ist so kalt/warm. Weil wenn man am Monitor in meiner Kommentatorenkabine den Kanal verstellt, dann hat man statt des Programms auf der Bühne mit Windmaschine und Pailletten plötzlich das Telegiornale der RAI (öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Italiens, Anm.) und sieht Putin und seinen Krieg. Aber da muss man dann einfach im wahrsten Sinn des Wortes umschalten. Gerade in Zeiten wie diesen braucht es Ablenkung.

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Nun gilt der ESC laut Regelwerk ja eigentlich offiziell als unpolitisch. In diesem Jahr ist allerdings Russland ausgeschlossen worden, Belarus ebenso, die Ukraine wird gleichzeitig bei den Wettanbietern als großer Favorit auf den Sieg gehandelt. Wie beobachtest du diese Entwicklung? Geht es da noch um die Musik?

Knoll: Das hängt von allen ab, die beim Voting mitmachen. Wer findet, die Ukraine hat den besten Song, der soll für die Ukraine abstimmen. Ich würde musikalisch gesehen nicht für die Ukraine anrufen. Ich finde, der Ausschluss von Russland war richtig und ist Zeichen genug. Auch wenn es geschrieben steht, natürlich ist der ESC alles andere als unpolitisch. War immer schon so. Von „Ein bißchen Frieden" über „Keine Mauern mehr" bis „1944" – in den Texten hat man immer schon ganz klare Statements abgegeben.

Gewisserweise setzte auch Måneskin im Vorjahr ein Statement: Mit ihrem Rebellentum und dem Abgesang sämtlicher Konventionen trafen sie einen Nerv. War der Sieg ein besonderer Segen für den ESC? Eine Band, die weltweite Erfolge feiert und auf großen Festivals spielt, gab es schließlich schon lange nicht mehr als Gewinner.

Knoll: Ja, ich glaube die haben eine neue Ära eingeläutet. Erstens nach langer Zeit – Lordi waren die letzten – wieder ein Rocksong, der gewinnt. Außerdem eine echte Band, die es schon vorher gab und die jetzt wirklich die Welt erobert. Die hätten zwar ohne ESC vielleicht auch ihren Weg gemacht, aber wahrscheinlich nicht so schnell. Also der größte Musikwettbewerb der Welt hat nichts an Strahlkraft verloren.

Apropos Strahlkraft: Wird uns „Halo" (dt. Heiligenschein, Anm.) wieder zu einem Finaleinzug verhelfen? Die letzten beiden Male hat es dafür ja leider nicht gereicht. Können Pia Maria und LUM!X Österreichs Bilanz wieder aufpolieren?

Knoll: Ja. Klar braucht man immer auch Glück und die Töne und Kameraführung müssen sitzen, aber ich glaube, wir haben einen astreinen, guten Popsong, der unter all den Balladen raussticht.

Andi Knoll mit Pia Maria und LUM!X bei der Eröffnungszeremonie in Turin.
© Roman Zach-Kiesling

Rausstechen ist ein gutes Stichwort. Der ESC steht ja auch – oder vor allem – für seine skurrilen und ausgefallenen Beiträge. Gibt es da etwas Besonderes, auf das sich die Zuschauer dieses Jahr freuen können? Oder auf das du dich besonders freust?

Knoll: Es war schon mal skurriler, aber es gibt immerhin singende Wölfe aus einer fernen Galaxie und manche Outfits, die wirklich ... äh ... interessant sind.

Interessant wäre auch zu wissen, ob es irgendwelche Rituale gibt, bevor „Knoll anpackt" und der ESC-Abend losgeht?

Knoll: Ja, die Flüssigkeitszufuhr drosseln und dann unbedingt nochmal auf's Klo gehen, weil die Toiletten sind meistens sehr weit weg von den Kommentatorenboxen.

Was darf denn in deiner Kommentatorenbox auf gar keinen Fall fehlen?

Knoll: Die Voting-Telefonnummer und Wasser, wie gesagt in sparsamen, kleinen Schlucken getrunken.

Und wie schaut deine Vorbereitung aus? Klassisch mit Notizblock und Stift oder hängst du Stunden vorm Laptop?

Knoll: Stunden vor dem Laptop. KünstlerInnenbiographien durchforsten, Gossip aus dem Internet einsammeln und Fragebögen ausfüllen ;-)

Na, dann will ich dich gar nicht länger aufhalten. Nur eine kurze Frage muss am Schluss natürlich noch sein: Wer g'winnt den Schas heuer?

Knoll: Wenn nicht wirklich die Ukraine, dann Großbritannien.

Das Gespräch führte Tamara Stocker


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