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Aber „Halo"! So stehen Pia Marias und LUM!X' Chancen beim heutigen ESC-Halbfinale

„Halo" Finale, oder „Tschau" Song Contest? Für Österreich könnte der heutige ESC-Auftakt in Turin schon das Ende bedeuten. Nur zehn Acts aus dem 1. Halbfinale schaffen es eine Runde weiter, der Rest muss die Heimreise antreten. Was für und was gegen ein Weiterkommen von Pia Maria und LUM!X spricht, haben wir uns genauer angesehen.

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Wollen heute mit „Halo" ins Finale abheben: Die Tirolerin Pia Maria und der Mühlviertler LUM!X.
© EBU

Von Tamara Stocker

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Innsbruck – Wenn es eines gibt, worauf sich Österreich verlassen kann, dann sind das Politiker:innen. Also zumindest, wenn es um Rücktritte in der Song-Contest-Woche geht. Auffällig ist es jedenfalls, dass es seit dem Jahr 2016 jedes Jahr jemanden erwischt hat: Auf Werner Faymann folgte 2017 Reinhold Mitterlehner, ein Jahr später Matthias Strolz und schließlich haute es 2019 Heinz-Christian Strache nach dem Ibiza-Erdbeben aus den Polit-Socken. 2020 machte der ESC zwar Pause, mit Ulrike Lunacek verabschiedete sich aber eine weitere Ministerin. Und im Vorjahr strich der Tiroler Ex-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg die Segel.

🔴 Der ESC im Live-Ticker auf TT.com

Nicht verpassen: Das 1. Halbfinale mit rot-weiß-roter Beteiligung am Dienstag sowie das große Finale am Samstag begleitet TT.com wie jedes Jahr im Live-Ticker! TT-Redakteurin Tamara Stocker kommentiert den musikalischen Trash-Stadl ab 21 Uhr gewohnt ungeniert aus der Ferne.

„Alles richtig gemacht" – das hat 2021 jedenfalls die italienische Rockband Måneskin. Ihr Triumph im Song-Contest-Finale war der Startschuss für eine Weltkarriere. Und dank ihnen schlägt Europas größter und skurrilster Musikzirkus nun zum dritten Mal (der letzte Sieg ist mehr als 30 Jahre her) seine Zelte in unserem Nachbarland auf. Genauer gesagt im nördlichen Turin, der Heimat von Fiat. Gemäß einem Werbespruch sind das diese „Autos, die Freude machen".

Pia Maria und LUM!X bei der ESC-Eröffnungsfeier in Turin.
© Roman Zach-Kiesling

Noch viel mehr Freude macht aber die Tatsache, dass der Song Contest nach zwei Jahren mit angezogener Handbremse nun wieder Vollgas geben darf. So fanden heuer wieder traditionelle Fix-Punkte wie die von Fans für Fans organisierten Pre-Partys in europäischen Hauptstädten statt. Buntes Teilnehmer:innentreiben gab es auch wieder bei der offiziellen Eröffnungszeremonie am 8. Mai auf dem Türkisen Teppich im imperialen Savoyen-Schloss Reggia di Venaria. Und während es in den früheren Ausrichterstädten meist einen EuroClub als Partylocation sowie zur Präsentation der einzelnen Delegationen gab, sind es in Turin zehn, die diesen Titel tragen – von der Bar bis hin zur Disco.

Der ESC 2022 in Zahlen

40 Nationen treten heuer an: 15 Frauen und 11 Männer als Solokünstler:innen, hinzu kommt neben dem österreichischen noch ein zweites Duo aus Italien sowie 12 weitere Gruppen bzw. Bands.

➤ Es wird 25 Mal auf Englisch gesungen. Sechs Acts treten multilingual auf. Ansonsten hören wir Isländisch, Italienisch, Litauisch, Niederländisch, Slowenisch, Ukrainisch – und Bretonisch, eine keltische Sprache aus der französischen Bretagne. Erstmals in der ESC-Geschichte gibt es kein Lied auf Französisch.

Zehn Auftretende sind jünger als 20 Jahre, darunter auch Pia Maria (18) und LUM!X (19). Am jüngsten ist mit 17 Jahren der Slowene Zala Velensek, der Älteste ist mit 55 der Bulgare Stoyan Yankoulov.

Heiterer Wettstreit im Schatten des Krieges

All der feierlichen (Vor-)Freude zum Trotz ist der ESC in diesem Jahr aber auch eine Gratwanderung. Denn während in Turin unter dem Motto „The Sound Of Beauty" die Feuerfontänen sprühen, fallen Bomben über die Ukraine. Wladimir Putins Angriffskrieg warf seine Schatten auch beim Song Contest voraus: Russland wurde vom Bewerb ausgeschlossen. Dass andererseits die Ukraine in der Lage sein würde, dabei zu sein, war seit dem Beginn des Krieges am 24. Februar nur eine vage Hoffnung.

Doch diese wird wahr: das Kalush Orchestra, eine sehr bunte Kiewer Rap-Folk-Truppe, probt seit Tagen in der 18 .500 Zuschauer fassenden Palaolimpico-Halle. Einen moralischen Widerspruch zum Kriegsgeschehen in ihrer Heimat sieht der Bandchef Oleh Psjuk in ihrem Auftritt nicht: „Wir wollen, dass die Menschen darauf achten, wie original und einzigartig unsere Musik und unser Auftreten sind und wie das unseren ukrainischen Geist widerspiegelt. Wir haben eine Mission.“

📽️ Video | So klingt der ukrainische ESC-Beitrag

Die Band tritt mit dem Lied „Stefania" an. Den Song – eine Mischung aus Rap und traditioneller Musik der Ukraine – widmete Psjuk nach eigener Aussage seiner Mutter und schrieb ihn lange vor dem Krieg. Und geht es nach den Buchmachern, stehen die Chancen für die Ukrainer sehr gut: Schon seit Wochen werden sie auf Platz eins und damit als Topfavorit auf den Gesamtgewinn gelistet. „Es wäre der Sieg für alle in der Ukraine", sagte Psjuk. Gerade jetzt sei es so wichtig für die Ukraine, in jeglicher Hinsicht zu gewinnen.

Die ukrainischen Vertreter sehen sich auf einer „besonderen Mission".
© MARCO BERTORELLO

Knappe Kiste für Österreich

Doch bevor das passiert gilt es zuallererst, sich für das große Finale am Samstag zu qualifizieren. Dafür muss sich die Band am Dienstag im 1. Halbfinale mit 16 weiteren Nationen messen – darunter Österreich. Die Tirolerin Pia Maria und der Mühlviertler DJ LUM!X wollen nach zwei rot-weiß-roten Pleitejahren wieder eines der begehrten Finaltickets ergattern. Gelingen soll das auf der unliebsamen Startnummer 13, die 2018 für Österreich aber ein echter Segen war – damals war es César Sampson, dem die Unglückszahl im Semi nicht nur einen Startplatz im Finale, sondern einen fulminanten dritten Platz bescherte.

Das sind nicht die allerschlechtesten Voraussetzungen. Nachdem Vincent Bueno im Vorjahr mit der Ballade „Amen" scheiterte, versucht es Österreich einmal mehr religiös angehaucht: Die Dance-Pop-Nummer „Halo", zu Deutsch Heiligenschein, soll's richten.

📽️ Video | So klingt Pia Marias und LUM!X' Song „Halo"

Doch es sieht ganz so aus, als bräuchte Österreich in diesem Jahr einmal mehr Beistand von oben. Zwar ist der Song gemessen an Aufrufen auf YouTube und Spotify ganz vorne mit dabei, allerdings wurde nach den Auftritten bei den Pre-Parties viel über den Live-Gesang von Pia Maria diskutiert. Das hatte auch Auswirkungen auf die Wettquoten, wo es zuletzt leider deutlich nach unten ging. Daran änderten auch die Proben nichts, wenn auch das Duo sich damit sehr zufrieden zeigte. „Wir sind sehr stolz und zu 90 Prozent dort, wo wir mit der Performance hinwollen", sagte Luca Michlmayr alias DJ LUM!X bei einer Pressekonferenz.

👥​🎶 Das sind Österreichs Vertreter

LUM!X vulgo Luca Michlmayr ist ungeachtet seiner erst 19 Jahre im Internet bereits eine etablierte Größe. So knackte der gebürtige Mühlviertler, der am 23. Juli 2002 in Rohrbach als Sohn eines Österreichers und einer Italienerin geboren wurde, bereits vor längerem die Marke von 500 Millionen Streams mit seinem Œuvre.

Bereits vor der Pubertät fing der begeisterte Tennisspieler Michlmayr an, selbst Musik zu machen und lud alsbald Songs ins Netz. Das schwedische Indielabel Bounce United entdeckte ihn, und so veröffentlichte der junge Oberösterreicher unter dem Pseudonym LUM!X bereits 2018 seine Debütsingle „Underground". Weitere Songs waren in Folge „Bounce United", der Remix „Chiraq" oder „Jägermeister". Der Welthit wurde in Zusammenarbeit mit Gabry Ponte aber „Monster", der auf Spotify über 200 Millionen Streams und auf YouTube gut 90 Millionen Zugriffe lukrierte.

Eine echte Newcomerin ist indes die am 21. Mai 2003 in Tirol geborene und in Absam lebende Pia Maria. Die gelernte Maskenbildnerin hat in dieser Profession auch schon am Tiroler Landestheater gearbeitet. Zugleich schreibt sie aber seit ihrem 16. Lebensjahr eigene Songs und will bald auch eigene Musik veröffentlichen.

Prozentuell gesehen gleich hoch liegt erfahrungsgemäß auch die Trefferquote bei den Wettanbietern. Gerade beim ESC sind die Prognosen im Vorfeld der beiden Semifinale für einen Aufstieg ins Finale überraschend präzise. Meist liegen die Zocker lediglich bei einem Land falsch, dem der Aufstieg respektive das Aus vorhergesagt wird. Genau auf diesen Umstand muss heute Abend Österreich hoffen.

Der Status quo bei den Wettquoten fürs 1. Semifinale.
© eurovisionworld.com

Denn momentan liegen die rot-weiß-roten Partymacher beim Vergleich von elf Wettbüros auf dem undankbaren Platz 11 – während nur zehn Finaltickets verteilt werden. Selbiges war übriges im vergangenen Jahr der Fall. Da gilt es etwa, den Schweizer Vertreter Marius Bear mit seiner gefühligen Nummer „Boys Do Cry" von Platz 10 zu verdrängen und den Sänger den Titel des eigenen Songs ausprobieren zu lassen.

Aber wer weiß. Fix ist wie immer nix (natürlich mit Ausnahme der Polit-Rücktritte im Monat Mai). Aber auf hoher See und vor dem ESC-Gericht ist man in Gottes Hand, und am Ende ist halt alles auch ein Glücksspiel. Der Wackelplatz beschäftigt Pia Maria und LUM!X jedenfalls nicht wirklich: „Wir sind zielstrebig. Wir fahren dort hin, um unsere Musik auf die Bühne zu bringen und zu gewinnen. Ihr fragt ja auch keinen Skifahrer, ob er Vierter werden will." Und dennoch sei „der ,Halo' schon ein Sinnbild für den Schutzengel, den wir jetzt alle brauchen". Na, dann: Amen.


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