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Zahnarzt schlug Betrüger in die Flucht, Wiedersehen am Landesgericht

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Fast 400.000 Euro für den guten Zweck: Tiroler Zahnärzte sammeln Zahngoldabfälle seit Jahren für die Kinderkrebshilfe.
© Föger

Einer der renommiertesten Zahnärzte der Landeshauptstadt bekam letzten August verdächtigen Besuch. Stellte sich ein Deutscher doch als Mitarbeiter der Kinderkrebshilfe vor. Er sei gekommen, um die gesammelten Goldabfälle von der Praxis abzuholen. Überaus merkwürdig für den über Jahrzehnte tätigen Dentisten. Werden die kostbaren Abfälle doch schon seit Jahren erst in einem Behälter der Kinderkrebshilfe gesammelt und dann zum Jahresende direkt an die Tiroler Zahnärztekammer weitergeleitet.

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Als der Zahnarzt darauf die Herausgabe verweigerte, ergriff der zunächst Unbekannte jedoch die Flucht. Nach dessen Ausforschung gab es gestern jedoch ein Wiedersehen am Landesgericht. Dort war der Deutsche – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – nämlich für den Versuch, Gold im Wert von 15.237 Euro herauszulocken, nun wegen schweren Betruges angeklagt. Bei der Gegenüberstellung erkannte der Arzt den 37-Jährigen sofort wieder. Der Medicus: „Er konnte sich nicht einmal ausweisen. Er fragte darauf, ob er sich denn das Wort ,Kinderkrebshilfe‘ aufs Hirn tätowieren solle. Ich antwortete ihm, dass mir ein Ausweis reiche!“ Wutentbrannt habe der Deutsche darauf die Praxis verlassen. Laut Richter Gerhard Melichar kein Unbekannter. So sei gegen den Mann zuletzt von der Polizei in Saarbrücken ermittelt worden. Allein in München soll der 37-Jährige 26-mal mit einem SOS-Kinderdorf aufgetreten sein. Laut dem Angeklagten eine Verwechslung: „Das bin nicht ich. In München wurde ich nie verurteilt!“ Automarke und Kennzeichen passten indes zum Angeklagten. Dessen Version, dass er ja nur mit einem speziellen Zahngold-Bewertungsgerät in der Innsbrucker Praxis erschienen sei, um Goldabfälle zu erwerben, war dem anzeigenden Zahnarzt gänzlich neu. Es musste vertagt werden.


Trotz Covid-Infektion in noch hoch ansteckender Phase war ein Unterländer im November kurz vor Mitternacht direkt in eine Verkehrskontrolle geraten. Es kam, wie es kommen musste: Routinemäßige Alkoholkontrolle, wobei der amtshandelnde Beamte beim Alkovortest auch noch das Prüfgerät in der Hand hielt. Mit Glück hatte die Aktion am Fahrerfenster keine Ansteckung für den Polizisten zur Folge. Als alles aufgeflogen war, erklärte der Unterländer geläutert, dass er mit seiner Frau allein in Sorge um den unerwartet noch nicht heimgekehrten 13-jährigen Sohn in die Nacht gefahren war. Das Verfahren gegen die Ehefrau wurde übrigens eingestellt, da sie im Zweifel nicht mehr als ansteckend galt. Gestern am Landesgericht ergingen nicht rechtskräftig zur Hälfte bedingte 2860 Euro Geldstrafe. (fell)


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