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Antisemitismus auf neuem Hoch: „Dagegenhalten mit jüdischem Leben“

Die Zahl der gemeldeten und bekannt gewordenen antisemitischen Übergriffe in Österreich hat einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahr 2021 wurden 965 Vorfälle gemeldet.

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Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde.
© APA

Von Michael Sprenger

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Wien – Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), wollte gleich gar nicht ins Lamentieren kommen. Obwohl der Bericht der Antisemitismus-Meldestelle 2021 mehr als nur beschämend ist. Denn die Zahl der gemeldeten und bekannt gewordenen antisemitischen Übergriffe in Österreich hat einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahr 2021 wurden 965 Vorfälle gemeldet. Dies entspricht im Vergleich zu 2020 mit 585 Vorfällen einem Anstieg um 65 Prozent und somit der höchsten erfassten Anzahl seit Beginn der Dokumentation vor 20 Jahren.

Deutsch präsentierte gemeinsam mit Benjamin Nägele, Generalsekretär der IKG, den Antisemitismus-Bericht, hielt aber zugleich fest: „So erschreckend das ist, wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Wir werden dagegenhalten mit jüdischem Leben.“

Damit aber ein jüdisches Leben funktionieren kann, damit Gläubige die Synagoge, Kinder die jüdischen Kindergärten und Schulen sowie Jugendliche und Erwachsene jüdische Sport- und Kultureinrichtungen besuchen können, investiert die IKG massiv in die Sicherheit. 20 Prozent des Budgets gebe die IKG dafür aus.

Einen dramatischen Anstieg bei den antisemitischen Vorfällen gab es im Mai (167). Aus Sicht der Meldestelle dürfte dies vor allem auf die militärische Eskalation zwischen palästinensischen Terrororganisationen in Gaza und dem Staat Israel zurückzuführen sein.

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Die zweitmeisten registrierten antisemitischen Vorfälle im Vorjahr wurden mit 113 Vorfällen im November gemeldet. Diese standen laut Meldestelle im Kontext neuer Corona-Schutzmaßnahmen.

Der Großteil der gemeldeten Vorfälle fand in sozialen Netzwerken (386) statt. Beim ideologischen Hintergrund ordnet der Bericht 48 Prozent der antisemitischen Vorfälle unter „Rechts“, 15 Prozent unter „Links“ und elf Prozent unter „Muslimisch“ ein, der Rest war nicht zuordenbar.

Der ansteigende Antisemitismus ist nicht zuletzt durch die steigende Präsenz rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien auch in anderen Ländern erkennbar. Wie sieht Deutsch die FPÖ in diesem Zusammenhang? „Die FPÖ unter Kickl ist gefährlicher und radikaler geworden.“ Und Deutsch ergänzt: „Antisemitismus ist per se antidemokratisch.“ Wer die demokratische und freie Gesellschaft verteidigen wolle, müsse dagegen einschreiten. Auch im Gasthaus, wenn sich wer antisemitisch äußert.


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