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„Tirol Live Spezial”: Das sagt der neue Landwirtschaftsminister Totschnig

Seit Mittwoch ist der gebürtige Osttiroler Norbert Totschnig als Landwirtschaftsminister im Amt. Bei einer Sonderausgabe von „Tirol Live" hat er mit TT-Chefredakteur Alois Vahrner über seine Berufung in die Bundesregierung, seine Verbundenheit mit Tirol, die Bergbauern oder die Causa Wolf gesprochen.

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Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (r.) bei seinem Premieren-Interview mit TT-Chefredakteur Alois Vahrner bei "Tirol Live".
© Thomas Böhm

Innsbruck ‒ Wegen einer Corona-Infektion wurde der gebürtige Osttiroler Norbert Totschnig (47) erst am vergangenen Mittwoch als Landwirtschaftsminister angelobt. Eine Woche zuvor hatte ihn Bundeskanzler Karl Nehammer ins Kanzleramt gebeten und ihn gefragt, ob er die Agenden Landund Forstwirtschaft sowie Regionen in der Bundesregierung übernehmen kann.

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"Ich habe sofort zugesagt", erklärt der ehemalige Direktor des ÖVP-Bauernbundes im Gespräch bei "Tirol Live".

📽️ Video | Norbert Totschnig in „Tirol Live Spezial”

Die bäuerliche Welt kennt der Bauernsohn aus Tristach wie aus dem Effeff. Totschnig will als Minister die Bauern bestmöglich durch die anstehenden Herausforderungen begleiten. "Aufgrund der Ukraine-Krise haben wir derzeit ein Teuerungsthema, zugleich geht es darum, die Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik umzusetzen und die Versorgungssicherheit in Österreich zu gewährleisten." Diesen Aufgaben werde er sich in nächster Zeit vorrangig widmen. Die aktuelle Versorgungslage bezeichnet der Minister als gesichert.

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Die Teuerungswelle erfasst zum einen die Landwirte mit voller Wucht, andererseits klagen die Konsumenten über steigende Lebensmittelpreise. "In der Landwirtschaft geht es in erster Linie darum, die Bauern zu entlasten. Die Energiepreise steigen und die Bauern sind mit sehr hohen Preisen bei den Futter-und Düngemitteln konfrontiert", betont Totschnig. Das geplante Entlastungspaket für die Bauern solle vor allem eine Liquiditätshilfe sein. "Wir wollen, dass die Bauern produzieren können, um die vorher erwähnte Versorgungssicherheit zu garantieren."

Für die Konsumenten erwartet sich der Landwirtschaftsminister eine spürbare Entlastung aufgrund der ökosozialen Steuerreform mit einem Volumen von 18 Milliarden Euro und des Entlastungspakets der Bundesregierung im Ausmaß von vier Milliarden Euro.


🎧 Podcast | „Tirol Live“ zum Nachhören


Ein Hauptaugenmerk wird der Neo-Minister auf die Berglandwirtschaft richten. Allein die bäuerlichen Einkommen in Tirol liegen bekanntlich deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt. "Es ist uns insgesamt ein Anliegen, dass die Berglandwirtschaft in ganz Österreich unterstützt wird. Sie stellt die Basis für die Kulturlandschaft und den Tourismus dar." Viele seiner Familienmitglieder seien Bergbauern, alleine deshalb hat Norbert Totschnig "schon ein besonders emotionales Verhältnis zu den Bergbauern. Daher werde ich mich natürlich dafür einsetzen, dass die heimischen Bergbauern eine maximale Unterstützung bekommen."

Der Landwirtschaftsminister verweist in diesem Zusammenhang auf die Reform der EU-Agrarpolitik, denn hier seien mehr Mittel für Umweltmaßnahmen (ÖPUL) und die Bergbauernförderung vorgesehen. "Das sind ganz klare Signale für die Berglandwirtschaft."

Rückendeckung gibt es für die Tiroler Schafbauern, die schnellere Abschüsse von Problemwölfen fordern. "Ich stehe für einen Naturschutz mit Hausverstand. Das heißt, wenn Problemwölfe auftreten, müssen sie entnommen werden können", meint Totschnig. Und wie erklärt er das den grünen Regierungskollegen, die primär auf Herdenschutz setzen? "Das kann ich insofern sehr gut erklären, weil die EU-Gesetzgebung hier ganz klare Ausnahmeregelungen vorsieht. Die Zuständigkeit dafür liegt bei den Ländern." Als Minister werde er aber auf allen Ebenen alles tun, um die Bundesländer sowie die Bäuerinnen und Bauern zu unterstützen, "dass Problemwölfe entnommen werden können".

Was die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln betrifft, liegt für Totschnig der Ball derzeit in Brüssel. "Die Gesetzesvorlage für die Herkunftskennzeichnung für die Gemeinschaftsverpflegung und verarbeitete Produkte liegt zur Begutachtung vor und wurde auch an die Europäische Union geschickt. Die EU muss sie notifizieren. Wenn es grünes Licht dafür gibt, werden wir so rasch wie möglich handeln, dass die Kennzeichnung auch greift."

In der Lebensmittelproduktion steht die österreichische Landwirtschaft laut Norbert Totschnig für Gentechnikfreiheit, beim Einsatz von Glyphosat wendet Österreich die strengsten EU-Richtlinien an. Welche Leuchtturmprojekte hat sich der Minister zum Ziel gesetzt? "Unmittelbar geht es mir um die Umsetzung der Entlastungspakete für die Bauern und die EU-Agrarreform." (pn)

Minister Norbert Totschnig über 

... seine Heimat Tirol:

„Ich habe ganz starke Wurzeln in Tirol und nütze jede Gelegenheit, die sich mir bietet, um heimzufahren, meine Familie zu treffen und Tirol zu genießen.“

... die Frage des Bundeskanzlers, ob er Landwirtschaftsminister werden möchte:

„Als Bauernsohn lernt man, wenn man gefragt wird, nicht lange nachzudenken, sondern packt die Arbeit an. Und ich nehme meine Aufgabe im Ministerium mit großer Freude an.“

... den Abschuss von Problemwölfen:

„Ich stehe für einen Naturschutz mit Hausverstand. Das heißt, wenn Problemwölfe auftreten, müssen sie entnommen werden können.“

... das Klima in der schwarz-grünen Bundesregierung:

„Ich bin erst seit wenigen Tagen im Amt. Ich spüre allerdings ein sehr gutes Koalitionsklima und einen Willen zum Weiterarbeiten. Ich will ebenfalls meinen Beitrag dazu leisten.“

... den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat:

„Bei Glyphosat hat Österreich im Vorjahr die strengst mögliche Auslegung umgesetzt, die die Gesetzgebung der Europäischen Union dafür vorsieht.“

... die Versorgungslage in Österreich mit Lebensmitteln:

„Die Versorgungslage in Österreich ist gesichert. Es gibt eine ausreichende Versorgung mit den Grundnahrungsmitteln. Dass das so bleibt, wird in den nächsten Wochen und Monaten auch eine meiner Hauptaufgaben sein.“

... den von ihm seinerzeit initiierten JungbäuerInnenkalender:

„Der Kalender ist ein dynamisches und innovatives Projekt. Das passt auch zu mir, denn ich bin offen für Innovationen. Diese Denkweise wird auch ein wenig meine Arbeit als Minister prägen: offen sein für das Vorwärtsgehen und das Nach-VorneSchauen.“

... die ländlichen Regionen:

„Ich verstehe mich in meiner Funktion als Brückenbauer, Kommunikator und der Sprecher der ländlichen Regionen.“


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