Kino

„Everything Everywhere All at Once“: Showdown im Finanzamt

Superstar Michelle Yeoh als Waschsalonbetreiberin Evelyn Wang.
© Constantin

Innsbruck – Mit „Everything Everywhere All at Once“ ist den jungen Regisseuren Dan Kwan und Daniel Scheinert ein außerordentlicher Überraschungserfolg gelungen. Seit seiner Festivalpremiere im März macht der Film nicht nur in Amerika von sich reden, und er wird bei den nächsten Oscars mit einigen Nominierungen rechnen können. Die phantastisch-dadaistische Action-Komödie mit dem allumfassenden Titel versteckt im Kern ein sensibles Familiendrama.

Protagonistin ist die Waschsalonbetreiberin Evelyn Wang (umwerfend vielseitig gespielt von Superstar Michelle Yeoh). Ausgerechnet beim Termin mit ihrer Finanzbeamtin (Jamie Lee Curtis) ist ihr Ehemann Waymond plötzlich wie ausgewechselt. Er sei aus einer Parallelwelt und sie müsse ihm helfen, das Multiversum zu retten.

📽 Trailer | Everything Everywhere All at Once

Damit ist der mit 25 Millionen Dollar relativ kleine US-Film der ungleich kreativere Zwilling zum großen Marvel-Multiversums-Blockbuster mit Dr. Strange, ebenfalls gerade im Kino. Eigentlich war das Drehbuch für Jackie Chan geschrieben, doch als der ab- und Michelle Yeoh zusagte, wurde die Geschichte zu einem Heldinnen-Film. So einfach geht’s.

Fast der gesamte, dreigeteilte Film spielt dabei im Waschsalon und im Finanzamt. Doch bunter, fantasievoller, verrückter und orgiastischer als die Action, die sich aus den anderen Multiversen in diese Welt einschleicht, ist es im Kino schon lange nicht mehr zugegangen. Von Filmzitaten aus „In The Mood For Love“ bis „Matrix“ über eine absurde Stein- und Wurstfingerwelt bis hin zum visuell effektvollen Finanzamts-Showdown sprüht der Film vor ironischen Ideen und gewitzten Fragen nach dem Sinn des Lebens. So wie Evelyn Wang möchte man Ende in keinem anderen Leben bzw. Kinosaal sein. Vielleicht der bislang beste, jedenfalls der überwältigendste Film des Kinojahres. (maw)

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