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Begehbare Recherchen im Künstlerhaus Büchsenhausen

Die vier Fellows des Künstlerhauses Büchsenhausen arbeiteten in den letzten Monaten an ihren Projekten. In der Neuen Galerie geben sie Einblick in ihre Arbeit.

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Der künstlerische Beitrag „After Kümmernis“: Sam Richardson (aus den USA) fotografierte für das eigene Projekt auch in Tirol.
© Daniel Jarosch

Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck – Sam Richardson ist nicht die erste Person, die sich künstlerisch mit der Heiligen Kümmernis auseinandersetzt. Besonders im katholischen Tirol. Die Figur gilt als Schutzpatronin für die Befreiung von Sorgen. Das Besondere: Der Legende nach bat sie darum, einer erzwungenen Ehe zu entgehen. Ihr wuchs daraufhin ein Bart. Ins traditionelle Geschlechterbild passte sie damit nicht mehr. Sie wurde ausgestoßen. Eine Erzählung, die Sam Richardson auf die eigene Geschichte projiziert. Bei Richardson wurde eine hormonelle Störung diagnostiziert, kurzum: Auch ihr wächst ein Bart. Zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung in der Neuen Galerie ließ sich Richardson diesen nun von BesucherInnen abrasieren – in klassische Geschlechterklassen will auch Richardson nicht passen. Kombiniert wird die Performance mit Kümmernis-Motiven, Selbst- und Porträts aus der Queer-Community, entstanden hier in Tirol. Wie die drei anderen Fellows des Künstlerhauses Büchsenhauses lässt Richardson im Rahmen der Ausstellung in das eigene Arbeiten blicken.

Dabei ist das, was Büchsenhausen-Leiter Andrei Siclodi unter dem sperrigen Titel „Corporeality Repair Concilition: Investigating Ways Into a Better Coexistence“ zusammenfasst, keine klassische Ausstellung. Es sind vielmehr begehbare Recherchen. Das macht deshalb Sinn, weil die Teilnehmerinnen Rosalyn D’Mello, Suzana Milevska und Olga Stefan aus der Theorie kommen. Als Kuratorinnen, Journalistinnen sind sie im Stipendienprogramm von Büchsenhausen wie KünstlerInnen ausdrücklich erwünscht.

Was alle vier eint, ist der persönliche Bezug zu den eigenen Projekten. Rosalyn D’Mello etwa, die in Mumbai aufwuchs, geht in „In the Name of the Mother“ der Frage nach, wer eigentlich Kunst macht. Auch Nicht-KünstlerInnen? Oder: Ist das Schaffen von Hausfrauen auch Kunst? Bei D’Mello schon. In ihrer Wahlheimat Südtirol arbeitet sie bewusst mit Hausfrauen zusammen. In D’Mellos „metabolischem Essay“ treffen Tradition und Feminismus aufeinander. Und es entsteht mit Marmeladen oder Keksen mitunter Leckeres.

Olga Stefan hingegen widmet sich als Kuratorin der Erinnerungsarbeit. In ihrem Projekt rekonstruiert sie eine Schau von inhaftieren Künstlern, die in rumänischen Konzentrationslagern des Antonescu-Regimes arbeiteten.

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Einen Versuch der Wiedergutmachung unternimmt Suzana Milevska, die am Ende der Ausstellung den perfekten Platz gefunden hat. Sie interessiert sich in ihrer Recherche mit Entschuldigungsversuchen – weniger auf persönlicher als auf gesellschaftlicher Ebene. Hier wird’s endgültig abstrakt. Man muss sich wohl oder übel einlesen. Bei dieser Schau ist Zeit nötig und Motivation gefragt.


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