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Tirol bei Arbeitsbelastung Spitzenreiter, Probleme in Pflege und Tourismus

Wie steht es um die Arbeitsbedingungen in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino? Am Mittwoch wurden von der AK Tirol erste Ergebnisse von 4500 Interviews präsentiert.

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Demo wegen des Pflegenotstands am 12. Mai in Innsbruck.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Tiroler Arbeitnehmer sind Spitzenreiter, wenn es um körperliche Arbeitsbelastungen geht, wie eine Euregio-Studie zeigt. Aus den insgesamt 4500 in Tirol, Südtirol und dem Trentino durchgeführten Telefoninterviews mit je 100 Fragen geht zudem hervor, dass die Lage in den Bereichen Pflege und Tourismus grenzüberschreitend besonders prekär ist, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Tiroler Arbeiterkammer.

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Das klare "Nord-Süd-Gefälle" in Sachen körperlicher Arbeitsbelastungen zeige sich beispielsweise bei Fragen nach sich ständig wiederholenden Arm- oder Handbewegungen oder schmerzhaften bzw. ermüdenden Haltungen. So sehen sich die Arbeitnehmer in Tirol mit einem Index von 26 Punkten stärker belastet als die Beschäftigten in Südtirol mit 23 Punkten.

Nun liegen konkrete Zahlen erstmals vor, auf dieser Basis müssen wir versuchen, die Arbeitsbedingungen in der betrachteten Europaregion zu verbessern.
Erwin Zangerl, AK-Präsident

Im Trentino ergab sich bei den Befragungen lediglich ein Wert von 19 Punkten. "Die Beschäftigten sind dort also beispielsweise starkem Lärm, dem Tragen von schweren Lasten oder dem Kontakt mit chemischen oder ansteckenden Stoffen weniger ausgesetzt", sagte Projektkoordinator und Arbeitspsychologe Tobis Hölbling.

Abseits des Nord-Süd-Gefälles bei körperlichen Arbeitsbelastungen zeige die Studie aber auch, dass psychische Belastung flächendeckend über die Regionen hinweg ein großes Thema sei. Abgefragt wurden dafür etwa das Arbeitstempo, Termindruck oder Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. "Südtirol sticht in fasten allen Branchen bei psychisch belastenden Arbeitsbedingungen negativ heraus", betonte Hölbling.

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Einige Problembranchen

So richtig problematisch werden belastende Arbeitsbedingungen dann, wenn mehrere Faktoren zusammenwirken, wie es bei einigen Wirtschaftszweigen ganz deutlich der Fall ist: Im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Hotellerie und Gastronomie sowie zum Teil im Bereich Erziehung/Unterricht erzeuge das Zusammentreffen von körperlichen und psychischen Faktoren jene Mehrfachbelastung, die auf die Dauer besonders schädlich wirke.

Der Grund: In allen drei Branchen wird mit Menschen gearbeitet: Kranke und alte Menschen, "erholungswütige" Gäste und quirlige Kinder samt ihren Eltern fordern zusätzlichen emotionalen Tribut. "Diese Belastungen summieren sich und machen die Arbeit in diesen Wirtschaftszweigen für immer weniger Beschäftigte attraktiv, was bei der Bedeutung dieser Branchen für den Wirtschaftsstandort und die Gesellschaft zu einer schweren Hypothek werden kann", gibt in diesem Zusammenhang AFI-Direktor Stefan Perini zu bedenken.

Platter will aus Studie "Maßnahmen ableiten"

Die Zahlen und Studienergebnisse veranlassten unterdessen Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und AK-Präsidenten Erwin Zangerl zu appellieren, es nicht nur bei einer theoretisch-empirischen Studie zu belassen. "Wir müssen uns fragen, welche Maßnahmen wir daraus ableiten und wie wir ein Maßnahmenpaket mit den Sozialpartnern umsetzen können", meinte Platter, während Zangerl betonte, dass mit der Studie nunmehr "die Basis gelegt ist, um die Belastungen der Arbeitnehmer zu ändern und Lösungen zu finden". (TT.com, APA)


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