Gerichtssplitter

Verschwörungstheoretiker und Holocaust-Leugner aus Unterland verurteilt

Der Holocaustleugner wollte vor dem Schwurgericht keine weiteren Aussagen mehr machen und ließ die Verteidigung sprechen.
© Böhm

Holocaustleugner, Zionisten-Feind, Verschwörungstheoretiker und Pandemieverleugner: Über zehn Jahre war ein Unterländer mit seinem wirren Weltbild zwischen Spanien und Tirol hin und her gependelt. Manifestiert hatte der 54-Jährige seine Theorien allerdings auf eigenen Internetseiten, welche sich unter aufwändigster Aufmachung mit der aktuellen und künftigen Weltordnung und diesbezüglichen „Fakten“ beschäftigten.

Dies, das Anbringen von Plakaten an öffentlichen Gebäuden und das Verteilen von Visitenkarten, die auf seine Webseiten verwiesen, brachten den Ideologen auch in das Visier des heimischen Verfassungsschutzes. Dieser konnte den Mann schließlich in einer Tiroler Wohnung festnehmen. Eine offizielle Meldung hatte zuletzt 2012 bestanden.

Nachdem der Verhaftete noch bei der Ermittlungsrichterin am Landesgericht dabei geblieben war, dass Holocaust und Corona eine Erfindung des Judentums und der Freimaurer seien, und er zudem die Herausgabe der Zugangscodes für seine Internetseiten verweigerte, wurde über den 54-Jährigen bis zum nunmehrigen Prozess wegen NS-Wiederbetätigung Untersuchungshaft verhängt.

Erst Verteidigerin Eva Kathrein konnte den Mandanten zur Herausgabe der Codes bewegen. Ihr gegenüber beteuerte der Verblendete, dass er kein Neonazi sei. Vor dem Schwurgericht wollte der Unterländer selbst nicht mehr sprechen und ließ von Verteidigerin Kathrein ein Schuldeingeständnis verlesen: „Seit dem EU-Beitritt ortet er Mächte hinter einem Zentralstaat. In der Abschottung der Pandemie hat er sich zudem in der NS-Ideologie verirrt“, so die Strafverteidigerin. Das Schwurgericht beließ es darauf bei zwei Jahren Haft – 18 Monate davon bedingt. Bei Rechtskraft wird der nun Geläuterte am Dienstag entlassen. (fell)